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DEATH THE LEVELLER – II

~ 2020 (Cruz Del Sur Music) – Stil: Doom ~


Das zweite Album von DEATH THE LEVELLER steht vor den Toren, die Doom-Gemeinde hinter einer Ringmauer in Wartestellung. Nach dem Debüt aus dem Jahre 2017, das ´I´ betitelt war, folgt 2020 hiernach ´II´. Ob das Debüt vormals als EP bezeichnet wurde und sein Nachfolger ebenso tituliert werden sollte, da beide Scheiben gleichermaßen nur eine Laufzeit von 38 Minuten aufweisen, spielt keine Rolle, beide Werke sind vollwertige Produkte. Die italienische Plattenfirma „Cruz Del Sur Music“ freut sich zumindest, der vormaligen Independent-Band mit ´II´ zum Label-Debüt zu verhelfen.

DEATH THE LEVELLER sind seit ihrer Gründung 2016 Sänger Denis Dowling (ex-CURSED EARTH) sowie Gitarrist Gerry Clince, Bassist Dave Murphy und Schlagzeuger Shane Cahill, alle drei ehemals bei MAEL MÓRDHA.

2020 zelebrieren sie ihren Doom abermals über vier Kompositionen. Den Folk-Anteil von MAEL MÓRDHA hatten sie bereits auf dem Debüt hinter sich gelassen. Geradewegs heraus können DEATH THE LEVELLER schlicht als Mischung zwischen WARNING und den epischen Momenten von PRIMORDIAL bezeichnet werden, in eben solcher Güte. Die irische Melancholie und Lebensweise spielt dabei eine große Rolle.

 

 

Der Beginn des zehnminütigen ´The Hunt Eternal´ scheint sich in den Sirenen des Noise Rock zu gebären, ehe die Riffs in ihrer Konsistenz zunehmen und in Schwingung geraten. Das ist Doom wie Doom gespielt werden muss. Kraftvoll, unnachgiebig und gleichwohl, aufgrund des anmutigen Gesangs von Denis Dowling, restlos erhaben. Dem nackten Gesang steht ein hochgerüstetes Instrumentarium zur Seite, das im Laufe der Zeremonie brodelnd emporsteigt, in die Lüfte, immer in Reichweite.

Which Part Do You Play?
Who Will You Be
This Day?

Über zwölf Minuten vereint ´The Golden Bough´ den Post Rock mit Black Metal-Ingredienzien im Epic Doom. Den Beginn im Postreflex gehalten, wirken fortan ähnliche Kräfte wie einst bei PRIMORDIAL, ihren besten Kumpels. Nur dass sich Denis Dowling allzeit in klaren Weisen auslebt. Langsam und episch steigert sich dieses Monster eines Songs stromaufwärts. Im unauffälligen Übergang in einen als zweiten zu bezeichnenden Abschnitt erfolgt die Fortbewegung in einem brillant rhythmischen Gewitter, nicht schlechter als im Desert Rock oder Prog Metal. Der dritte Abschnitt sieht eine, in allen Teilen aus sich ausbrechende Bandgemeinschaft. Explosiv und magisch.

It Was Worth It In The End.

In einem überschaubaren Kompositionsaufbau schlürft dagegen ´So They May Face The Rising Sun´ in strahlender Erhabenheit über knapp acht Minuten dahin. Männer und Frauen aus dem Anbetungskreis von WARNING werden hier neuerliche Gänsehautmomente erleben.

As I Lay You Out
An Prepare You For The Grave
I Reflect On The Life You Lived
And All The Warmth You Gave

Nochmals entfacht ´The Crossing´ ein echtes Doom-Feuer. Die Instrumentalfraktion lässt die Töne brummig schwingen, derweil der Gesang energisch seinen Vortrag aufnimmt. Über die Distanz von neun Minuten erhöht sich auch der Druck aller Instrumente. Ein sehnsuchtsvolles Feststück voller, in Melancholie schwimmender Töne, dessen Hochgesang im epischen Glanze ein wahres Schmuckstück von Album beschließt.

Welcome To Your Horror
Welcome To The Pain
This Is Where It All Ends
This Is Suffering
This Is Ecstasy

This Is Life Distilled
This Is All Of Your Dreams
And All Your Nightmares
Fulfilled …

„Death the Leveler“ ist ein Gedicht von James Shirley (1596-1666), einem der bedeutendsten dramatischen Schriftsteller später englischer Renaissance. Das Gedicht bekräftigt die Aussage, dass niemand dem Tod entrinnen kann, er wird für jeden, unabhängig seines sozialen und gesellschaftlichen Status, eintreten. Am Beispiel eines Kriegers verdeutlicht Shirley dies in aller Kürze, um zum Schluss den Leser direkt anzusprechen und ihm die Unwiderruflichkeit des Todeseintritts ins Bewusstsein zu meißeln.

DEATH THE LEVELLER sind die derzeitige Sensation eines episch-metallisch und naturbelassen-melancholisch badenden Doom.

(9 Punkte)

 

https://www.facebook.com/deaththelevellerdoom/


(VÖ: 13.03.2020)