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RICK WAKEMAN & THE ENGLISH ROCK ENSEMBLE – The Red Planet

~ 2020 (R&D Media) – Stil: Instrumental Prog Rock ~


Der rote Planet. Nicht nur die US-amerikanische Weltraumbehörde NASA oder das Weltraumunternehmen SpaceX leben vom Traum, den Mars mit Erdenbewohnern zu erreichen. Die britische Keyboard-Legende Rick Wakeman blickt nach ´No Earthly Connection´ (1976) und ´2000 A.D. Into The Future´ (1993) abermals thematisch in den Weltraum, diesmal auf ´The Red Planet´. Es ist seit ´Out There´ (2003) das erste Werk mit dem ENGLISH ROCK ENSEMBLE, das Wakeman zuletzt im Zweifelsfall bei Bandbesetzungen wählt. Das Faktum einer losen Musiker-Kollektion lässt sich an der Bandbesetzung ablesen. Bassist Lee Pomeroy ist von dem letzten gemeinsamen Werk noch anwesend, ansonsten bedient nicht erstmals Dave Colquhoun die Gitarre, aber neuerdings Ash Soan das Schlagzeug.

Die Ankündigung von Rick Wakeman, ein Prog Rock-Album und gemeinsam mit dem ENGLISH ROCK ENSEMBLE überraschend ein solches instrumental vorzulegen, das obendrein ebenso Keyboard-heavy wie sein eigentliches 1973er Debüt ´The Six Wives Of Henry VIII.´ sein sollte, führt eigentlich zu einer kaum erfüllbaren Erwartungshaltung gegenüber der von Wakemans langjährigem technischen Partner Erik Jordan fertiggestellten Produktion. Ein neues ´Journey To The Center Of The Earth´ (1974)? Ein weiteres ´The Myths And Legends Of King Arthur And The Knights Of The Round Table´ (1975)? Darum nimmt der 71-jährige einen Staubwedel, bläst die Patina von seinen Keyboards und begibt sich auf die Erfolgsformelsuche zu seinen Werken ´The Six Wives Of Henry VIII.´ (1973) und ´Criminal Record´ (1977).

Rick Wakeman findet sie tatsächlich zuzumannen mit dem ENGLISH ROCK ENSEMBLE auf dem fernen, roten Planeten. ´Ascraeus Mons ´ macht stampfend den Weg frei, für Wakemans Prog-Kirche, in der die Orgel wuchtig tönen darf. Feine Tasten-Spielereien, Fanfaren, ein in der Atmosphäre wehender Chorgesang und sogar ein Gitarren-Solo setzen zu Beginn, an diesem Vulkan in der Nähe des Mars-Äquators, eigene Ausrufezeichen. Die wunderbaren Tasten-Kaskaden von ´Arsia Mons´, die neben Wakeman allein seine japanischen Nacheiferer fabrizieren können, werden dagegen von herrlich akzentuierten Gitarrenklängen bereichert. Dabei gehört dieser Vulkan zu einer Gruppe von drei erloschenen, Tharsis Montes benannt. Wakeman und seine Mannen finden buchstäblich noch die Glut und das Feuer. Wahrhaftig nach einer Band-Gemeinschaft tönt es am Rande der Tharsis-Region, am 22 Kilometer in die Luft ragenden Vulkan ´Olympus Mons´, obgleich natürlich Wakeman jederzeit den Schritt in den Vordergrund vollziehen darf. Den ordentlichen Groove von ´The North Plain´ setzen die Mitmusiker, derweil Wakeman auch einmal kurzerhand spooky schlendern kann. Zwischen Canterbury-Atmosphäre und südländischem Flair lustwandeln wir um den angeblich erloschenen ´Tharsis Tholus´. Ebenso leicht und unbeschwert tänzeln die Klänge zu Fuße des ebenfalls erloschenen Vulkans ´Pavonis Mons´ und streifen am ´South Pole´ umher. Ziel der Reise ist gleichwohl eines der größten Grabenbruchsysteme unseres Sonnensystems, zehn Minuten lang begutachten wir mit militärischer Akribie ´Valles Marineris´.

RICK WAKEMAN & THE ENGLISH ROCK ENSEMBLE erkunden im gebotenen Einklang die Beschaffenheit des zweitkleinsten Planeten unseres Sonnensystems, dessen Durchmesser ungefähr der Hälfte des der Erde entspricht. Dass Rick Wakeman bislang niemals in diese Weiten des Sonnensystems vorgedrungen ist, erscheint abwegig, dennoch klangen seine Kompositionen lange nicht mehr derart ausgereift und zugleich zeitgenössisch klassisch. Jeder neuerliche Streifzug schenkt dem geistigen Auge zusätzliche Bilder dieses spannenden Ausflugs auf ´The Red Planet´ und verfestigt bereits eingeprägte. Eine Wiederholung von ´Journey To The Center Of The Earth´ oder ´The Myths And Legends Of King Arthur And The Knights Of The Round Table´? Nein. Ein neues Meisterwerk? Ja, ´The Red Planet´ (2020)!

(9 Punkte)

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