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25 YARD SCREAMER – Natural Satellite

2019 (White Knight Records) – Stil: Progressive Rock


Eine mir gar unbekannte Blume namens ´Something That Serves To Warn Or Remind´ pflückte ich einst rein zufällig aufgrund ihres wunderschönen Aussehens am Wegesrand. Der akustische Duft raubte mir schier die Sinne, sodass ich recht wuschig wurde, als die Kreativität der Waliser abermals bestäubt wurde und endlich der neueste Output anstand. Dieses Mal musste ich mehrmals schnuppern und mein Organ konzentrierter ausrichten, bis das süße Innere sich vollends entfaltete, was ja kein schlechtes Omen sein muss.

Und siehe da, das Trüffelschwein suhlt sich in Zufriedenheit, denn der feine, unbeschwerte Prog – der auch ordentlich rocken kann – strotzt nur so vor Ideenreichtum und Atmosphäre. Matt Clarkes stimmungsvolle Basslinien umschwärmen die A-und E-Gitarren als auch das wunderschön-angenehme Organ von Nick James (der neben allen mindestens 6-Saitern auch die Keys streichelt) und kulminieren zusammen mit Donal Owens Schlagwerk in emotionalen Ausbrüchen.

 

 

Ich beobachte am taufrischen Morgen mit meinen Lauschern ´The Silent Rising´, wenn in freier Wildbahn ein wenig beschwörendes DEADSOUL TRIBE seine liebevollen Arme um ruhiges ANATHEMA legt, während SUBSIGNAL dazu tänzelt und von MARILLIONs Hogarth-Ära singt. Wie ein natürlicher Satellit schwebt ´A Space Where Someone Should Be´ losgelöst-geheimnisvoll durchs All und strahlt dabei eine erhabene Ruhe aus, wie ich sie bis dato lediglich durch Kaias Pilze erleben durfte.

Und danach wieder die verschlungenen Sangespfade eines Buddy oder Devon während einer Reise auf dem Schmetterling über weite, längst vergessen geglaubte Krautrockfelder. Doch auch die Crichton’sche SAGA-Klampfe darf sich mal vor FATES WARNING-Rhythmik austoben (´Never In The Detail´), bevor der Satellit uns mit komplett kitschfreien, balladesken Tönen zum vorerst letzten Male in seine finale, sphärische Umlaufbahn des ´Coda Jeremiah´ zieht und wir unendlich glücklich mit dem „nochmal“-Gefühl vor den Tonwiedergabegeräten verweilen – mit dem sehnlichen Wunsch, dass einen neue PSYCHOTIC WALTZ in den ruhigen Momenten nochmal auf diese Weise berührt.

Wer in der richtigen Laune ist und sich viel Zeit als auch Aufmerksamkeit gönnt, dem wird klar werden: so geht Progressive Music heutzutage ohne die ständig gleichen Neo-Bausteine aufeinanderzustapeln. 25 YARD SCREAMER scheinen ihre Bestimmung gefunden zu haben und legen mit dem siebten Album ihr Opus Magnum vor, welches jeder Progfan in der Jahresabrechnung als auch in der heimischen Sammlung wähnen sollte.

(9 überirdische  Punkte)

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