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GHASTLY – Mercurial Passages

~ 2021 (20 Buck Spin) – Stil: Blackened Death Metal/Doom/Psychedelic ~


´Mercurial Passages´ ist das neue Album der finnischen Death Metal-Monger GHASTLY, einem Trio aus Tampere, das 2011 gegründet wurde und mit ´Carrion Of Time´ (2015) und ´Death Velour´ (2018) bereits zwei weitere Longplayer vorzuweisen hat. Die Skandinavier gehören zweifellos zu den Legionen von Bands, die den Todesmetall-Sound der alten Schule am Leben erhalten, allerdings integrieren sie zusätzlich gekonnt Einflüsse wie Black Metal, Doom sowie dunklen Psychedelic.

Das Album startet mit beunruhigenden Umgebungsgeräuschen, wobei höhlenartige Gitarren eine herrlich-unheimliche Melancholie über hämmernde Drums und krachende Becken kaskadieren. Das dissonante Aufflackern und die darauffolgenden ätherischen Vocals verleihen dem Sound einen geschwärzten Touch, wobei der Gesangsstil sich zunehmend eher wie eine Beschwörung anfühlt, und er passt in all seiner nuancierten Pracht perfekt zum brüllenden instrumentalen Ansturm.

GHASTLY schlängeln sich stets gekonnt durch Korridore der Ekstase und Verzweiflung, während sie immer wieder zu ihrem tödlichen Kern der viszeralen Barbarei zurückkehren. Songs wie ´Sea Of Light´ und ´Perdition´ schalten zwischen Death Metal-Wut, Trance-induzierendem Doom und geschwärztem Tremolo-Riffing ständig hin und her und verbinden sich somit zu albtraumhaften Sounds, die den handelsüblichen Death-and-Gore-Ansatz bei weitem überschreiten.

 

 

Verzerrende Instrumente vollbringen federführend die klangliche Magie mit zuckenden Gitarren auf bergigen, pulsierenden Drumbeats, die auf die erschütternden, spektralen Vocals mit einer besonders schwarz gefärbten Wirkung treffen. Dabei weichen aufladende Blastbeats oftmals einigen eher traditionellen Death Metal-Riffs, wobei jedoch nichts Abgeleitetes oder gar Dumpfes entsteht. Das abgrundtiefe Gebrüll erinnert zweifellos an andere Genre-Vertreter wie DEAD CONGREGATION oder GRAVE MIASMA und es verleiht dem Sound ein entsprechend okkultes Feeling, das absolut eindringlich, aber nicht weniger wild ist.

Die Labyrinthe der Dunkelheit brechen mit einem unkörperlichen Death Metal-Stil aus, der nahezu beispiellos ist – ein Klagelied an hypnotischer und strenger Musik, die als Portal zu einem Ort jenseits der denkbaren Realität für diejenigen fungiert, die bereit sind, sich an die Seite des Trios zu wagen. Verworrene Klanglandschaften als Auslöser für einen gnadenlosen Schwarm an Albträumen.

´Mercurial Passages´ ist ein würdiger, geradezu monolithischer Nachfolger des schon ausgezeichneten ´Death Velour´ – roh und kompromisslos, aber ebenso vielschichtig und reich an Ideen. Ein verstörender und zugleich wunderschöner Todesmetall an brillanter spektraler Dominanz. Die Höhlen haben sich geöffnet und die Schrecken treten hervor – auf dass wir eins werden mit dem alles verschlingenden Abgrund!

(8,5 Punkte)

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