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PlattenkritikenPressfrisch

CHRIST ON PARADE – A Mind Is A Terrible Thing

1987/2018 (Neurot Recordings) – Stil: Hardcore Punk


Eine vergessene Größe im Hardcore – und Vorbild für junge Bands, denen Hirn so wichtig war wie Muskeln: CHRIST ON PARADE. Sie starteten 1985 in der so genannten „Peace Punk“-Szene der Bay Area/San Francisco. Sie wollten den politischen Umsturz in der reaktionären Ronald Reagan-Ära (vorerst friedlich) herbeisingen – ebenso beeinflusst von klug-kreativen Punk-Bands wie SUBHUMANS, VICTIM‘S FAMILY und DEAD KENNEDYS sowie von den Querdenkern BOB DYLAN und CAPTAIN BEEFHEART.

CHRIST ON PARADEs erster Longplayer, ‘A Mind Is A Terrible Thing’, erfährt dieser Tage eine Wiederveröffentlichung seitens des geschmackssicheren NEUROSIS-Labels Neurot. Und es lohnt sich: Protest-Songs, getragen von zackigen Power-Chords, immer mal wieder unterbrochen von kleinen Tempo-Wechseln und feinen Melodiebögen auf der Sechssaitigen. Hervorzuheben ist Noah Landis. Der singende Gitarrist verstand es damals, der düsteren Stimmung der „Wir haben Angst vor dem Atomkrieg!“-Jahre textlich und stimmlich authentisch Ausdruck zu verleihen. Die musikalische Bandbreite reicht von mehr-oder-weniger klassischen Hardcore-Rippern wie ´Kill Your Landlord´ über apokalyptischen Post-Punk wie ´Riding The Flatland´ hin zu diesen unnachahmlich typischen Trademark-Titeln wie ´Power‘ und ´Teach Your Children Well‘.

Die Band bestritt nach ihrer schon viel beachteten Debüt-EP ‘Sounds Of Nature’ und diesem Longplayer mit wachsender Aufmerksamkeit an West- und Ostküste erfolgreiche Shows – mit bereits damals angesagten Acts wie AGNOSTIC FRONT und CIRCLE JERKS. Sie schafften es sogar nach Europa. Insbesondere in Uni-Städten fanden CHRIST ON PARADE ihre Fans. Waren sie nicht bloß hart und bissig, sondern auch tiefgründig bis zweideutig – insgesamt ein Vorbild für eine sich weiter ausdefinierende Szene, auch für spätere Indie-Größen wie SONIC YOUTH. Die Message zählte mindestens so viel wie die Musik. Aber Besetzungswechsel und Streitigkeiten auch über die musikalische Ausrichtung ließen sie dann 1989 verstummen.

Jetzt, wo vieles in den USA unter Donald Trump an die nervösen 1980er und an den damaligen Zynismus in der Gesellschaft erinnert, ist ´A Mind Is A Terrible Thing‘ wieder ein passender Soundtrack – wider den Wahnsinn.

(8 Punkte)

11Dez
PlattenkritikenPressfrisch

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