Kategorie:Redebedarf

Redebedarf

LORD VIGO – Ein Treffen im Nebel

Interview mit Vinz Clortho und Volguus Zildrohar


Einundzwanzigster April 2018. Ich sitze hier alleine im K.A.B. Radio-Studio des ausgebauten Leuchtturms von Antonio Bay und versuche, die Bewohner mit kauzigem Metal durch die Nacht zu begleiten. Vom Meer her zieht wie zuletzt vor 38 Jahren eine bedrohliche Nebelwand auf, die diesmal leicht violett zu leuchten scheint. Eine Warnung an die Fischerboote verkneife ich mir heute, da die Besatzung des düsteren Schiffes unter der Flagge des LORD VIGO da draußen vor der Küste diesmal aufgrund meines Flehens hier ist. Trotzdem zucke ich unweigerlich zusammen, als es unten an der Tür sechsmal pocht. Ich stehe auf und will mich auf den Weg nach unten machen, da bemerke ich aus dem Augenwinkel, wie sich ein unheimlicher Nebel im Raum ausbreitet. Ich drehe mich um und sehe mich direkt Auge in Auge mit Vinz Clortho und Volguus Zildrohar. Ich könnte schwören, dass da ein leichter rötlicher Schimmer hinter ihren Sonnenbrillen zu bemerken ist, doch ich reiße mich zusammen und beginne die Konversation.

SC: Seid gegrüßet, es ist nun ziemlich genau ein Jahr seit unserem letzten Treffen in eurer Heimat vergangen und ich habe euch an diesen verfluchten Ort gebeten, um von eurem neuen Album zu berichten, dessen Kernstück und zwei begleitende Songs von den damaligen Ereignissen hier handeln. Was könnt ihr uns zum neuen Opus erzählen?

VOLGUUS: Ahoi. Der Albumtitel ‚Six Must Die‘ stand bereits vor Veröffentlichung von ‚Blackborne Souls‘ fest. Ausschlag gab ein Kommentar meinerseits, dass ich auf dem ‚B.S.‘ Cover gerne irgendwo eine Planke mit der Aufschrift ‚Six Must Die‘ gehabt hätte. So als Hommage an ‚The Fog‘ und den Meister des hochwertigen B-Kinos, John Carpenter himself. Aber das wäre Verschwendung gewesen, denn jeder war der Meinung, dass das ein perfekter Albumtitel ist. Entgegen unseren Gepflogenheiten haben wir da nichts mehr daran geändert. Ebenfalls von vornherein war klar, dass es ein epischer Longtrack wird. Der Song selber hat sich dann tatsächlich über Monate entwickelt. Irgendwann fühlte er sich ‚richtig‘ an. Übrigens sind alle Filmzitate, die zu hören sind, von professionellen Sprechern nachgesprochen worden. Niemand möchte sich mit Filmstudios anlegen (lacht).

Zum Thema brauche ich wohl nichts zu sagen. Wer dieses Meisterwerk an atmosphärischem Grusel nicht kennt, ist selbst schuld, haha. ’21 April 1880′ zeigt den LORD dann von einer neuen Seite. Ja, wir können auch ohne Bratgitarren. Ein wunderbar atmosphärischer Abschluss der Platte, wie ich finde. Das Intro zur Scheibe ‚Elizabeth Dane‘ ist der dritte Song des ‚Six Must Die‘ Konzeptes. Wir fanden es ganz witzig, da alle Songs zwischen dem ersten und letzten ein völlig anderes Thema haben… und weil der Name einfach toll klingt.

VINZ: Nun im Jahre des Herrn 2017 wuchs der Gedanke, dass ‚Six Must Die‘ sich wie ein roter Faden durch das Album ziehen muss, es aber gleichzeitig kein Konzeptalbum im klassischen Sinne werden soll. Auf vier Tracks des Albums wird zum Beispiel die Vorgeschichte von ‚Blackborne Souls‘ erzählt. Wenn mal will, könnte man es als Doppelkonzeptalbum bezeichnen – aber im eigentlichen Sinne steht ‚Six Must Die‘ im Vordergrund. Der Song selbst wuchs über fast ein halbes Jahr hinweg und wurde stetig erweitert und dran gefeilt. In der Ursprungsversion war ’21 April 1880′ in ‚Six Must Die‘ integriert, aber wir hatten uns dann doch dazu entschlossen, ihn separat zu gliedern. Ich denke vom Sound her haben wir uns etwas weg vom Doom und eher zum Epic Metal bewegt, mit einigen Passagen die den Göttern des Classic Rock huldigen. Man erkennt immer noch LORD VIGO.

In der Tat. Die Huldigung der langsamen, schweren Klänge ‚Doom Shall Rise‘ ist ein recht flotter Smash-Hit geworden, der live mächtig abgehen sollte.

SC: Berichtet uns bitte mehr von den beiden Konzepten, insbesondere der ‚Episode One‘ von ‚Blackborne Souls‘ und wer oder was ‚Thu-Rar‘ und ‚Thal Mun-Rar‘ sind. Hört sich im ersten Moment an, wie die altägyptische Ausgabe eines irren nordkoreanischen Herrschers und seines durchgeknallten Sohnes.

VOLGUUS: Wie bereits erwähnt handelt das Hauptkonzept von dem Streifen ‚The Fog‘ aus dem Jahre 1980. Geschrieben und verfilmt von John Carpenter. Sollte eigentlich jeder kennen. Eine klassische Gruselgeschichte. Sechs Verschwörer locken im Jahre 1880 den Klipper des reichen, aber leprakranken William Blake mit einem falschen Leuchtfeuer direkt in die Klippen, um an sein Gold zu kommen und die Stadt Antonio Bay zu gründen. 100 Jahre später nehmen die sechs Ertrunkenen bittere Rache und kommen mitsamt Klipper und Nebel zurück, um sich ebenfalls sechs Opfer und das Gold zu holen. Daher der Albumtitel. Lediglich Father Malone weiß, wie die Dinge laufen, da er das Tagebuch seines Großvaters – einem der sechs Verschwörer – gefunden hat. Dummerweise ist er dem Weine verfallen und niemand glaubt ihm.

Ich will nicht zu viel spoilern, aber die Geschichte hat ein Happy End. Blake bekommt sein Gold und seine sechs Opfer. Nicht jede Story muss böse enden (lacht diabolisch). Zur ‚Blackborne‘-Story kann ich wenig sagen, da man solch vertrackte Fantasy nur plausibel erklären kann, wenn man seine Birne lange genug unter einem Helm weichgekocht hat. Also muss VINZ übernehmen.

VINZ: Nun das Konzept von ‚Six Must Die‘ gliedert sich auf dem Album in drei Kapitel, ‚Elizabeth Dane‘, ‚Six Must Die‘ und ’21 April 1880′. Im Grunde haben wir den Film auf unsere Weise neu vertont und die Geschichte von Blake und seinen Mannen erzählt. Dabei haben wir dieses Mal mit professionellen Sprechern gearbeitet, die Rollen von zum Beispiel Stevie Wayne übernommen haben. Originalton aus dem Film konnten wir leider nicht verwenden, aber ich denke unsere Version kommt dem Original schon sehr nahe.

Die Songs ‚Thul -Rar‘, ‚Thal Mun-Rar‘, ‚I Am The Prophecy‘ und ‚Evil In Disguise‘ erzählen die Vorgeschichte zu ‚Blackborne Souls‘. Auf der gleichnamigen Scheibe ist ‚B. S.‘ nur noch eine Ruinenstadt, die von zwei Wächtern bewacht wird und Gottkönig ‚Aubis‘ und die ‚Army Of Immortal Silence‘ sind längst vergessen, bzw. in ewiger Stasis gefangen. Die vier Songs auf ‚Six Must Die‘ erzählen nun die Tage vor der großen, letzten Schlacht bei dem die ‚Blackborne Souls‘ und die ‚Sorcerer Of The Reth‘ aufeinander treffen. Thal Mun-Rar ist die letzte Ruhestätte für abgedankte Könige, die dort ihre letzten Tage verbringen. Thul-Rar hingegen ist der Kampfschrei der ‚Army Of Immortal Silence‘ – unsere Version also von ‚Hail And Kill‘ (lacht hämisch).

Wie wir schon vom letzten Interview her wissen, ist VOLGUUS ein wandelndes Lexikon kultiger oder obskurer Filme.

SC: Vinz, dein Konzept legt eher nahe, dass du ein Faible für Mythen und historische Fantasy hast. Hat dich dafür ein literarisches Werk oder irgendein Schriftsteller inspiriert? Ich denke da zum Beispiel unweigerlich an die ‚Acheronomicon‘-Trilogie auf der ersten – aufwendig mit Booklet gestalteten – HELLWELL-Scheibe von Mark ‚The Shark‘ Shelton, die auf einer Kurzgeschichte von Ernest Cunningham Hellwell basiert.

VINZ: Mich inspiriert eigentlich alles, von den Rundungen einer hübschen Frau bis zu der Frisur von Kim Jong Un (kichert irrsinnig). Manchmal auch die Rundungen von Kim Jong Un und die Frisur einer hübschen Frau. Hübsche Frauen dürfen sich gern bei mir melden, King Jong Un soll’s bleiben lassen (lacht diabolisch) Ich denke, man darf getrost sagen, dass nicht jeder Satz in jedem Text eine sehr tiefgründige Aussage besitzt. Die Texte schwanken immer zwischen ‚Ah ja, das hat ’ne Aussage‘ und ‚Ah ja, immerhin Text‘ (schmunzelt).

Man muss einfach abwägen, was gerade höher zu bewerten ist: Die Aussage oder die Singbarkeit bzw. der Klang der Wörter. Das ist nicht immer ganz so einfach. Selbst Geddy Lee (RUSH) ändert teilweise Wörter in Songtexten, da sie einfach nicht gut klingen. Man muss ja nicht gleich den MANOWAR – Textwürfel zücken, aber zumindest sollten die Lyrics das Niveau der Riffs halten.

Ich bin übrigens auch teilweise auf meine Gitarre gefallen, habe das zufällig aufgenommen und manche dieser Teile haben es tatsächlich auch auf’s Album geschafft, da mein unvirtuoses Gitarrenspiel nicht kopierbar ist (wiehert). Dem geneigten Hörer sei hierzu das Booklet des Albums ans Herz gelegt, da ist genau aufgelistet wer wo was spielt.

Warum muss eigentlich immer nur ich hier reden? Ich glaub Volguus Lichteshaar ist eingepennt…

Volguus‘ Reaktion lässt sich nur erahnen – wie immer steht er unbeweglich mit verschränkten Armen neben seinem Counterpart und nur das unmerkliche Zucken seiner Wangenknochen veranlassen mich, umgehend das Gespräch auf andere Themen zu lenken, doch urplötzlich bricht er sein Schweigen.

VOLGUUS: Dazu noch ein kleiner Einwurf. Bei uns geht ganz klar guter Klang über sinnvollen Sätzen. Deswegen musste da manches etwas angepasst werden, was sich als nicht wirklich einfach erwiesen hat. Letztendlich ist das bei jeder Band so, wenn man nicht gerade ‚Operation Mindcrime‘ komponiert. Im Großen und Ganzen macht das aber schon Sinn und deswegen habe ich versucht, den Text von ‚Doom Shall Rise‘ in eine verfilmbare Story umzuwandeln. Eigentlich fast unmöglich, weswegen ich mir Hilfe besorgt habe und zusammen haben wir das Ganze in ein Drehbuch gezwängt.

Wir wollten etwas machen in der Tradition der alten KING DIAMOND-Videos oder generell der klassischen MTV-Ära der Achtziger, als noch richtige Storys in Videos erzählt wurden. Natürlich war zu jener Zeit massig Budget vorhanden. Das haben wir zwar nicht, jedoch haben wir uns was einfallen lassen und ich hoffe, das Ergebnis spricht für sich. Offizieller Release ist der 21. April 2018. Genau 138 Jahre nachdem die ‚Elizabeth Dane‘ mitsamt Kapitän und Crew in die Klippen bei Spivey Point gerauscht ist und von den eisigen Fluten verschlungen wurde. Ein besseres Datum könnte es nicht geben.

SC: Ihr legt auch Wert auf das nötige Merchandise, Patches und Shirts in cool. Zum Beispiel gab es das erste Shirt mit verschiedenen Backdrucken und das letzte wird nicht etwa vom zweiten Cover geziert, sondern hat ein saustarkes, alternatives Motiv, welches auch jeden OVERKILL-Dude ansprechen dürfte.

Wie wichtig ist Merch mittlerweile auf Konzerten und habt ihr euch zu der anstehenden Veröffentlichung schon was überlegt? Da Vinz gerade über weibliche Rundungen philosophiert hat – mir ist zugetragen worden, dass ihr eine enorme Auflage an Girlie-Shirts aus den Landen der Textiltrolle geordert habt. Ist eure Fangemeinde mittlerweile so emanzipiert, oder war die Hoffnung auf Groupies Ursprung des Gedanken?

VINZ: Die Hoffnung auf Groupies ist die einzige Triebfeder, warum wir überhaupt Musik machen (lacht schallend). Die Feder wird leider nicht so sehr gedehnt, da unsere Groupies meist zwar Rundungen besitzen, aber oft eher dem männlichen Geschlecht angehören – was natürlich kein Hindernis ist, die verschwitzen Körper aneinander zu reiben – jedoch bevorzuge ich das weibliche Geschlecht in jeglicher Hinsicht. Eigentlich sind sie ja kein Geschlecht sondern Gegut! Kann nix Schlechtes am grazilen Geschlecht erkennen (schmunzelt). Aus diesem Grund haben wir uns auch unser Lager mit Girlies gefüllt, fehlen eigentlich nur die wohlgeformten Körper, an die sich der Stoff anschmiegen kann.

Gerade im Metal ist ja eine hohe Bereitschaft vorhanden auch beim Merch mal zuzugreifen, vorausgesetzt, die Qualität stimmt. Ich denke, unsere Preise halten sich in einem sehr erträglichen Rahmen, 13€ für ein Shirt finde ich absolut ok. Soweit ich weiß, ist für das neue Album zumindest ein passender Patch geplant, mit den Shirts müssen wir mal sehen, da unser Lager noch gut gefüllt ist. Ich kann hier übrigens exklusiv verkünden, dass jeder weibliche Fan, der oben ohne vor unserer Bühne gesichtet wird, natürlich nicht frieren muss, sondern kostenlos ein passendes Girlie überreicht bekommt. Natürlich nach dem Gig (kichert mysteriös). Eigentlich plant Volguus immer das mit dem Merch und könnte wohl mehr dazu sagen, aber er scheint gerade per Bluetooth mit John Carpenter zu telefonieren…

Tatsächlich scheint Volguus sehr abwesend, die gerunzelte Stirn lässt jedoch vermuten, dass seine Zirbeldrüse, inneres Auge oder Bluetooth (wie Vinz es leserfreundlich ausdrückt), unablässig arbeitet und wiederum bricht es kurz vor einer unangenehmen Stille aus ihm heraus.

VOLGUUS: Genau, eigentlich plane ich das Merch, aber Vinz muss halt zu allem was ablassen. Das Cover des zweiten Albums war nicht wirklich geeignet für Merch, da es unglaublich detailreich gezeichnet ist. Das sieht auf Shirts einfach nicht gut aus und deswegen haben wir Karmazid gefragt ob er nicht was Schlichtes für’s Merch zeichnen kann, was er auch prompt getan hat. Ich hatte ein Bild im Kopf und habe versucht, es ihm einigermaßen akkurat zu erklären. Das fertige Bild war dann genau das, was ich mir vorgestellt habe. Einfach unglaublich, der Mann.

Bei dem ‚Six Must Die‘-Cover stehen wir vor einer neuen Herausforderung, da zum ersten Mal nicht Karmazid, sondern Markus Vesper das Artwork gezeichnet hat. Die dritte Scheibe sollte sich etwas abheben von den ersten beiden, die optisch oft in die Black Metal-Richtung abgetan wurden und auf den ersten Blick nicht sofort zu unterscheiden sind. Deswegen auch das neue Logo – übrigens ebenfalls von Karmazid – das wesentlich besser zur Musik passt. Da wir diesmal ein farbiges Cover haben, bin ich noch nicht ganz sicher, wie das alles ausschauen wird, aber uns wird bestimmt was einfallen. In naher Zukunft werden noch Pins und Aufkleber dazukommen. Da ich selbst gerne Merch kaufe, finde ich das schon wichtig. Wenn ich eine Band gut finde, muss das einfach jeder wissen (lacht herzlich).

Das mit den Girlies war mehr oder weniger ein Unfall. Aber da wir jetzt bis zum Ende der Band mit Girlies versorgt sind, dürften sich die Beschwerden weiblicher Fans ob mangelnder Textilien endlich erledigt haben (lacht enthusiastisch).

SC: Ihr habt euch mittlerweile einen Ruf als starke Liveband erarbeitet, nicht zuletzt durch euer charakterlich unterschiedliches Auftreten: Tony und Zuul als die absoluten Posingtiere, die immer in Bewegung sind, der mysteriöse Mantis an den Fellen, Volguus mit seiner eiskalten Präsens und Vinz, der durch die leidenschaftliche Intonation der Songs den Zuschauer in seinen Bann zieht. Mich persönlich nimmt das weitaus mehr mit als viele imagelose Standfußballer, egal welche musikalische Qualität dabei für sich selbst sprechen soll. Dafür gibt’s Tonträger. Was wäre Metal ohne Image oder zumindest die sportlich-körperliche Dedikation zur gebotenen Heavyness? Ihr habt im vergangenen Jahr einige Livemessen zelebriert, was waren eure persönlichen Highlights oder Anekdoten?

VINZ (gibt sich eher mysteriös)Ich komme ja gebürtig aus Kaiserslautern, wohne auch noch im Kreis Kaiserslautern und bei uns war es auf dem Betze immer Tradition, dass eine gelungene Grätsche, bei der der Gegner über die Bande geflogen ist, genauso wie das entscheidende Tor gefeiert wurde. Sprich: manchmal muss es auch derbe zugehen! Heavy Metal steht nicht für Sonntagnachmittag bei Oma schön den Eierlikör aus dem Waffelbecher lutschen! Schöngeister werden vielleicht die Nase rümpfen wenn sie uns auf der Bühne sehen, aber wie sagt man in der Pfalz: „Was leid’en mir droh“.

VOLGUUS: Also Highlights waren auf jeden Fall das ‚Hammer of Doom‘ und das ‚Stormcrusher Festival‘. Unglaublich, wie viele Leute bei einem Opener schon da waren. Echte Liebhaber eben. Mit Legenden wie CIRITH UNGOL in Griechenland aufzutreten, war natürlich jenseits allem Vorstellbaren. Eine echte Erfahrung. Eigentlich waren alle Auftritte bisher klasse. Klar, ist mal mehr, mal weniger los, aber lieber vor 20 Maniacs spielen als vor 300 Schlafmützen.

Was Anekdoten angeht, war mein persönliches Highlight das ‚Stormcrusher‘ 2016. Wir hatten dasselbe Hotel wie RAM, die ja – fatalerweise – Schweden sind. Jedenfalls haben Zuul und ich uns mit ihnen in der Hotellobby getroffen, mit der festen Absicht noch eine Kneipentour zu machen. Dummerweise waren wir im hinterletzten Kuhkaff gelandet, weswegen wir geschlagenen DREI (!) Stunden durch das Dorf rannten und einfach keine Kneipe fanden. Begleitet vom Murmeln des Bassisten, der abwechselnd „I have to leave this band“ und „Let’s go to Weiden“ raunte. Schließlich gaben wir auf und gingen zurück zum Hotel nur um festzustellen, dass 10 Meter daneben eine Kneipe war … Die haben wir dann auch noch besucht. Sämtliche Gäste waren innerhalb von zwei Minuten komplett verschwunden und der verängstige Wirt hat uns umgehend Aschenbecher auf den Tisch gestellt, was in Bayern einer Todsünde gleichkommt. Vielleicht sollte ich erwähnen, dass wir alle noch in kompletter Bühnenmontur waren (lacht apokalyptisch). Viel Schlaf war da nicht drin, aber die Schweden hatten am nächsten Tag eine sechzehn-stündige (!!) Heimfahrt vor sich. Schmerzbefreit.

SC: Ich obeye dem neuen Album nun schon einige Zeit und ertappe mich dabei, dass insbesondere der Refrain von ‚Six Must Die‘ zu allen erdenklichen unmöglichen Tages-und Nachtzeiten mein Gehirn steuert. Wie bereits erwähnt, sind der Doom-Anteil, als auch die in der Vergangenheit teils sperrigen Momente stark gesunken, zugunsten von neuen harmonischen Ideen, klassischen Rock-Einflüssen und einer unglaublichen Epik, die starke US Metal Trademarks aufweist, wie zum Beispiel aus der Richtung WARLORD, um nur eine Kultband zu nennen. Alte Untertanen werden sicherlich nicht enttäuscht sein, das Potential dieses Albums könnte jedoch eine neue Schicht von LORD VIGO-Streitern rekrutieren. Wie seht ihr das aktuell mit einigem Abstand zu dem Aufnahmeprozess?

VINZ: Da ich das Material auch noch gemischt habe und teilweise über Wochen täglich damit beschäftigt war, ist es immer noch schwer, mit Abstand das Material zu hören. Im Prinzip höre ich mir unsere fertigen Alben nicht mehr an. Das Kapitel ist für mich damit abgeschlossen und man setzt die Segel zu neuen Ufern, bzw. zum neuen Album. Für das haben wir uns auch schon grob ein neues Konzept überlegt und werden zumindest textlich darauf aufbauen oder uns daran orientieren. Warum werden eigentlich hier Fragen gestellt, die nix mit Groupies oder Frauen zu tun haben???

VOLGUUS: Ich stimme in allem zu. Im Nachhinein betrachtet war ‚Blackborne Souls‘ schon ein ziemlich düsterer Brocken, vielleicht ein wenig zu lang und ausufernd. Ich mag das Album immer noch sehr und es gab beim Songwriting zu ‚Six Must Die‘ auch keinen Masterplan. Klingt klischeehaft, aber die Songs entstanden einfach so. Vielleicht war uns unterbewusst klar, dass wir mit einem weiteren ‚Blackborne Souls‘ vor allem live Probleme bekommen würden. Sperrige Songs sind auf ihre Weise zwar toll, aber live schwierig mitreißend umzusetzen. Ich denke deswegen ist ‚Six Must Die‘ mehr auf den Punkt und eingängiger geworden. Auch sind – bis auf den Titeltrack – die Songs kürzer, was die Auswahl zukünftiger Live-Songs erheblich erleichtert.

Der erhöhte Anteil an klassischem Rock dürfte auf den vermehrten Genuss grandioser 70er Sachen zurückzuführen zu sein, vor allem WISHBONE ASH. Das sind aber nur Anteile im Gesamtsound, denn wir sind keine 70er Retro-Band, die im Moment wie Pilze aus dem Boden schießen. Ich mag diese Bands; aber es klingt halt oft einfach nur aufgekocht. Unsere Wurzeln liegen klar in den 70ern und 80ern und deswegen meiden wir alles Moderne wie die Pest, aber wir wollen halt auch nicht klingen wie eine Eins zu Eins – Kopie unserer Helden. Ob uns das gelungen ist, weiß ich nicht. Die Hörer werden entscheiden. Sachen wie WARLORD oder US-Metal im Allgemeinen fließen durch unser Blut. Solche Einflüsse kann man nicht vermeiden und das wollen wir auch gar nicht. Sollte uns das eine neue Hörerschicht erschließen, wäre das natürlich toll, das war aber nicht die Intention dahinter.

Da fällt mir übrigens noch eine witzige Live-Anekdote ein. Bei einem Gig in unserer Heimatstadt, der recht gut besucht war, wollte ein nicht näher benannter Fan mit ordentlich Atü auf dem Kessel schnellstmöglich in die vorderen Reihen. Kurz vor dem Ziel stolperte er ungeschickterweise und schlug, mit der Wucht einer mittelgroßen Handgranate, direkt in die Bühne ein. Ich dachte zuerst, die Bühne würde einstürzen, da ich in mein Gitarrenspiel vertieft war. Nach kurzen, panischen Blicken war die Sachlage aber klar. Jener Fan hat die Aktion übrigens völlig unbeschadet überstanden. Solche Sachen machen Live-Auftritte erst so richtig gut (lacht herzhaft). Die Geschichte könnte dir bekannt vorkommen, hehe.

Sachen gibt’s…ts, ts. Das gibt dem Begriff Doom natürlich einen ganz neuen Anstrich.

Aus dem Augenwinkel erblicke ich die ameisenhaft-kleinen Crewmitglieder Tony, Zuul und Mantis, die aufgeregt auf dem ankernden Schiff auf und ab hüpfen. Ursache: Der Nebel lichtet sich langsam und man kann schon fast den anstehenden Sonnenaufgang erahnen, weshalb ich beschließe, die Unterredung sicherheitshalber zu Ende kommen zu lassen.

SC: Liegt euch noch was auf der Zunge, was ihr der Leserschaft mit auf den Weg geben möchtet?

VINZ: Thul! Rar!

VOLGUUS: Aber ja – zuerst mal danke für die Unterstützung und teils unglaublichen Reaktionen der letzten dreieinhalb Jahre. Dass wir überhaupt so weit gekommen sind, hätte niemand für möglich gehalten. Ich hoffe, die neue Platte wird euch ordentlich unterhalten. Wir arbeiten bereits an dem Konzept der nächsten Platte und so wie es aussieht, wird der LORD diesen Planeten erst mal verlassen. Ich schätze Album Nummer vier wird wieder anders klingen, stillstehen wollen wir nämlich nicht. Aber eines kann ich euch versprechen. Es wird niemals modern klingen und immer heavy und episch sein.

In diesem Sinne: ÖBEY!

Die Sicht auf das Meer wird wieder klar und ebenso plötzlich, wie die beiden aufgetaucht sind, sind sie auch wieder verschwunden und ich sitze abermals alleine im Leuchtturm mit einer unumstößlichen Gewissheit: SIX MUST BUY!

 

 

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