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KRAMP – Gods Of Death

~ 2020 (Rafchild Records) – Stil: Heavy Metal ~


Mein Kumpel und Informant aus der Szene Spaniens, Sebastián de Morra, schob mir diese Scheibe neulich zu. Die dürfte Dir gefallen, seine Worte. Auf die Frage, warum er das nicht übernehmen will, sie zu reviewen, meinte er, dass er sich nicht mit Mina überwerfen wolle. Hat er Angst vor Streckbank und Peitsche? Aber Hand aufs Herz. Gefällt ihm ´Gods Of Death´ nur ansatzweise so gut wie mir, sollte er aber keine Probleme dieser Art bekommen. Als promovierter Atomphysiker sollte er zudem in der Lage sein, ein adäquates Gespräch zu führen.

Allerdings gibt es ein klitzekleines Problem. Trotz der hohen Qualifikation, dank seiner geringen Körpergröße dient Sebastian am königlich spanischen Hof als Zwerg. Steht er vor Mina dürfte er doch ziemlich eingeschüchtert sein. Schließlich überragt sie ihn um gefühlt zwei Köpfe.

Dabei hat er etwa elf Gründe für lobende Worte. Das sind die elf Songs, die KRAMP für ihr Vollzeitdebüt eingetrümmert haben. Epischer Old School ´Underground Rebellion´, nicht nur dass der Song so heißt, er klingt auch entsprechend. Mina glänzt mit einer angenehm rauen Stimme. Meist bewegt sie sich in tiefen, warmen Lagen, Aber von Zeit zu Zeit kann sie auch noch oben ausfahren, aggressiv und laut, hohe, spitze Schreie der Art Jon Oliva inbegriffen.

Überhaupt, Mina. Sie steht in einer grandiosen Tradition, angefangen etwa bei Doro Pesch (mit WARLOCK ungeschlagen, später nicht immer auf ungeteilte Zustimmung gestoßen). Man kann CHASTAINs Leather Leone als Vorbild nennen oder Kate von ACID. Diese Reihe ist fortsetzbar bis heute mit NATTHAMMER, den BURNING WITCHES oder LADY BEAST. Oder vielen anderen mehr… Auch in Spanien gab und gibt es reichlich Damen im Heavy Metal. Das zeigt zum Beispiel der 2020 erschienene Sampler ´Ellas Son Electricas´, der leider noch in der Post unterwegs ist.

Musikalisch orientieren sich die Madrilenen am epischen Metal der 80er. Man kann WARLORD in den Einflüssen entdecken, oder OMEN. Vor allem aber kann man RUNNING WILD heraushören. Zum Vergleich kann aber auch eine zeitgenössische Band herhalten, wie die Süddeutschen GRENDEL’S SYSTER. Ob sie sich kennen oder nicht, diese Verwandtschaft ist höchst offensichtlich.

´Gods Of Death´ ist abwechslungsreich und spannend. Stampfendes Midtempo wechselt ab mit Hochgeschwindigkeit. ´Deorum Mortem´ ist ein A-Capella Stück, ähnlich einem Choral in einem mittelalterlichen Kloster. Und obenauf, auf klassischem Riffing und straighten Drums, thront Minas gefühlvolle und leidenschaftliche Stimme.

Ein bißchen erinnern die Spanier an eine Tapasbar. Kennt Ihr die Pflaume im Speckmantel? Alternativ nutzt man eine Dattel, eine knusprige, würzige Kruste, innen ein weicher, saftiger und süßer Kern.

Während ich meine 8 Punkte vergebe, noch ein Wort zu Sebastián de Morra. Der läßt sich gerade von Diego Velazquez porträtieren. Und der Meister läßt sich von KRAMPs Debüt inspirieren.

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