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ILLIMITABLE DOLOR – Leaden Light

~ 2019 (Transcending Obscurity) – Stil: Funeral Doom ~


Wer hätte schon gedacht, dass eines Tages derart starke Nischenmusik sogar seinen Weg aus Indien in unsere Gehörgänge findet? Kunal Choksi, der Mann hinter der Schwermetall-Fabrik „Transcending Obscurity“ aus Mumbai, ist jedenfalls ein langjähriger Szenekenner und sammelte vor allem mit seinem Webzine „Diabolical Conquest“ einschlägige Erfahrung. Inzwischen hat er bereits mehr als hundert Releases in seinem Portfolio parat: von Death, Black, Doom, Sludge, Grind bis hin zu Punk, Noise und Industrial. Ein Delikatessenladen für die Extreme. Vieles davon im wahrsten Sinne des Wortes ´obskur´ und auf in etwa gleichem Top-Notch-Level wie andere, wahre Undergound Labels a la „Profound Lore“, „Dark Descent“ oder „20 Buck Spin“. „Transcending Oscurity“ ist für mich eine der ganz großen Entdeckungen der letzten Monate, mit seinem fantastischen Backkatalog und den zweifellos weiteren, wundervollen Dingen, die da noch kommen mögen.

Eines davon sind dann auch gleich ILLIMITABLE DOLOR mit ihrem zweiten Longplayer ´Leaden Light´. Die fünf Australier kombinieren hierauf krachende Heaviness, einsame Melodien und atmosphärische Grandeur zu einem düster hallenden Soundtrack für Grabeszüge oder Trauermärsche. Die Songs sind allesamt hochemotional und künden von Schmerz und Verlust – ein Funeral Doom der bei aller Abgründigkeit auch immer wieder eine zur Heilung stiftende Melodie mit einfließen lässt.

Dabei dominieren vor allem die fein strukturierten und ausladenden instrumentalen Zwischenspiele, die die Songs fortwährend in die Länge ziehen, ohne dabei jedoch wie irgendwelche Füller zu wirken. Der Rest der Strecke ist durch ein massives Knurren und durchschneidende Schreie geprägt, die sich ihren Weg durch die doomige Oberfläche bahnen, phasenweise auch von Keyboards und Piano unterstützt. Das ist episch und majestätisch zugleich – und am ehesten noch mit den kongenialen LOSS aus Nashville zu vergleichen, die vor gut zwei Jahren mit ihrem Album ´Horizonless´ so begeisterten.

ILLIMITABLE DOLOR umarmen den Funeral Doom mit ´Leaden Light´ auf eine ganz besonders innige Art und fokussieren sich dabei vor allem auf die emotionalen Stärken des Genres. Der Stachel sitzt tief. Aber er ist gleichzeitig auch so was wie eine Erlösung.

(8,5 Punkte)