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STREET KOMPASS Oktober 2019

Bon jour, Gruezi und Hallo,

in der letzten Woche im Oktober feiert SWR1 Baden-Württemberg sich und seine Hörer mit einer Hörerhitparade. Das ist ziemlich die einzige Woche, in der der Verfasser dieser Einleitung auch außerhalb der Arbeit Radio hört. Wann hat man sonst schon die Chance, im öffentlichen Rundfunk mit der ´Time Machine´ von ´April´ zum ´July Morning´ zu reisen, auf der ´Autobahn´ den ´Holy Diver´zu beobachten, vom ´Highway To Hell´ direkt zu wechseln auf den ´Stairway To Heaven´. Letzterer teilt sich seit gefühlt 30 Jahren die Top 3 mit ´Child In Time´ und der ´Bohemian Rhapsody´. Zu ´Nelly The Elephant´ durch die Küche zu toben, mit dem großen Rührlöffel, kommt auch nicht so oft vor. Und wann sonst kann man EDITH PIAF und METALLICA direkt nacheinander hören. ´Angie´ tanzt mit dem ´Master Of Puppets´ den ´Samba Pa Ti´, rund um ´Our House In The Middle Of The Street´. Dass die Abschlussparty, die schon mit Liveacts wie STATUS QUO oder SAGA gekrönt wurde, immer ausverkauft sind, dürfte fast klar sein.

Diese Mischung, sogar stilistisch noch weiter gefasst, findet sich vermutlich auch auf den Plattentellern unserer Zielgruppe. Das seid Ihr, die Ihr hoffentlich täglich unsere Seiten besucht. Das seid Ihr, die Ihr Euch auf unser Urteil verlasst. Wasser oder Wein, kaufen oder ignorieren?

Also haben wir in den letzten Wochen wieder unsere Ohren gespitzt, und uns die Zeit genommen, für Euch das eine oder andere Scheibchen zu probieren. Wie bei einer Weinprobe aber, muss man ab und zu einfach auch mal Wasser genießen, um den Wein zu schmecken. Hier findet Ihr, wie jeden Monat, die Ergebnisse unserer Testreihe.

 

Euer Mario

 

Doch hier folgen zuerst unsere beiden Monatsherrlichkeiten: 


 

M o n a t s h e r r l i c h k e i t e n 

´Age Of Aquarius´ von VILLAGERS OF IOANNINA CITY

und

´Paradigm´ von ECLIPSE

 

 

 


Q u i c k – R e v i e w s


BLIND CAT – Shockwave
2018 (Andromeda Relix) – Stil: Heavy Rock/Metal

Feines aus dem Jahre 2018? Aber bitte ohne Katzenfoto!

Okay, mit einer derb grinsenden Katze auf dem Coverartwork ist alles erlaubt – dachten sich zumindest die BLIND CATs aus Italien. Als Nachfolger zum 2014er Debüt gaben sie es 2018 für ´Shockwave´ frei.

Das runde Werk lebt einerseits den Neunzigerjahre-Gitarrensound von Saitenhexern wie Zakk Wylde oder Jerry Cantrell aus, kennt aber ebenfalls die Hardrock Väter wie VAN HALEN oder QUEEN, deren ´Son And Daughter´ sie nicht brüskierend covern, sowie JUDAS PRIEST.

BLIND CAT holen sich folglich alle vor die Katzenlauscher, die zwischen Heavy Metal und Hardrock ein großes Jaulen erwarten.

(6 Miaus – Michael Haifl)


BOTANIST – Ecosystem
2019 (Aural Music) – Stil: Avantgarde / Green Metal

Zum einen viel zu schade für eine so kurze Abhandlung, zum anderen eine gute Möglichkeit, diese wirklich herausragende, komplett eigenständige Band ein paar mehr Leuten ins Bewusstsein zu rufen: BOTANIST aus San Francisco sind das Lebenswerk von Otrebor, einem kalifornischen Musiker, der Black Metal neu denkt, indem er zum einen das Instrumentarium verändert (BOTANIST ersetzen Gitarren durch Hackbrett und Keyboards durch Harmonium), zum anderen vollständig in eine Thematik eintaucht, die wohl in der gesamten Musikwelt einmalig ist: die Sichtweise von The Botanist. Ein eremitischer Pflanzenliebhaber, der das Ende der egozentrischen, die Erde zerstörenden Menschheit herbeisehnt, damit die Natur wieder ins Gleichgewicht geraten kann.

Das geschieht mit teils harschen, aber mehrheitlich sehr lieblichen Tönen, oft mehrstimmigem Klargesang und eben den exotischen Klängen ihrer Trademarkinstrumente, die gerade auch Progressiv-Liebhaber anlocken sollten. Auf ´Ecosystem´, ihrem großen siebten Langdreher, präsentiert sich die Band reif wie nie. Ist das Ende der Menschheit nahe?

(8 sattgrüne Punkte – U.Violet)


CURRENT SWELL – Buffalo
2019 (Independent) – Stil: Indie Folk Rock

Die Kanadier CURRENT SWELL sind seit 2005 aktiv und präsentieren derzeit ihr siebtes Werk ´Buffalo´.

Ihre Songs liefern abermals den perfekten Soundtrack für den Sonnenuntergang am Strand. Das wasserdichte Smartphone liegt im Sand, „igitt“, liefert den Song-Mix aus Indie und Folk Rock, „oh, wie schön“, ganz im sonnendurchfluteten West Coast-Sound, etwas Retro-Flair darf schon sein.

Ein Makel ist an den Kompositionen von CURRENT SWELL nicht zu finden, allein die Widerhaken oder die monumentalen Hooks fehlen zum Genuss, der nie vergessen wird, der im Gedächtnis bleibt, in Erinnerung an den Strand oder die erste Begegnung in der Surf-Bar.

(7 Punkte – Michael Haifl)


CRYSTAL VIPER – Tales Of Fire And Ice
2019 (AFM/Soulfood) – Stil: Heavy Metal

Neues von Sängerin Marta Gabriel und ihrer Truppe. `Tales Of Fire And Ice` überrascht mit deutlich mehr Melodien und einer etwas dunkleren Gesamtatmosphäre. Die Produktinfo zu diesem Album schmeißt sogar eine Stilkomponente wie „Dark Power Metal“ in den Raum. Dies passt hier und da, steht dann aber wieder im Widerspruch zu flotten, eingängigen Nummern wie `Bright Lights`, `Under Ice` oder `One Question`.  `Bright Lights` ist nebenbei gesagt das Highlight des Albums. Der Gesang von Marta ist wie immer eine Klasse für sich, die erneut beweißt, dass sie zu den stimmgewaltigsten europäischen Metal-Sängerinnen gehört.

Eingängige Songs wie `Stil Alive` oder `Tomorrow Never Comes (Dyatlov Pass)` haben geradezu Ohrwurmpotential und sind mehr als gefällig. Schenken hätte man sich allerdings eine Nummer wie `Tears Of Arizona`, eine abgedroschene Ballade. Die CD- sowie Vinyl-Versionen haben verschiedene Bonustracks. Auf der CD-Variante nennt sich jener `Dream Warriors`. Genau, eine DOKKEN-Coverversion. Allerdings sehr gut umgesetzt, wobei hier der Gesang alles rausreißt.

(7 Punkte – Jürgen Tschamler)


DEAD KOSMONAUT – Rekviem
2019 (High Roller Records) – Stil: Hard Rock

Welche Farbe hat ein toter Kosmonaut? Dieser hier zumindest erstrahlt in hellstem DEEP PURPLE, während er vor einem RAINBOW vor sich hintreibt. Alles, was diese großen Blaupausen des Hard Rock ausmachen, findet der Classic-Dude auf diesem Album: Kerniger Gesang, Orgel, Gitarrensoli und ein rockendes Rhythmusfundament.

Im ´House Of Lead (Nobodys Home)´, welches schon auf dem 2017er Debüt weilte, weint ein blinder Mann zu seiner bluesig-klagenden Gitarre, das kurzweilige Instrumental ´Skyhooks And Sound Mirrors´ könnte keine treffendere Titelvergabe bekommen haben und das ´Rekviem´ selbst ruft neben dem Folk-Doomer auch die Epikfraktion plus ULI JON- & RITCHIE-Groupies auf den Plan, um sie auf eine zehnminütige Reise durch die traumhaften Gefühlslandschaften der singenden Gitarren und Geigen zu entführen. Das könnte einen wunderbaren zweiten Longplayer nach sich ziehen, die Schweden halte ich mir auf alle Fälle mal warm im Kopp.

(7,5 lebendige Punkte – Less Lessmeister)


DEEP VALLEY BLUES – Demonic Sunset
2019 (Volcano Records) – Stil: Stoner Rock

Aus Catanzaro im Süden des Stiefels kommen die Stoner von DEEP VALLEY BLUES und bringen ihr Debüt mit.

Was soll ich sagen? Die erste Begegnung war für den Rezensenten irgendwie irritierend. Der fette Rock aus der Wüste, mit Blues und Southern Rock gewürzt und dann ein Sänger, der… ja, was eigentlich? … heftig shoutet, mit viel Kraft, viel Dreck und genug Aggression, eine Thrash-Attacke zu veredeln. Das schien mir nicht zu passen.

Doch mit jedem weiteren Durchgang wurde die Darbietung immer überzeugender und stimmiger, der Gesang passt auch besser als zuerst gedacht –  bei High-Speed-Flitzern wie dem Titeltrack, ´Dana Skully´’s Midtempo, oder einem schwer schleppenden ´Follow The Buzzards´. Mit ´Lust Vegas´findet sich noch eine instrumentale Fahrt über eine in der Hitze flimmernde Autostrada – und ´Empire´beweist, der Sänger kann auch „in Schön“…

Überzeugend!!!

(Otto Punti – Mario Wolski)


EDDY & THE BACKFIRES – Twenty Fight Years
2019 (Bear Family Productions) – Stil: Rock’n’Roll

Seit 20 Jahren sind EDDY & THE BACKFIRES für die Rockabilly-Gemeinschaft ein unverzichtbarer Fels in der Brandung. Darum schenken sie ihren Anhänger zu diesem Jubiläum ein – na? was wohl? – ein brandneues Album. Dabei haben die Hannoveraner dreizehn Songs eingetütet, wobei fünf von diesen Coverversionen sind, u. a. ´Slipped My Mouth´ (CARL & THE RHYTHM ALLSTARS) und ´A Cat Called Domino´ (ROY ORBISON).

Mit weiteren acht Eigenkompositionen entfachen die Männer ein ordentliches Rock’n’Roll-Feuer. Wie eh und je spielen sie den Sound der Fünfzigerjahren mit einem derartigen Adrenalinschub, dass das Alter des Sounds überhaupt keine Rolle mehr spielt – und das der jungen und alten Hörer ebenfalls nicht.

Ein dickes Booklet, mit einer massiven Anzahl von Fotos, sowie eine kleine Bandgeschichte runden diesen tollen Silberling ab.

Fight on!!

(Michael Haifl)


GHOST REAPER – Straight Out Of Hell
2019 (Pride & Joy Music) – Stil: Melodic Metal

GHOSTREAPER nennt sich ein Metalprojekt, initiiert von Mikk Hollenberg, Gitarrist der Dark Metal-Band VOODOMA. Zehn internationale Sänger und Sängerinnen hat der Gute zusammengeholt und diese je einen Song einsingen lassen.

`Straight Out Of Hell` ist eine Art Konzeptalbum, das verschiedene Stilrichtungen abdeckt und die Geschichte einer Bande zur Zeit des Wilden Westens erzählt. Kein Wunder also, dass sich der Wilde Westen immer mal wieder musikalisch zu Wort meldet – in Form Country-metallischer-Einflüsse. Vom klassischen Power Metal bis hin zu eher modern gearteten Metalsongs ist man zwar vielseitig aufgestellt, aber genau hier liegt das Problem. Für denen einen eventuell zu modern, für den anderen zu traditionell. Da prallen zwei Welten aufeinander.

Die Sänger und Sängerinnen kommen aus aller Herren Ländern: Algerien, USA, Ukraine, Portugal, Italien, etc…  Und machen durchweg einen guten Job. Die Songs an sich sind wenig innovativ, bieten Stangenware und wenig Neues im Gesamtkontext. Einzig die erwähnten Western-/Country-Passagen lassen aufhorchen. Nett, allerdings auch etwas sinnfrei.

(6,5 Punkte – Jürgen Tschamler)


GOODBYE JUNE – Community Inn
2019 (Earache Records) – Stil: Classic Rock

Ob „Earache“ wie einst bei RIVAL SONS wieder einen guten Riecher in Sachen Classic Rock gehabt haben, wird die Zeit zeigen. Mit ihrem dritten Album liefert die Cousins-Combo einen interessanten Boliden, der sich locker zwischen RIVAL SONS und GRETA VAN FLEET platzieren kann. Man kopiert nicht ganz so offensichtlich wie GRETA VAN FLEET, lockert die ganze Kiste mit mehr eigenem Spirit auf und bringt auch etwas Southern Rock mit ins Spiel.

Allerdings liefert man mit `Switchblade Heart` auch einen Totalausfall. WTF!? Ansonsten dürfen sich Robert Plant-Fans ebenso freuen wie Anhänger des klassischen Seventies Rock. Fluffige Nummern wie `Secrets In The Sunset`, `Universal Mega Love`, `Joan Dylan` (mit großem Hitpotential!)  oder `Live In The Now` sind mehr als gefällig und lassen den Hörer die Repeat-Taste schnell drücken.

Nein, innovativ ist sicher anders, aber darum geht es hier auch nicht. Es geht um guten, klassischen Rock mit Tiefgang – und den liefern GOODBYE JUNE nachhaltig.

(7,5 Punkte – Jürgen Tschamler)


HELLRAISER – Heritage
2019 (Underground Symphony) – Stil: Heavy / US / Powermetal

Opernsirene zu geilem Intro? Hoffentlich nicht dauerhaft. Aha, abgelöst durch Powerkauz, geht doch. Doublebassattacken – check.
Screams – check. Metalgaloppelrhythmus – check. Heavy Gitarren & Soli – check. So kann’s weitergehen und genauso tun’s unsere Italiener mit US-Faible auch. Eine gewisse, sympathische, unmodrige Altmodigkeit gibt dem Ganzen ein zusätzliches Flair.

Auch ein Stampfbanger wie ´Delvcaem´ hebt die Stimmung nach vorwiegend Uptempo. Danach flaut der Ideenreichtum auf Albumlänge gesehen leider etwas ab – bis zum großen Speed-Finale ´Lady In White´ mit mystischem SANCTUARY-Anfang. Stellenweise gerade in der Anfangsphase großartige Songs. Also, da geht demnächst bestimmt noch mehr.

Anspieltipps: ´Ritual Of The Stars´, ´Mother Holle.´

(7 screaming Points – Less Lessmeister)


HELL’S GUARDIAN – As Above So Below
2018 (Record Union) – Stil: Epic Melodic Death Metal

Nein, melodischen Death Metal würde ich das hier eigentlich nicht unbedingt nennen. Es handelt sich eher um hymnischen Metal für alle Folks, die keinen cleanen Sänger oder ein Singvögelchen brauchen (und es zwitschert doch eins namens Adrienne Cowan mit beim Hit ´My Guide My Hunger´).

Versteht mich nicht falsch, es gibt einwandfreie Metalmucke aus good old Italy zu hören, deren Fanschar jedoch möglicherweise aufgrund der AMON AMARTH-Vocals verschwindend gering sein könnte…doch HALT! Die Wikinger ziehen eben doch mit gerade dieser Mischung Massen und SENTENCED bliesen streckenweise ebenfalls in das gleiche Horn.

Also: ran an die Buletten, ihr trinkfreudigen, schwertschwingenden Bartträger! Läuft gut rein – very heavy, very humble.
Anspieltipps: Der Chartreaker ´Blood Must Have Blood´, die Männerballade ´90 Days´ und die Hymne ´I Rise Up´.

(7,5 kämpferische Punkte – Less Lessmeister)


KADAVAR – For The Dead Travel Fast
2019 (Nuclear Blast Records) – Stil: Hard Rock

Das Berliner Trio liefert mit ` For The Dead Travel Fast` sicher sein bisher vielschichtigstes Album ab. Man klingt schon anders als auf dem Vorgänger `Rough Times`, das viel breitere Doom- und Psychedelic-Ansätze aufwies. 2019 klingt man eher erfrischender und arbeitet sich nicht energisch an den Seventies Roots des Rock ab.

Eine Nummer wie `Demons In My Mind` bringt die Veränderung klar zum Ausdruck. Gefühlt wird gerade gesanglich mehr mit Effekten gearbeitet, was den Kompositionen weniger Direktheit verleiht. Selbst bei einer schlichten Nummer wie `Dancing With The Dead` wird der Gesang zum Highlight.

Klar, eine Nummer wie `Long Forgotten Song` wildert unüberhörbar in Tiefen der Rockgeschichte und dennoch sind KADAVAR in der Lage, keine billige Kopie zu sein. Man setzt nicht auf Altbewährtes, man setzt neue Akzente, wiederholt sich nicht und liefert eigenwillig Großartiges!

(7,5 Punkte – Jürgen Tschamler)


KING CROWN – A Perfect World
2019 (Rock Of Angels) – Stil: Power Metal

Nach dem Ende von NIGHTMARE, gründeten die Brüder Jo (Gesang) und David Amore (Drums) eine neue Band, zuerst unter dem Namen ÖBLIVÏON. Das erste Album ´Resilience´, zum Teil sehr gelobt, folgte, kurz danach die Namensänderung in KINGCROWN. Ein paar Konzerte in Deutschland, im Vorprogramm von THEM, und jetzt eine neue Tonkonserve, die jden Weg aus Frankreich zu uns findet..

Darauf: Power Metal, kein glattgebügelter Party-Melodic-Speed, sondern Power, roh und ungeschliffen, kurze Songs, kaum länger als viereinhalb Minuten. Eine Nummer wie ´Golden Knights´ schon am Thrash kratzend. Keyboards sparsam und im Hintergrund eingesetzt. Einzig die Balladen erreichen ihr Ziel nicht. Zu sehr ist zu spüren, dass hohe Töne Monsieur Amore nicht unbedingt liegen. Trotzdem:

ÖBLIVÏON is dead… Long live KINGCROWN!!

(7,5 Points – Mario Wolski)


JENNIFER KOWA – Slow Down
2019 (Sireena Records/Broken Silence) – Stil: Pop

Jennifer Hensel war Mitte der Siebzigerjahre die Sängerin der legendären Psychedelic-Prog-Formation OCTOPUS. Sie stand bei drei Alben am Mikrofon, ehe sich die Wege trennten.

Die geborene Frankfurterin gründete anschließend mit Win Kowa das Trio THE RADIO und bereiste jahrelang Konzerthallen und Musikmessen. Mit KOWA schufen sie und ihr Ehemann Win Kowa weitere acht Scheiben im Elektronik-Bereich, Film- und TV-Produktionen kamen hinzu.

Seit 2015 werkelt JENNIFER KOWA an ihrem Solo-Werk, das sie aktuell mit zehn Songs präsentiert und dabei die luftigen und leichten Weiten des Folk und Rock auskundschaftet.

Sehr persönliche Texte und ihr ausgezeichneter Gesang laden zum Verweilen ein, sofern sich der Zuhörer bei einem Bacardi den Klängen ganz entspannt hingegeben kann.

(7 Punkte – Michael Haifl)


LORDS OF SALEM – Hell Over Salem
2018 (Eigenproduktion) – Stil: Motor-Rockin‘ HardRoll

Hölle, Hölle, Hölle von mir zum Dritten diesen Monat. Gar böse lacht der Deibel oder sonstwer aus den Boxen beim eröffnenden ´Monster Girl´ und mit kernig markantem Gesang rocken dich die Sturgetter durch drei weitere Songs, die mich insgesamt an einen sexgeilen Bastard aus ZODIAC MINDWARP AND THE LOVE REACTION und LORDI erinnern. Damit wisst Ihr, was das heißt: Da geht was, in Sachen dreckiger Schweine-Hardrock mit etwas Sleazefaktor.

Ein wenig unheilvolles Keyboard, ein bisschen böses Gekrächze, brüllkompatible Refrains und jede Menge Drive: Die vier Songs der EP laden groovenderweise definitiv dazu ein, das ein oder andere Bierchen aufzureißen und sich nach den süßen dirty Bitches im Raum umzuschauen – säße man nicht alleine zu Hause. Brave Kaia, Kuschler knabbern ihre Fingernägel ab, der Rest wartet auf den ersten Longplayer.

(7 motorenölverschmierte Kolben – Less Leßmeister)


MUNICIPAL WASTE – The Last Ranger
2019 (Nuclear Blast Records) – Stil: Crossover-/Thrash Metal

In der Kürze liegt die Würze heißt ein alter Spruch, an den sich die Virginia Truppe hält. Drei Songs und ein längeres Instrumental-Intro sind nicht gerade „Value for money“.

Mit gerade einmal knapp zehn (!!!!) Minuten Spielzeit lockt man doch heutzutage niemanden mehr hinterm Ofen vor. Egal ob die Tracks gut sind oder nicht.

So gesehen liefern die Amis das, was sie schon immer liefern: wilden, rohen und hektischen Crossover-Thrash Metal.  Schön, ein neues Lebenszeichen, aber das ist es auch schon. Die drei Nummern ähneln sich sehr, wie könnte es auch anders sein.

Kurzes schmerzloses Gehämmere… ist das fanfreundlich?

(7 Punkte – Jürgen Tschamler)


TOXIC HOLOCAUST – Primal Future: 2019
2019 (eOne / SPV) – Stil: Thrash Metal

Alles auf Anfang bei TOXIC HOLOCAUST: Joel Grind übernimmt wieder die vollständige Kontrolle über seine räudige Band. Wie einst auf dem Debüt hat er das gesamte Werk, die 39 Minuten, alleine eingehämmert und eingeschrieen. Die Eindimensionalität entfaltet sich ebenso im Songmaterial. Musikalisch lebt sich Grind ganz old school den Ursprüngen des Thrash Metal mit einer Punk-Schlagseite aus. Erfolgreich immer dann, wenn Grind seine Riffs zielgerichtet einsetzt, ohne sie in die Länge zu ziehen. Der Gesang wird der seit 20 Jahren Joel Grind beistehenden Anhängerschaft genauso munden wie der von VENOM und SODOM.

Thematisch greift Joel Grind 80s-Science-Fiction-Storys auf und wuchert dazu ein Synthwave würdiges, aber martialisches Artwork auf das Cover. Aus alt mach neu, Zukunft 2019.

(7 Punkte – Michael Haifl)


TRUST – Fils De Lutte
2019 (Verycords Indie Record Label) – Stil Hard Rock

Mit ihrem letztjährig veröffentlichten Album `Dans Le Mème Sang` überraschte die französische Kultband um den charismatischen Frontmann Bernie Bonvoisin äußerst positiv. Auf ihrem aktuellen Album behält man die eingeschlagene Richtung bei, aber … ja aber … das Material will nicht gleich zünden wie beim Vorgänger. Dabei unterscheidet es sich nur unmerklich.

Dennoch wirken die Songs auf dem Vorgänger nicht nur besser, sie waren auch frischer und rifftechnisch rauer.  Es gibt kaum einen Song, der sich länger festsetzt. Ich höre mir das Album an und thats it. Da regt sich nicht viel. Ich vermisse auf diesem Album Stücke wie `Ni Dieu Ni Maitre`, `Democrassie` oder gar eine Nummer mit Punkeinschlag wie `Caliente` vom Vorgänger.

Schade, ich war der Meinung, man hat sich an den Kritiken zum Vorgänger orientiert und `Fils De Lutte` wäre noch eine Nummer stärker ausgefallen. Nein, es ist eher ein Schritt zurück, durch Songs, die zwar nett, aber belanglos klingen. Schade.

(6,5 Punkte – Jürgen Tschamler)


UNA STAGIONE ALL’INFERNO – Il Mostro Di Firenze
2019 (Black Widow Records) – Stil: Gothic Prog Rock

Wer einmal in seinem Leben eine Zeitspanne in der Hölle verbringen will, muss nur …. (bitte selbst einsetzen) … oder sich der italienischen Formation dieses Namens – UNA STAGIONE ALL’INFERNO – widmen.

Bei der Gruppe dreht sich vornehmlich nicht alles um die Reime von Arthur Rimbaud, sondern um die Zweckehe aus Gothic – stellvertretend Sänger/Gitarrist Fabio Nicolazzo – und Klassik – hierfür steht die Sängerin/Keyboarderin Laura Menighetti.

Nach anfänglichen Besetzungsschwierigkeiten konnte sich das Duo alleine freischwimmen und sich mit ´Il Mostro Di Firenze´ musikalisch einer Mordserie aus Florenz widmen. Der Prog-Anteil fällt für italienische Verhältnisse gewohnt sehr eigen aus, der Gothic-Anteil wird hingegen mit etwas Pop-Affinität serviert. Insgesamt erzählen viele instrumentale Abschnitte die Geschichte, so dass ein Kinderchor und ein Soprangesang erst recht direkt in die Ohren fliegt.

(6,5 Punkte – Michael Haifl)


VERHEERER – Monolith
2019 (Vendetta Records) – Atmosphärischer Black Metal

Wer seinen Metal mag wie die erste Tasse Kaffee am Morgen, nämlich so stark und schwarz, dass der ´Monolith´, ähh, Löffel drin stehenbleibt, ist bei VERHEERERs Zweitwerk nach dem famosen Debütalbum ´Maltrér´ aus 2018 komplett richtig aufgehoben.

Und zwar ganz ausdrücklich auch der aufgeschlossene Metalfan mit nur gelegentlichem Interesse an Extremmetal, denn zum einen gibt’s hier statt dem von vielen abgelehnten BM-Kreischen einen eindrücklichen Sprechgesang, aber vor allem verstehen es die Flensburger, zur Grundzutat Black- auch eine Menge Death- und echten Heavy Metal plus ein Zuckerwürfelchen Doom hinzuzufügen. Das hat gerade was Songwriting und Gitarrenarbeit angeht einen deutlichen Hang zur großen Geste, ja kann, je tiefer man in diesen Brocken eindringt, je näher man seinem Kern kommt, schon episch genannt werden. Generell geht es den Nordlichtern viel mehr um Atmosphäre und Melodie als um Geschwindigkeit, ohne dabei das Räudig-Rotzige zu vernachlässigen. Absolute Kaufempfehlung!

(8 in Stein gemeißelte Punkte – U.Violet)


V/A Yulesville! – 33 Rockin‘ Rollin‘ Christmas Blasters For The Cool Season
2019 (Bear Family Productions) – Stil: Rock’n’Roll

Pünktlich, wenn bereits in allen Supermärkten die Lebkuchen, Spekulatius und Adventskalender ausliegen, erscheint für Eure himmlischen Tage zum Jahresende eine weihnachtliche Konzeptscheibe aus dem Hause „Bear Family Productions“: ´Yulesville!´.

Jetzt besorgt Ihr Euch nur noch die Getränke Eurer Wahl: … (bitte selbst einsetzen) …  und kippt sie Euch im rot-weißen Coca-Cola-Kostüm hinter die Binde. Dazu passt die wunderbare Auswahl dieses 33 Songs umfassenden Samplers. Er bietet ein Weihnachtsfest zur Musik der Jahre 1950 bis 1963. Völlig old-School können Rock’n’Roll- und Rhythm’n’Blues-Songs genossen werden. Zu jedem Schluck ein Lied, oder mehrere, Schlucke natürlich.

Schon den Jungs aus den 1950ern war das Weihnachtsfest anscheinend viel zu trocken, daher nahmen sich einige von ihnen heraus, diese musikalisch aufblühen zu lassen. Zu den Raritäten zählen die erstmals auf CD herausgebrachte Single der MELODEERS sowie eine komplette Single von CORDELL JACKSON (´Be Boppers‘ Christmas´). Ein paar große Namen – THE DRIFTERS (´White Christmas´), THE PENGUINS (´Jingle Jangle´), PAUL ANKA (´It’s Christmas Everywhere´) – schmuggeln sich auch unter den Baum. Frohes Fest.

(Michael Haifl)


WARSENAL – Feast Your Eyes
2019 (Svart Records) – Stil: Thrash Metal

Aus dem kanadischen Montreal beehren uns WARSENAL mit ihrem zweiten Album. Ehrlicherweise muss ich gestehen, dass ich mich an den Vorgänger `Barn Burner` nicht mehr erinnere, sind ja auch schon vier Jährchen her.

Das Trio klingt souverän, technisch sauber, folgt nicht ganz den typischen Genre Vorgaben. Man gleitet immer mal wieder ins hektische Speed Metal-Genre ab und drückt hier voll auf die Tube. Hier und da überrascht man mit untypischen Breaks, Übergängen, Rhythmuswechseln. Der Gesang ist giftig, aber auch etwas gewöhnungsbedürftig, durch seine kantige, teils recht hysterisch wirkende Art.

Die neun Songs haben durch die extrem schnelle Spielweise und furztrockene Produktion durchweg ihren Reiz. Aber ob dies reicht, sich nachhaltig durchzusetzen, bleibt fraglich.

(7 Punkte – Jürgen Tschamler)


 

 

 

Underground – DOOM – Zugabe

LEGBA – Hell
2019 (Independent) – Stil: Stoner/Psych

Hier ist er nun, der dritte Streich der Stoner-Doom-Psych-Band aus Greenville, USA. Kennt ihr nicht? Dann wird es höchste Zeit, LEGBA kennen zu lernen.

Ihre getragene Musik, mit abwechselnd cleanem, aber dann auch düster-bitterbösem Gesang strotzt nur von Epic, so wie ich es verstehe. Mich fesselt ihre Musik mit ihren wunderbar dunklen Melodien. Jetzt seid ihr dran, LEGBA zu hören.

PS: Ich habe schon alle drei CDs! Und ihr?

http://legba.bandcamp.com/album/hell

(Thomas Wolff)

 

 

 

 

Auf die Musik!
Wir hören uns.
Michael und das gesamte Streetclip-Team

 


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