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DOOL – Summerland

~ 2020 (Prophecy Productions) – Stil: Rock ~


Die Niederländer DOOL konnten und wollten mit ihrem Debüt das Vakuum nicht füllen, das THE DEVIL’S BLOOD hinterlassen haben, obwohl immerhin die Rhythmus-Fraktion – Bassist Job van de Zande und Schlagzeuger Micha Haring – involviert ist. Gleichwohl ist dieser mystische Raum aus mittlerweile umnebelten Tagen auch auf dem Nachfolger noch vorhanden, den jedoch Gitarrist Nick Polak und sein neuer Nebenmann Omar Iskandr mit anderen Rock-Düften ausfüllen. Natürlich finden DOOL weiterhin am Heavy-/Doom-Rock gefallen, führen jedoch den Düster-/Goth-Anteil in alternativere Gefilde. Die entscheidenden Impulse setzt letztlich Ryanne Van Dorst am Mikrofon.

DOOL beginnen innerhalb des Openers ´Sulphur Starlight´ mit psychedelischem Doom, so wie wir ihn von dem Quintett erwarten konnten, schwenken jedoch nach einer Minute urplötzlich beim Gesang in Richtung des Alternative Rock á la PLACEBO, um zum Refrain im Classic Rock zu enden. Die Altvorderen denken an BLUE ÖYSTER CULT, junge Hörer an GHOST oder MAGNA CARTA CARTEL. Im gleichen Muster verfährt ´Ode To The Future´. Ein ´Wolf Moon´ ist sogar noch weitaus mehr Alternative Rock. Die Neunzigerjahre rufen – und DOOL wollen mit dieser hypnotisierenden Musik die Massen becircen. Der Ansatz verfestigt sich zu Beginn von ´God Particle´ sogar bei THE TEA PARTY, die Alternative Prog-Ansätze schauen jedoch umgehend vermehrt hervor. Die Atmosphäre nimmt ab hier einen wichtigen Bestandteil im Sound von DOOL ein. Aussagekräftige Soli stehen schlichten Refrains gegenüber. Anhänger später FATES WARNING könnten dabei sogar hängenbleiben. Den Hauch von Goth Rock sammelt ´The Well‘s Run Dry´ auf und gönnt Okoi Jones (BÖLZER) einen Sprechpart. Der Titelsong ´Summerland´ gibt sich hingegen als getragene und zärtliche Komposition. Auch ´A Glass Forest´ tänzelt zuerst durch die Walachei, ehe punktuell die Luzie abgeht. Epischen Prog Metal skandinavischer Prägung schenkt zumindest ´Dust Shadow´ zum Finale aus. Dass Per Wiberg (ex-OPETH, KAMCHATKA) mehrmals die Hammondorgel bedient, etwa in ´Be Your Sins´, sowie Farida Lemouchi (THE DEVIL’S BLOOD) im Hintergrund singt, führt nicht unbedingt zur Herausstellung eigener Alleinstellungsmerkmale im Retro-Okkult-Rock.

Bedingt anders als zu erwarten war und dabei sie selbst geblieben – DOOL gelingt der Schritt vom Debüt zum Nachfolgewerk.

(8 Punkte)


(VÖ: 10.4.2020)