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KING WOMAN – Celestial Blues

~ 2021 (Relapse) – Stil: Doom/Blues/Shoegaze/Post Rock ~


„Celestial Blues“ ist wahrscheinlich die perfekte Wortpaarung, um den bizarren und einzigartigen Sound von KING WOMAN zu beschreiben. Die Musik, die von dem unverwechselbaren Gesang und der Bühnenpräsenz Kris Esfandiaris getragen wird, ist klagend, ätherisch und jenseitig zugleich, wobei ein Großteil der Instrumentierung und Struktur in schweren, bluesigen Melodien verwurzelt ist. ´Celestial Blues´ spielt mit biblischen Bildern, um über Rebellion, Verrat und Verzweiflung zu erzählen, die alle durch Esfandiaris absolut glaubwürdige Präsenz als Engel, Teufel und Gottheit in einer Gestalt zusammengehalten werden.

Die Bandleaderin und Sängerin kommt bekanntlich aus derselben San Francisco-Szene wie DEAFHEAVEN, BOTANIST und BOSSE-DE-NAGE und es ist insofern auch nicht überraschend, dass KING WOMAN keine Metal-Band im traditionellen Sinne sind, sondern auf instrumentaler und klanglicher Ebene weit mehr im Shoegaze, Doom und Post Rock ihre Wurzeln aufzeigen.

 

 

Die Art und Weise, wie die Band ihre depressiven und schweren Töne mit dynamischen Wechseln zu weichen und sauberen Abschnitten kombiniert, ist nach wie vor außergewöhnlich und wird bei den Songs ´Entwined´ und dem Titeltrack um ein weiteres Mal besonders deutlich.

Esfandiaris Gesangsrepertoire ist zudem mittlerweile wesentlich vielfältiger und einzigartiger geworden und umfasst harsche und bombastische Schreie, wehmütiges Klagen sowie lautstarkes Kreischen genauso sehr wie ihren überwiegend düsteren, melancholischen und harmoniegetriebenen Gesang. Die altbewährte Geschichte von Luzifer, dem gefallenen Engel, erhält in der lyrischen Erzählweise des Albums sogar eine abstrakt-expressionistische Wendung. Durch die Gesangsdarbietungen bleibt jedoch viel von der persönlichen und emotionalen Natur erhalten, die die Band bereits auf ihrem Debütalbum vermittelt hat, und genau das fügt dem expansiven Gefühl von ´Celestial Blues´ auch ein bedeutendes Stück Wahrhaftigkeit hinzu.

Die Verbesserungen zeigen sich vor allem im wunderbar-emotionalen ´Morning Star´, den düsteren und gruseligen ´Boghz´ und ´Golgotha´ ​​sowie im pulsierenden ´Psychic Wound´. Die einnehmenden Hooks, die sich wiederholenden Loops und dunklen Melodien, die für den Sound von KING WOMAN so charakteristisch geworden sind, werden auf eine Weise verwendet, die die tranceartigen Bestandteile so zusammenfügen, dass es sich erstmals auch wirklich befriedigend anfühlt. Auf dem Vorgänger ´Created In The Image Of Suffering´ ist das nur teilweise gelungen, aber hierauf schafft es nahezu jeder Song, für sich genommen sowohl süchtig als auch eindringlich zu sein.

´Celestial Blues´ ist ein Album, das garantiert und nicht bloß auf subtile Weise unter die Haut geht. Ob es die ätherische und doomige Atmosphäre ist, die von den Instrumenten erzeugt wird, oder Esfandiaris unheimliche und pessimistische Beobachtungen der dunklen Unterseite unseres Lebens.

(8 Punkte)


(VÖ: 30.7.2021)