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FRIEDRICH SUNLIGHT – Sag es erst morgen

~ 2019 (Tapete Records) – Stil: (Art) Pop ~


FRIEDRICH SUNLIGHT sind erschreckend gut, sind erschreckend anders.

In den ersten Sekunden ihres zweiten Albums ´Sag es erst morgen´ fühlt sich der Kenner unter Umständen an die Schlager-Revival-Zeiten eines Dieter Thomas Kuhn erinnert. Doch dem Schlager-Pop verweigern sich FRIEDRICH SUNLIGHT, mag es am sonnigen Gemüt ihres Sängers Kenji liegen, der als Sohn japanischer Einwanderer erst die Kultur von Kalifornien genoss, um hernach im sonnigen Augsburg zu landen, oder an der krautrockigen Herkunft von Gitarrist Flo, Bassist Thomas, Pianist Bernd und Drummer Marc, dass sie sich vielmehr dem Sechzigerjahre Sunshine Pop sowie dem Achtzigerjahre Brit-Pop widmen. Entstanden ist ein monumentales Werk, das noch viel weiter geht als es die Anhänger von DAGOBERT oder die der späten BLUMFELD sich in ihren bizarrsten Träumen hätten vorstellen können.

Wunschvorstellungen bestimmen gerade die gern mit Sunshine-Harmonie-Gesängen um die Sonnenstrahlen flirrenden Liebeslieder, denn die Liebe bleibt nicht nur im ´Nachtbus nach Wien´ unvergesslich, und darf nicht bereits in dieser Stunde enden, so will es Kenji in ´Sag es erst morgen´. Sogar STEELY DAN schauen in ´Supermarkt´ und ´Mit Dir´ vorbei. Letzteres Lied ist ebenso eine wunderbar popmusikalisch betrachtete Anbandelung wie ´Kommen und Gehen´. Verschleierte Botschaften sind in Liedern wie ´Kleines Haus´ versteckt, über das eigentlich Weiße Haus auf der anderen Seite des Atlantiks, in fröhlicher Art und Weise zur heimischen Verwandtschaft zwischen Udo Jürgens und FOOLS GARDEN.

Goutiert jemand gerne den Sophisticated Rock von OPUS, oder ist mit ELEMENT OF CRIME vertraut, wird derjenige bei ´Neujahr´ vor Freude weinen. Dieser bleibt in ´Wirf dein Geld aus dem Fenster´ überdies auf den Spuren von Manuel Schmid und Marek Arnold hängen. Breitwandkino-Pop in FRIEDRICHs Gnaden. ´Fernweh´, im Geiste in Saint-Tropez, wäre fürderhin aus dem Munde eines Jochen Distelmeyer aufregend zu vernehmen. Der Sixties-Pop findet seinen artrockigen Höhepunkt in ´Radikal und chic´, derweil der Kleinmut mit Klavier in ´Was will man noch mehr?´ wieder zu neuer Größe heranswingt.

Musikalisch, als auch lyrisch, wachsen FRIEDRICH SUNLIGHT mit ´Sag es erst morgen´ über sich hinaus.

(9 Punkte)

PS: „Wenn du mich suchst, ich bin im Garten, und da bleib ich auch bis sich die Partystimmung draußen legt. Bis dahin heißt es einfach warten, weil man so viel gute Laune doch auf Dauer nicht erträgt.“

https://www.facebook.com/friedrichsunlight/