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STREET KOMPASS September 2020

Halli und Hallo!

Habt Ihr gut gefeiert? Den Feiertag oder einfach Euer Leben? Denn nur zum Spaß verbringen wir ja nicht die Tage auf diesem Erdball, es muss ordentlich gefeiert werden, es muss rocken und bumms machen.

Vor allem muss Euch tagein tagaus die Musik in richtiger Dosis durch die Ohren blasen – und obendrein natürlich mit der richtigen, der korrekten, der guten Musik, also mit der Musik, die wir Euch immer wärmstens ans Herz legen, oder neben den Kühlschrank, zu den Kaltschorlen als gleichzeitiges Genussmittel.

Und wen der tägliche Trübsinn nervt, der vergisst einfach mal den Schmerz der Welt, und hört die …

 

M o n a t s h e r r l i c h k e i t

 

 

 

Q u i c k – R e v i e w s


ARTILLERY – The Last Journey (Single)
2020 (Metal Blade/Sony Music) – Stil: Heavy Metal

In Gedenken an ihren Gitarristen, ARTILLERY-Gründungsmitglied sowie Bruder von Gitarrist Michael Stützer – und im Oktober 2019 viel zu früh verstorbenen – Morten Stützer (R.I.P.), präsentieren die fünf Dänen mit `The Last Journey´ einen eigens für dieses Tribut komponierten neuen Song. Und ebenfalls mit im Boot sind auch die beiden früheren Sänger Flemming Rønsdorf und Søren Adamsen, um ihrem ehemaligen Bandkollegen auf diese Art und Weise zu gedenken – tolle Geschichte! Die Single erscheint allerdings lediglich als limitiertes 7″-Vinyl und in digitaler Form.

Eine superfette Halbballade, in der das Quintett ganz liebevoll das Leben von Morten Stützer nachzeichnet. Sehr schön! Hat allerdings nichts mit den üblichen Thrash-Granaten von ARTILLERY am Hut und tendiert musikalisch vielmehr sogar eher etwas in die PRIMAL FEAR- oder ACCEPT-Richtung. Für die B-Seite haben sich die fünf METALLICAs `Trapped Under Ice´ zur Brust genommen und neu verwurstet. Hier können sich die Buben dann auch endlich wieder richtig austoben und halten sich dabei sehr nahe am Original und wissen in der Umsetzung gekonnt zu glänzen, Danish Dynamite eben – toll!!

(Ohne Wertung – Armin Schäfer)

www.facebook.com/ARTILLERY.DK

(VÖ: 16.10.2020)


BEHEMOTH – And The Forests Dream Eternally-EP (Re-Release)
2020 (Metal Blade/Sony Music) – Stil: Black Metal

Selbst nach einem Vierteljahrhundert hat die Debüt-EP der Polen BEHEMOTH nichts von ihrer ursprünglichen Faszination verloren oder eingebüßt. Die fünf Songs von `And The Forests Dream Eternally´ klingen auch anno 2020 immer noch sehr radikal, frostig und bösartig brachial. Und nun kommt dieses Werk mit massig hochwertigem Bonusmaterial als Re-Release erneut in die Läden, was durchaus Sinn macht. Schließlich hat sich in den vergangenen 25 langen Jahren nicht nur die Metal-Welt im Allgemeinen, sondern BEHEMOTH ganz im Speziellen stark gewandelt und weiterentwickelt und nicht alle Fans sind mit den früheren Schandtaten ihrer Faves vertraut.

Die Mannen um Gründungsmitglied, Gitarrist und Meister des gutturalen Gesangs, Adam Michał „Nergal“ Darski, haben mit dieser EP nicht nur vielen jüngeren Bands den Weg bereitet und Türen geöffnet, sondern auch die gesamte schwarze Szene mit beeinflusst. Musikalisch, kompositorisch und qualitativ zwar noch weit entfernt von der Klasse und Atmosphäre von neueren Stücken wie beispielsweise `Bartzabel´ oder `Wolves Ov Siberia´, zählt `And The Forests Dream Eternally´ dennoch zu den Pflichtalben des 90er-Jahre Black Metal und gehört somit in jede anständig sortierte Plattensammlung. Sollte dies nicht längst der Fall sein, kann das mit diesem exquisiten Re-Release jetzt locker nachgeholt werden.

(8 „nostalgische“ Punkte – Armin Schäfer)

www.facebook.com/behemoth


BLACK ROSE MAZE – Black Rose Maze
2020 (Frontiers Music s.r.l.) – Stil: Female Fronted Hard Rock

Entgegen des Covers, welches eher ein dunkles Melodic-Metal-Scheibchen suggeriert, könnt ihr ein Fest der weiblichen Rockstimme und des packenden Hard Rock feiern. Bereits erprobt durch die „The Voice“-Version aus Quebec und Tour-Erfahrungen mit dem TRANS-SIBERIAN ORCHESTRA kann Rosa Laricchiutas Organ locker neben Ann Wilson von HEART, Skin von SKUNK ANANSIE oder Lzzy Hale bestehen und wer HALESTORM schonmal live gesehen hat, weiß was das heisst.

Als Gast darf bei ´Laws Of Attraction´ Jeff Scott Soto ran, musikalisch unterstützt und produziert hat Alessandro Del Vecchio (HARDLINE, JORN), also gibt es auch hier keine weiteren Zweifel in Sachen professioneller Produktion und Umsetzung. Wenn ihre Live-Präsenz auch nur annähernd intensiv rüberkommt, bedeutet das ein gaaaanz fettes Kreuz auf dem Wunschzettel für die Wiederaufnahme des Konzertalltags in hoffentlich nicht allzu ferner Zukunft.

Bis dahin begeistert der verdammt gut komponierte und ausgeführte Gitarrenhardrock mit Hitfaktor und auf Weltklasseniveau. Die Erben von HEART, JOAN JETT und Co. sind bereit. Mit Eiern.

(Less Lessmeister)

www.facebook.com/Blackrosemaze


THE BOMBERS – Aim High (Re-Release)
1990/2020 (Bad Reputation) – Stil: Hard Rock

THE BOMBERS waren ein recht kurzlebiges “Project” von STATUS QUOs Alan Lancaster und THE ANGELS Gitarrist John Brewster, die in Australien schnell zu legendärem Ruhm kamen. Hatte man zu Beginn nur Coverversionen gezockt, viele davon von THE ANGELS, wurde schnell klar, dass die involvierten Musiker, u.a. Drummer Peter Heckenberg (Sidenote: der bei der ROSE TATTO-Reunion in Balingen beim BYH-Festival mit am Start war) und allen voran Sänger Tyrone Coates mehr zu bieten hatten, als nur Coverversionen zu zocken. So schrieb man eignes Material und kam 1990 sogar bei A&M Records unter, die das Album sogar in Deutschland veröffentlichten. Das französische „Bad Reputation“ Label hat nun eine tolle Wiederveröffentlichung mit drei Bonustracks an den Start gebracht und zusätzlich den Sound remastern lassen. Hat sich gelohnt, die Songs drücken wie Sau. Höllisch, klassischer Hard Rock mit leichter Down Under Note. Dazu die wahrlich grandiose Stimme von Tyrone Coates, die der von JIMMY BARNES (COLD CHISEL) ziemlich nahe kommt. Brillante, teils simple, teils abwechslungsreiche Hard Rocker mit viel klassischer Slide-Gitarre und Killer Saxophone-Einsätzen, rocken wie Sau. Nummern wie `Running In The Shadows` oder `Crime Investigator` haben zudem mächtiges Ohrwurm-Potential. Der Albumtitel hätte locker auf einem frühen THE ANGELS Album stehen können! Nur geil! Ein essentielles australisches Hard Rock-Album, das es mehr als verdient hat, neu aufgelegt worden zu sein.

(9 Punkte – Jürgen Tschamler)


CHARIVARI – Descent
2020 (Worst Bassist Records) – Stil: Psychedelic-Post Punk-Rock-Indie

Vier Mann, ein Ziel: Katzengejammer zu produzieren, denn als Katzenmusik bzw. Lärmmusik wird auch der Bandname CHARIVARI übersetzt.

Passend zur Musik, die sich im Noise Rock, im Psychedelic Rock, im Post Rock, im Shoegaze und Drone zuhause fühlt. Die Männer aus Bath, im Vereinigten Königreich, toben sich live zu Problemen wie Entfremdung von Umwelt und Natur wild und emotional aus –  nah bei SONIC YOUTH, SWANS und SLOWDIVE.

Sieben Minuten zu Beginn (´When Leviathan Dreams´), elf Minuten am Ende (´Scavengers Of The Wind´), und auch dazwischen dauert das Wehklagen auf dem Debüt `Descent´ an.

(8 Punkte – Michael Haifl)

https://www.facebook.com/thebandcharivari/


CITIZEN RAGE – Black (EP)
2020 (Wasted Wax) – Stil: Crossover

Bester Crossover wie ihn in seiner Blütezeit einst Bands der Marke D.R.I, WEHRMACHT oder S.O.D. vom Feinsten zelebrierten, haben sich auch die Kanadier CITIZEN RAGE auf ihrer bislang sechsten EP `Black´ zur Aufgabe gemacht. Und genauso kurzweilig – die Betonung liegt hier auf „kurz“ – knallen die Songs ganz Crossover-like als eine Melange aus Hardcore, Punk und Thrash in die Gehörgänge. Vier Stücke bei einer Spielzeit von nicht einmal zehn Minuten sprechen eine deutliche Sprache…

Mit den ersten beiden Titeln `Twitch´ und `Sustain´ legt das Quartett gleich los wie die Feuerwehr und kennt kein Pardon. „Right in your face…“ lautet hier die Devise – Cool! `I Will Fucking Kill You´ lässt hingegen nicht nur aufgrund seiner „epischen“ Länge mit knapp drei Minuten aufhorchen. Geiles Riffing und spannende Tempowechsel zieren diesen Kracher und beim abschließenden `Dreams´ haben sich CITIZEN RAGE für eine gelungene Schnittmenge aus den ersten drei Titeln entschieden. Nix Neues, nix Überragendes aber eine ganze Menge Fun.

(7 Punkte – Armin Schäfer)

www.facebook.com/CitizenRagecalgary


DESOLATOR – Sermon Of Apathy
2020 (Black Lion/Sound Pollution/EMP) – Stil: Death Metal

Jawohl, genau so sollte ein ordentliches Death Metal-Brett klingen – oder auch nicht. Der schwedische Vierer von DESOLATOR begeistert auf seinem aktuellen Album `Sermon Of Apathy´ mit haufenweise hochkarätigen Killer-Riffs und einer virtuosen Gitarrenarbeit auf allerhöchstem technischen Niveau, die leider durch die derben Vocals und der insgesamt sehr brutalen Ausrichtung viel zu sehr in den Hintergrund rücken. Irgendwie schon fast ein wenig schade, bei solch einer Fülle an großartigen Melodien und Ideen. Wie auch immer, schließlich handelt es sich hier um ein Death Metal-Album und kein Wunschkonzert. Kompositorisch und spielerisch geben die vier Schweden aber allemal eine tolle Figur ab.

Nicht ganz unerwähnt bleiben soll auch der Gastbeitrag von NILE-Gitarrist Karl Sanders beim abschließenden Mammutstück `The Great Law Of The Dead´. Mann, was wäre `Sermon Of Apathy´ wohl für ein geiles Thrash Metal-Album geworden, wenn sich DESOLATOR voll auf ihre Stärken im Gitarrenbereich konzentriert und auf den „Grunz-Gesang“ sowie das brachiale Death-Geprügel verzichtet hätten? Vielleicht bewegt dieses Review die Band ja zu einem Richtungswechsel, who knows – *grins*! Aber auch als Death Metal-Album mehr als nur brauchbar und gelungen. Daumen nach oben!

(7 Punkte – Armin Schäfer)

www.facebook.com/DesolatorSwe


ENSANGUINATE – Entranced By Decay
2020 (Independent Release) – Death-/Thrash Metal

Aus Slowenien stammt das Quartett ENSANGUINATE, das mit `Entranced By Decay` eine 4-Track-Demo-CD als Einstand liefert. Während die Gitarrenarbeit und das Tempo absolut ins Thrash Metal-Genre fallen, muss man zwangsweise den Gesang dem Death Metal zu ordnen. Das Niveau der vier Tracks ist ansprechend und klingt zeitgemäß, wobei hier und da auch ein Old schooliger Einschlag auszumachen ist. Man orientiert sich ganz klar an amerikanischen Bands, die im Death/Thrash-Genre angesiedelt sind. Somit klingt das Material aggressiv, sehr straight. Gerade die Gitarren fallen sehr positiv auf. Ich bin ja mehr der Klargesang-Fan, auch beim Thrash Metal, daher ist mir das Gebelle hier zu deathig, was aber im Gesamtkontext der Songs gut harmoniert. Das gibt den Tracks eine deutlich brachialere Note als sie wirklich sind. Eine Nummer wie `Pit Of Ash` rumpelt sehr deathig daher. Während `Untended Graves, Scattered Remains` eine ziemlich geile Thrash Metal-Granate darstellt. Guter Einstieg für die Slowenen, die international locker mithalten können. Bei Interesse beim Metalcommander Schlums (metaljoe(at)gmx.de) zu beziehen. 10 Euro inkl. Versand.

(7 Punkte – Jürgen Tschamler)


EXIT BY FORM – 40 Days
2020 (Independent) – Stil: Electro

Es war einmal eine kreative Musikgruppe, die sich düster zwischen Indie Rock und Synth Pop, sphärischem Artrock und Prog Rock bewegte. Dann kam ein Virus namens C-19 und führte weltweit zu Lockdowns im gesellschaftlichen Leben. Die Existenz wurde noch düsterer. Aber EXIT BY FORM lebten.

Doch welche, die sich mit einer Klinge die Adern aufritzen und diesem Dasein ein Ende setzen, das Blut wie bei ´Haunted´ auf dem Körper verteilen, werden von Tag zu Tag mehr. EXIT BY FORM haben dagegen ihre elektronische Ader hervorgeholt und eine Reflexion ihrer Gedanken und Gefühle in Songs niedergeschrieben.

Und ´40 Days´ sind eine verdammt lange Zeit, und sie beginnt mit eben diesem Blick auf die ´Forty Days´ in herzhaft elektronischer Form. ´Philtrum´ liebt es schneller und epischer, auch mit Saiteninstrumentarium. ´City In The Sea´ ist völlig abgespaced, du liegst im Plastiksessel und schlürfst den Cocktail mit Rasierklingen. Und dann kommt der böse Zappler namens ´Shelves´, mit rauem Gesang zum Hüpf-Beat. Noch weit härter wird es gar in ´Alias´, nochmals Peitschenhiebe. Zur Entspannung darf es Synth-Pop von ´Triage´ sein.

Shake hands. Bussi links, Bussi rechts.

(Michael Haifl)

https://www.facebook.com/exitbyform/


HELL GUN – Kings Of Beyond
2020 (Classic Metal Records) – Stil: Heavy/Speed/Thrash Metal

Ja, fein – ich bin mal wieder entzückt. In Zeiten, die zum Einen nur so vor erstklassigen Outputs und Comebacks strotzen, aber zum Anderen eine Ernüchterung wenn nicht gar Enttäuschung nach der anderen von ehemaligen Kultbands oder persönlichen Faves gerade im Metal Business bringen, ist es äußerst heilsam, mal wieder ohne Erwartungshaltung über eine überraschende, ungestüme, spontane, ungekünstelte Rifforgie von Album zu stolpern, das dich in einen Jungbrunnen der Vergangenheit reinthrasht, powered und speeded, dass es eine wahre Freude ist.

Die Brasilianer HELL GUN legen nach ihrer EP ´Southern Hell´ von 2015 nun ihr Debüt vor, auf dem alles enthalten ist, was ich im guten, alten Nackenbrechermetier meist so schmerzlich vermisse: bei aller Rohheit verdammt geile und abwechslungsreiche Ideen, diesen wunderschönen Oldschool-Sound, Gangshouts und ein Sänger, der nicht zur Überliga gehört, aber dennoch einen unverkennbaren Charakter hat und dem wilden Songmaterial seinen Stempel und seine kauzigen Screams als I-Tüpfelchen draufsetzt. Ich kann es euch nicht beschreiben warum und weshalb – es ist eine Präsenz, die ich lange nicht mehr…aber lassen wir das, ich bin fest der Meinung, dass dieses Album in den goldenen 80ern als Demo Kultstatus im Underground genossen hätte.

Möglicherweise gibt es heutzutage unzählige Bands, die ähnliche Qualitäten vorweisen können, aber ´Kings Of Beyond´ ist eben für mich dieser eine, spezielle Ohrenfeger, der neben Anklängen von HELSTAR und NASTY SAVAGE momentan aufgrund seiner Explosivität und lange nicht mehr gehörten atmosphärischen Zwischenparts in diesem Business killt…and business is good! Fertig.

(Less Lessmeister)

www.facebook.com/bandaHellGun


HIGHLY SUSPECT – MCID
2020 (300 Entertainment) – Stil: Alternative/Indie

Für Überraschungen, für Abwechslung und Ideenreichtum bin ich immer zu haben. Aber richtig gut, gerne ganz groooss darf es sein. Bei HIGHLY SUSPECT jedoch läuft gelinde gesagt nicht alles rund.

Auf dem dritten Album ´MCID´ versucht die einstige US-amerikanische Hardrock-Hoffnung aus Massachusetts Rock und Hip-Hop, Pop und Metal zu vereinen. Sie überraschen damit alle paar Minuten. Dem äußeren Anschein nach positiv durch die Zusammenarbeit mit GOJIRA in ´SOS´, einer Komposition namens ´16´ ohne Gitarren oder obendrein mit Swahili-Versen, aber gleichwohl unbedingt nicht positiv mit äußerst schlichten Synthesizer-Klängen, sich wiederholenden Rap-Parts, etwa in ´Freakstreet´, sowie den Gastbeiträgen von Young Thug und Tee Grizzley. Der Mut zur Veränderung muss gelobt werden, das Ergebnis nicht.

(4 Punkte – Michael Haifl)


IRON ANGEL – Emerald Eyes
2020 (Mighty Music/SPV) – Stil: Speed Metal

Wie sagte jüngst ein geschätzter Kollege zu mir…? „Die neue IRON ANGEL klingt etwas wie RUNNING WILD“. Und ja, dieser Einschätzung würde ich auch nicht widersprechen. Leider aber nicht wie die ersten beiden Alben von Rock ’n‘ Rolf und Co., sondern eher wie diese glatt polierten und tot produzierten Scheiben mit Technik-Gedöns und so. Hier fehlen eindeutig die Ecken und Kanten und daher klingen die meist „speedigen“ Kompositionen sehr nach Trallalla-Metal. Die Stücke an sich sind zwar ganz nett ausgefallen, allerdings aber auch sehr ähnlich und austauschbar. Die spielerische Komponente lässt indes kaum Wünsche offen – das raue, wilde und dreckige Moment fehlt hier derweil vorne und hinten, oben und unten, links und rechts und so weiter und so fort…

Aus dem Einheitsbrei hervorzuheben und besondere Erwähnung verdienen `Demons´ und `Heaven In Red´, die einen ganzen Zacken kantiger und roher als die restlichen neun Nummern aus den Boxen dröhnen. Alles in Allem ganz ordentlicher Allerwelts-Metal, wie man ihn eben schon tausendmal zuvor gehört hat und der sich besonders gut zur Hausarbeit oder zum nebenbei berieseln lassen eignet. Nicht mehr, aber auch nicht weniger! Freunde des gepflegten Teutonen-Stahls werden aber sicherlich ihre helle Freude an `Emerald Eyes´ haben.

(6,5 „ordentliche“ Punkte – Armin Schäfer)

www.facebook.com/IronAngel.hh/


RYAN KNECHT – Themenstein
2020 (Independent) – Stil: Synthpop & Metal Theme Covers

Kommt schon, da hilft kein Leugnen – ich weiß doch genau, dass unter euch Serienjunkies weilen! Und genau für diese dürfte das Solodebut vom Kalifornier Ryan Knecht (THE WORLD OVER) das Beamerlicht zwischen Augen und Ohren sein, nimmt er sich doch hier instrumental Serientiteltracks wie zum Beispiel „Gravity Falls“, „The Walking Dead“, „Stranger Things“ oder „American Horror Story“ an, um nur mal meine Faves zu nennen. Doch nicht nur Mystiker, Sci-Fi Droogs oder Horrorfans werden bedient, nein, auch der Fun kommt nicht zu kurz mit der Huldigung der „Simpsons“ oder „Rick and Morty“, was mir nicht nur automatisch ein Lächeln auf’s Antlitz zaubert, sondern auch die Playlist der kommenden Parties oder Nerdabenden erweitert.

Durch die verschiedenen Genres an gewürdigten Serien bekommt man logischerweise analog dazu eine stilistische Bandbreite geboten, die den Metaller mit dem Synthpopper vereinen kann, falls man nicht schon bereits musikalisch multikulturell unterwegs ist. Für absolute Serienverweigerer bleiben zumindest stark metallisierte, mit Elektronik angereicherte Gitarrentracks, die nicht nur das Können Knechts an Gitarre und Synthies unterstreichen, sondern einen wunderbaren Überblick über verschiedenste Facetten der Serienmusik über die Jahre geben und meist schön fett nach vorne abgehen.

Rundum gelungen, gekonnt und originell umgesetzt. Vielleicht beeinflusst ´Themenstein´ ja beim ein oder andere die Serienwahl zur Berieselung in den kommenden Wintermonaten, wer schon vom Serienwahn infiziert ist, für den ist das Reinhören eigentlich Pflicht.

(Less Lessmeister)

www.facebook.com/ryanknechtmusic


NUCLEAR WARFARE – Lobotomy
2020 (MDD/Alive) – Stil: Thrash Metal

Seit gut 20 Jahren thrashen NUCLEAR WARFARE nun schon unverwüstlich im nationalen Underground und haben immer noch Bock. Die Jungs intonieren ihren Thrash Metal ab und an mit einer gehörigen MOTÖRHEAD-Breitseite, in etwa vergleichbar mit den belgischen KILLER, die in ihrem Sound ja ebenfalls Lemmy und Co. huldigten. Oder streckenweise aber auch Achtziger Thrash aus süddeutschen Landen, wie beispielsweise von BACKWATER (auch mit auffälligen MOTÖRHEAD-Anleihen) und vielleicht noch NECRONOMICON.

Und ganz ähnlich wie genannte Vergleiche musizieren auch NUCLEAR WARFARE qualitativ nicht unbedingt in der Ersten Liga oder Champions League. Macht aber nix, denn der dreckige und kompromisslose Sound des Trios bereitet mir zumindest einen Heidenspaß! Und da drückt man dann auch gerne mal ein Auge zu, wenn die Kompositionen vielleicht allzu ähnlich tönen oder die Abwechslung fehlt. Hauptsache das Ding hat Eier und das ist definitiv der Fall!!!

(6,5 Punkte – Armin Schäfer)

www.facebook.com/ThrashMetalTank


ÖTZI – Storm
2020 (Artoffact Records) – Stil: Post-Punk

Immer mehr Töchter der metallischen Klänge beweisen, dass sie das Erbe ihrer Väter bestens vertreten und bewahren, doch wo sind die Nachkomm-innen von JOY DIVISION, THE CURE, SIOUXSIE AND THE BANSHEES oder gar der wilden Unbekümmertheit von THE SLITS? ÖTZI erklärt’s euch. Nein, nicht der gutgelaunte Spaßbär mit dem hochroten Kopf, den die Pistenalkoholiker so verehren, nein, vier Damen aus Oakland, die sich unter dem Namen des alten Eisspaltenschläfers dem Ursprung des Indierock angenommen haben und auf herrlich holprige, frech-frische Weise ihren Instrumenten die Essenz dessen herauslocken, was als Postpunk und Darkwave in den heutigen Geschichtsbüchern und Musikarchiven steht.

Dies gelingt ihnen derart sympathisch, minimalistisch und ohne große Schnörkel, dass die ewig Gestrigen frohlocken werden und auch die geneigte Nachfolgegeneration den zelebrierten Ursprung der unabhängigen Musik durstig aufsaugen kann, ohne immer in der unwiederbringlichen Vergangenheit wühlen zu müssen. Besonders geil immer dann, wenn die frostige Kälte durch schnellere, irre Ausbrüche und Emotionen geschmolzen wird und gerade der rebellische Avantgardismus der legendären SLITS speziell im korrespondierenden Gesang von Akiko (Bass) und Gina (Drums) durchbricht.

Wenn ´Storm´ in dieser Richtung nicht sowas wie verdammt „true“ ist, dann hat es auch niemals einen Ötzifund gegeben!

(Less Lessmeister)

www.facebook.com/Otziband


PROTEST – A Pledge To Terror/Fueld By Hate (7inch)
2020 (Idol Records) – Stil: Thrash Metal

Mit einer limitierten 7inch, in splattered Vinyl, ziehen die Texaner PROTEST noch schnell die Aufmerksamkeit auf sich.

Der Dallas-Fünfer steht für technisch versierten Thrash Metal mit den zwar typischen Einflüssen, aber aufgrund des Gesangs und der Rhythmik hat man dann doch auch Merkmale. die für etwas Wiedererkennung sorgen. Passt wunderbar in die bisherige Veröffentlichungslinie der Amis und ist für Sammler doch sammlungswürdig, gerade weil man die 7inch bei einer deutschen Kontaktadresse bestellen kann.

Aber schnell sein, die Stückzahl, die es nach Deutschland geschafft, ist gering. Kontakt ist Metalcommander Schlums (metaljoe(at)gmx.de). 12 Euro inkl. Versand.

(ohne Wertung- Jürgen Tschamler)


 

SIX FEET UNDER – Nightmares Of The Decomposed
2020 (Metal Blade/Sony Music) – Stil: Death Metal

Saubere Eröffnung mit dem flotten `Amputator´, wo ganz Death Metal- und dem Songtitel-like fachgerecht Körper in ihre Einzelteile zerlegt werden – mehr davon! Leider aber fallen die Jungs um Chris Barnes dann jedoch schnell wieder in alte Gewohnheiten zurück. Grooviger, schleppender Death Metal, der ab dem zweiten Titel `Zodiac´ Programm ist und salopp formuliert stinklangweilig und zäh aus den Boxen dröhnt. Da hätte ich mir, wie beim tollen Opener mehr Mut zum Risiko gewünscht. Klaro, ist dieser schwerfällige Death Metal-Sound das Markenzeichen von SIX FEET UNDER, allerdings limitiert sich die Band damit höchstselbst. Den Fans wird’s gefallen.

Natürlich ist die musikalische Umsetzung top, kompositorisch indes klingt aber ein Song wie der andere – und wirft man einmal einen Blick auf die bisherigen Veröffentlichungen der Band – auch ein Album wie das andere und die Spannung weicht schnell der Langeweile. Was auf den ersten Scheiben ja noch ganz cool und interessant war, klingt hier auf dem mittlerweile 17. Release (!!) einfach nur noch öde. Und das nervige Gegröle des Meisters geht auch wieder ganz SIX FEET UNDER-like fürchterlich auf den Sack. Alles wie immer also. Ach ja, was nicht unerwähnt bleiben sollte: Beim Rauswerfer `Without Your Life´ haben die Schlingel dann doch das Gaspedal wieder entdeckt. Für Freunde der Band sicherlich ein weiteres Highlight, für mich indes überflüssig wie ein Kropf. Meine Meinung, enough said!

(5,5 Punkte – Armin Schäfer)

www.facebook.com/sixfeetunder


STRYPER – Even The Devil Believes
2020 (Frontiers Music s.r.l.) – Stil: Hard & Heavy

Was sollen die fleissigen Bienchen von STRYPER noch alles an Honig produzieren, bis auch der letzte Zweifler akzeptiert hat, dass noch über der frohen Botschaft erstklassiger Metal die Tore zu ihrem Himmelreich ziert? Ihr Name ist längst Markenzeichen und unverkennbarer Stil geworden, darüberhinaus sollten auch die DOKKEN-, PRIEST- und KISS-Jünger der großen 80er Lehren ihre Erfüllung im neuesten Qualitäts-Testament der bibelfesten Amis finden können.

Was die Band – allen voran Michael Sweet am Mikro – auch dieses Jahr wieder vor dem Herrn abliefern, ist in der Sparte und der Kontinuität (neben Michael sind weiterhin die Ur-Mitglieder Bruder Robert Sweet am Schlagzeug und Gitarrist Oz Fox aktiv, lediglich den Bass übernimmt Neuzugang Perry Richardson) nahezu konkurrenzlos.

Nun denn, ihr Ungläubigen, huldigt ihr weiter euren Götzenbildern, ich bleibe bei STRYPER und dem wahren Glauben an Hard & Heavy – auch wenn bei mir der Vorgänger ´God Damn Evil´ direkt an der Himmelspforte bleibt.

(Less Lessmeister)

www.facebook.com/Stryper


TEMNEIN – Tales: Of Humanity And Greed
2020 (Blood Blast Distribution) – Stil: Melodic Death Metal

Wer mal wieder seinen Death Metal so schön melodisch hören will, ohne dass er kommerziell mit Klargesang ausgestattet ist, darf das dritte Werk von TEMNEIN ins Auge fassen.

Das Quintett hat zu ´Tales: Of Humanity And Greed´ nicht nur ein wundervolles Artwork anzubieten, sondern auch die typisch skandinavischen Gitarren sowie die typisch skandinavische Melancholie.

Originell werden die Franzosen aus Nancy im finalen Epos ´Scums Of Hamelin´ sowie richtig schnell und garstig in ´I Am Davy Jones´ und ´Rise Of The Sontarans´.

Obwohl Parallelen zu DARK TRANQUILITY und Konsorten nicht ausbleiben, bleiben TEMNEIN nicht auf der Strecke.

(7 Punkte – Michael Haifl)


TOCACAKE – Enfermés
2020 (M&O MUSIC) – Stil: Rock/Metal

Riff, Rums, Rock. TOCACAKE aus Frankreich eilen mit ihrem Debüt herbei: ´Enfermés´.

Produziert von Frédéric Duquesne (WATCHA), hören wir von TOCACAKE ein Stakkato an Gitarren-Riffs. Wären wir der Sprache mächtig, könnten wir den Aufruf für eine universelle Revolte vernehmen. Dem Übel der Gesellschaft geht es an die Gurgel. Die Fusion aus Metal und Rock schnürt jedem Übeltäter das Blut ab.

Das Quartett – Geoffroy Lucas (Gesang), Sylvain Chevalier (Gitarre), Pascal Chevalier (Bass), Loïs Bouma (Drums) – will die Apathie brechen, uns alle aufwecken. Würden wir doch nur Französisch beherrschen. Vielleicht versteht sie wenigstens ihr Bruder im Geiste, in musikalischer als auch politischer Hinsicht, Tom Morello besser.

(7 Punkte – Michael Haifl)


V/A – The Shadow Knows More – 35 Scary Tales From The Vaults Of Horror
2020 (Bear Family) – Stil: Rock’n’Roll

Wer die Radioserie der frühen 1930er Jahre „The Shadow“ noch kennt, mit den Vorläufern zu unseren heute bekannten Superhelden, sollte zu den älteren Semestern unseres gelben Lesezirkels gehören.

Eine weitere Ausgabe im Angesicht des Namens der alten Serie präsentiert die „Bear Family“ mit ´The Shadow Knows More – 35 Scary Tales From The Vaults Of Horror´. Folglich 35 Songs zwischen orchestralem Mystery und Rockabilly Horror. Gegruselt wird also auch auf CD, passend zu Halloween, in der Urform des Psychobilly.

Zwei Radio-Trailer sowie das Original-Radioserien-Intro stimmen den Hörer dementsprechend ein. Es gibt Mega-Raritäten (Dean Martin 1954 mit ´Ghost Riders In The Sky´), eher seltenes (Billy Duke and The Dukes, Jan August, Bill Buchanan) sowie gar die Single eines Bob Guy (unter Beteiligung von Frank Zappa). Dazwischen schießen noch Rockabilly und Rock’n’Roll in peppiger Darbietung um jede dunkle Ecke.

Gruselig gut.

(Michael Haifl)


WINTER’S VERGE – The Ballad Of James Tig
2020 (Pride & Joy Music) – Stil: Bombast Metal

Wow. ´It Begins´ – mit einem Breitwandstart wie der Soundtrack zum „Letzten Mohikaner“! Manchmal verlangt ein Storykonzept einfach nach übermächtigem Bombast und sinfonischen Orchestrationen. Sollte das so gar nicht euer Fall sein, heuert erst gar nicht auf dem mächtigen Dreimaster des Covers mit Kurs auf das sagnumwobene „Tiberion“ an. Alle anderen begrüße ich an Bord dieses epischen Abenteuers im Kinoformat.

Die klassischen Arrangements sind auf hohem Niveau gestrickt und münden in mitreißende Metalhymnen mit großem Drama und markantem Gesang beider Geschlechter (klasse zeitloses Duett ´Timeless´), die die Grenze zum Kitsch größtenteils gekonnt umschippern. Die Zyprioten entfesseln auf ihrem fünften Album ein feierliches Epos für Freunde von bombastischen BLIND GUARDIAN, NIGHTWISH, THERION oder CANDLEMASS ohne Doom – lacht nicht, lauscht manchen Gesangslinien und denkt an Messiah Marcolin (natürlich nicht die Stimme)! Glaubt ihr nicht? Please try this at home!

Wer gerade wie ich die aktuelle AYREON auf dem Teller oder im Player hat und eine Fantasy-RHAPSODY mit mehr Metall & Epik im gefühlvollen Midtempo statt Supersonicspeedgeballere sucht, sollte das Restgeld vom großen Schein hierfür anlegen.

(Less Lessmeister)

www.facebook.com/WintersVerge



Und jetzt, Freunde harter Klänge, lasst es ordentlich rocken!
Metal on!
Michael und das gesamte Streetclip-Team

 


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