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SKALDENMET – Blood Of Kvasir

~ 2019 (1117518 Records DK) – Stil: Heavy / Viking Metal ~


Die Wikinger haben einst die Hammaburg niedergebrannt, welche auf einem kleinen Flecken im heutigen Stadtgebiet Hamburgs stand und zu ihren besten Zeiten wohl ein Handelsposten und Standort des Bischofs Ansgars war, welcher die heidnischen Nordleute bekehren sollte. Nun, das war laut Geschichte um 845 n. Chr. und erst 1170 Jahre später rüstet die Hammaburg zur Vergeltungsaktion und hat im Zuge dieser Maßnahme eine Wikingereinheit hervorgebracht, welche auf perfide Weise klangliche Verheerungen über die Welt bringen soll.

SKALDENMET nennt sich diese schlagkräftige Truppe. Fünf wilde Gestalten sind es an der Zahl und nach einigem Vorlauf halten sie nun ein gefährliches Stück Schwermetall in den Händen, mit dem sie gnadenlos die Heerscharen ihrer Jünger antreiben, ihr Wort in die Welt hinauszutragen, bis ihre Zahl so weit angewachsen ist, dass niemand mehr der bestialischen Wut des Quintetts zu widerstehen vermag. So die Sage.

Die Realität sagt mir, dass hier vier Jungs und ein Mädel aus Hamburg, die sich für extremen Metal, Folk und progressive Sounds begeistern können, ihr erstes Album in Eigenregie aufgenommen und veröffentlicht haben. Ihr Stil liegt dabei zwischen melodischem Heavy Metal, welcher geschickt mit Einsprengseln aus Death und Thrash Metal aufgepeppt wird, bombastischen Elementen und Folksounds mit Bezug zum Norden. Ein schöner Viking und Pagan Metal, der sicher irgendwo schon dagewesen ist und eigentlich abseits des Geschmacks des Rezensenten stattfindet. Aber manchmal findet auch ein blindes Huhn ein Korn und ein Album in einem Bereich, der mir nicht so recht schmecken will, erweist sich als Volltreffer. SKALDENMET haben solch ein Album gemacht.

Mir gefällt die rohe und lebendige Produktion, der Klang, der eben nicht durch übertriebene Digitalisierung zu Tode komprimiert wurde, sondern dem Spiel der Musiker genügend Luft zum Atmen einräumt. So peitscht die Musik in den wilderen Momenten recht heavy aus den Boxen. Sänger Andi ist die treibende Kraft zusammen mit Bassistin Sherina und Gitarrist Thiemo. Andi bringt mit seiner Flöte einen sehr folkigen Einschlag, hat auch das Händchen, die Kompositionen der beiden Gitarristen Lars und Thiemo zu vollenden und zu formen wenn nötig. Er bringt auch das progressive Element in die Arrangements.

Von letzterem ist auf ´Blood Of Kvasir´ noch nicht übermäßig viel zu spüren. Das Album entspricht dem bisherigen Werdegang und ist in weiten Teilen ein geradliniges Feuerwerk an kräftigen Riffs. Andi variiert gerne mit der Stimme. Er ist ein Naturtalent im Growlen, wie im melodischen Singen. Ein leichter Hansi Kürsch Schlag hängt ihm auf diesem Werk an, aber das ist eher als Kompliment gemeint. Sein Growlen ist natürlich, seine Worte sehr verständlich, wenn man genauer hinhört. Und er weiß, wie man über die instrumentalen Strukturen knurrt und grunzt und dabei eine gewisse Eingängigkeit generiert. Höhepunkt dieser Bestrebungen ist die Folkmetalhymne ´Beim Runenstein´, die vor erhabenen Melodien nur so strotzt, einen tollen folkigen Refrain und wuchtig wogende Riffs auf peitschenden Rhythmen anbietet und ein wirklich gutes Album beschließt. Ach ja, der SKA Offbeat des Refrains ist tatsächlich einmal originell im Vikingmetalzusammenhang.

Sehr intensiv, gut gespielt, mit packenden, tiefgründigen Melodien versehen sind hier aber alle Stücke. Wenn ich Vergleiche ziehen müsste, was ich ungerne mache, so käme ich auf einen Mix aus VINTERSORG, MYTHOTYN, IN FLAMES und RHAPSODY. Das wird die Die Hard-Underground-Freaks jetzt erschrecken, in allen Bereichen, aber SKALDENMET haben sich allein von den besten Elementen der 90er Metalgeneration inspirieren lassen.

Je öfter ich dieses Album höre, desto mehr schöne Details tun sich auf. Gerade die Keyboards von Verena, die ich beim letzten Auftritt irgendwie vermisst habe und die ja für den Symphometaleinschlag sorgen, zaubern immer wieder kleine Läufe auf die bereits sehr aufwühlenden Gitarrenparts, womit die Musik noch machtvoller wirkt. Bestes Beispiel ist hier der Progmetal-/ Vikingmetal-Bastard ´Berserker Rage´. Andi growlt und knurrt sich meistens über den energiegeladenen Instrumentalparts in einen Zustand purer Ekstase und lässt diese in den melodischen Gesangslinien hier und da komplett raus.

Das Album wird also jeden Fan von hymnischem Metal mit folkigem Einschlag und viel orchestralem Bombast, sowie progressiven Elementen begeistern, wenn man denn mit dem wechselhaften Gesang klarkommt. Aber der ist so eindringlich, dass ihm keiner widerstehen wird. Gerade wenn Andi mit seinem Bösen Ich im Duett singt.

(8,5 Punkte)