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STREET KOMPASS Januar 2019

Hallo Freunde,

erst einmal an Euch alle, von dieser Stelle aus, ein FROHES NEUES JAHR. Ich hoffe, Ihr seid gut in das Jahr 2019 gestartet, so dass Ihr bereits einige musikalische Perlen entdecken und hören konntet. Da kommt unser STREET KOMPASS des Monats Januar genau richtig, denn er gibt Euch noch weitere Hinweise – anhand knackig kurzer Reviews.

Ansonsten bleibt alles wie es ist, denn am Ende könnt Ihr nochmals alle Reviews, Liveberichte, etc. dieses Monats in der Liste per Klick ansteuern.

Wer es noch nicht bemerkt hat, wir haben aus der Idee des KAVENTSKALENDERs, ein Klassiker-Werk in nur wenigen Sätzen zum neuerlichen Genuss in die Erinnerung aller zu rufen, eine neue Rubrik aufgemacht: „Filetstücke“ – unter dem Menüpunkt „Meilensteine“ zu finden. Hier unser erster Beitrag (klick).

Jetzt aber erst einmal: Vorhang auf für die Platte des Monats!

 

 

M o n a t s h e r r l i c h k e i t

 

„Lotus“ von SOEN

 


Q u i c k – R e v i e w s


AHL SINA – Troops Of Pain
2019 (Independent) – Stil: Orientalic Progressive Death / Kauzmetal

Spätestens seit ORPHANED LAND ist klar, das orientalischer Einfluss mit exotischen Instrumenten und Metal sehr wohl miteinander funktionieren können. Dazu kommt bei dem Debüt des international besetzten Projektes AHL SINA noch eine wohlige Kauzigkeit, die den True Metaller äußerst erfreut. Das monotone Gekrächze bei ‚Vowed‘ ist mir persönlich etwas zu viel des Guten, doch auf der ‚Haben‘-Seite verwöhnen heldenhafte Gitarrenthemen die Öhrchen und die angenehme Stimmlage Moustafa Trolls entschädigt.

Abwechslung ist Trumpf, so geht es growlingtechnisch schon einmal in die ATROCITY-Richtung, was bei mir ewigem Fanboy immer einem Kompliment gleichkommt. Aufgelockert durch soundtrackwürdige Instrumentalparts bleibt die Scheibe durchweg spannend. Das Gesamtpaket zum Reinschnuppern beinhaltet der Elfeinhalbminüter ‚Enlightenment Discarded‘.

(8 grenzenlose Punkte zur Völkerverständigung – Less Leßmeister)


ALTHEA – The Art Of Trees
2019 (Independent) – Stil: Progressive Rock / Metal

Die Wartezeit auf die neue DREAM THEATER könnt ihr mit diesem Schmankerl überbrücken, liebe Progmetal – Brüder und Schwestern – solange ihr nicht auf exzessives Instrumentalgeballere fixiert seid. Denn die Männer aus Milan faszinieren mit ihrem intelligent arrangierten, gefühlvollen Drittwerk auch vom Gesang her so, dass der Hörer wohlwollend an die samtigen Momente von James LaBrie denken mag.

Anyway – ‚Deformed To Frame‘, ‚Not Me‘ oder der namensgebende Longie ‚The Art Of Trees‘ bestechen mit traumhaften Refrains und über weite Strecken sollten auch brave Kinder, die an der RIVERSIDE unterm SUBSIGNAL mit RPWL spielen, nicht weglaufen. Und ja, lecker Saxofon gibt’s hier auch. Entscheidungshilfe für Unentschlossene: ‚Away From Me‘. Also ran an die Bulletten, ihr zarteren Spielkameraden von PAIN OF SALVATON, REDEMPTION oder eben DT.

(8 verzückte GefühlsProgPunkte – Less Leßmeister)


THE BEVIS FROND – We’re Your Friends, Man
2018 (Fire Records) – Stil: Rock

Auf diese 90 Minuten gehen alle steil, die nicht nur den Gottvater des Indie-Rock Neil Young anhimmeln. Immer wieder gibt sich Gitarrist/Sänger Nick Saloman ausgiebigen, solistischen Orgien hin, wie sie der Hörer zumeist nur aus dem Southern oder Psychedelic Rock kennt.

Neben den kleinen Epen des Psychedelic Rock dürfen obendrein auch sich nach den Seventies sehnende, kleine Kunstwerke bewundert werden. Echter amerikanischer, melancholischer Gitarrenrock, der verblüffender Weise aus Großbritannien stammt.

Aber Musikkenner lieben THE BEVIS FROND bereits seit ihrer Gründung 1986. Und werden die Formation mit diesem Doppeldecker, der nicht nur auf Doppel-Vinyl zum Erlebnis wird, auf Dauerschleife setzen. Seit den Anfangstagen klang die Band selten so kraftvoll und willensstark, so sensibel und aufgeräumt.

(8,5 Punkte – Michael Haifl)


DE STAAT – Bubble Gum
2019 (Caroline/Universal/Music) – Stil: Alternative-/Art Rock

Die Holländer DE STAAT sind das perfekte Beispiel einer Band, die man musikalisch eigentlich nicht einordnen kann. Auf jedem Album erfinden sie sich neu und bleiben sich doch irgendwie treu.

Mit `Bubble Gum` ist das nun schon zum sechsten Male der Fall. Trotz ihres extrem kantigen Stils ist ihre Mucke eigentlich auch tanzbar. Verdrehte, teils ungewöhnliche Rhythmen, bizarre Bassläufe, alles hart an der Grenze des zumutbaren, für einen Durchschnittshörer. Wer sich aber diesem Sound öffnet, der findet in DE STAAT eine Band, die es nur einmal auf dem Planeten gibt.

Wunderbare Anspieltipps: `Mona Lisa`, `I`m Out Of Your Mind`, `I Wrote That Code`. Der pure Alptraum für echte Metal-Fans sowie Puristen…

(7 Punkte – Jürgen Tschamler)


HELEVORN – Aamamata
2019 (Bad Mood Man) – Stil: (Gothic) Death / Doom Metal

Ihr liebt PARADISE LOST, Uralt-ANATHEMA als auch TIAMAT und sucht nach anderem Kraftfutter für die blutleeren Abendstunden? Dann solltet ihr keine Sekunde zögern und den Blick gen Spanien richten, denn das vierte Studioalbum der Männer vom Mittelerde-See aus ‚Schwarzem Glas‘ sucht seit letzter Woche den Weg in eure Gehörgänge.

In traditionell abwechselnder Growl / Sing – Manier durchwandert ihr düstere Klanglandschaften, während euch die Lava schmerzfrei aus den Ohren läuft. Während wir auf dem ‚Nostrum Mare‘ schippern, geht uns doch glatt noch eine THEATER OF TRAGEDY-Meerjungfrau ins Netz, die fortan unnervig dezente Akzente setzt. SO muss DAS klingen, was ich ungern ‚Gothic Metal‘ nennen möchte.

(8 mächtige Throwback-Punkte – Less Leßmeister)


HEX A.D. – Netherworld Triumphant
2018 (Fresh Tea) – Stil: Doom/Progressive Rock

Auch wenn man gerade mal wieder diesen Eindruck gewinnen könnte, aus Norwegen kommt nicht ausschliesslich nur Black Metal. Was HEX A.D. offerieren, ist eine machmal gewagte, aber doch stets plausible und moderne Mischung aus klassisch-bluesigem Hardrock der Marken URIAH HEEP und  DEEP PURPLE, deren Orgelsound hier eine mehr als gewichtige Rolle spielt (Keyboarder Magnus Johansen hat lange mit Jon Lord zusammengearbeitet), und natürlich dem heavy Riff-Doom von BLACK SABBATH, gelegentlich auch leidend in Richtung TROUBLE ausschweifend. Die besondere Prise Eigenständigkeit gewinnen sie jedoch durch ihren stark progressiven, ja jazzig-psychedelischen Einschlag; orientiert an KING CRIMSON und PINK FLOYD wird ausgiebig improvisiert und soliert, ohne jedoch den Boden unter den Füssen zu verlieren – dafür sorgen schon die  besonders großen, steinigen Schlammbatzen unter ihren Stiefeln. Und wer nun denkt, es geht gerade um CATHEDRAL, liegt gar nicht mal so verkehrt, muss sich jedoch auf erheblich mehr Spielfreude, Dynamik und Experiment einstellen. Was für offene Ohren ja kein Problem darstellen sollte…

(7,5 Punkte – U.Violet)


HEY ZEUS – X
2019 (Argonauta Records) – Stil: Hard-/ Heavy Rock

Shit, was für einen bescheuerter Bandname hat sich die aus Boston stammende Truppe da gegeben? Dabei liefern sie einen harten, treibenden, extrem energischen Stil, der zwischen krachenden Hard Rock und fett nach vorne gehendem Heavy Metal zu positionieren ist.

Keine Gefangenen ist die Devise. Rohe Energie und wilde Riffs verbünden sich zu einem wütenden Gebräu, welches einen schlicht umhaut. DEEP PURPLEs `Bloodsucker` wird entweiht, HEY ZEUS zerpflücken das Ding auf ihre dreckige Art. Grandios `Richard The Elder`. Was für ein Riffing! HEY ZEUS wirken auf mich wie eine aggressive, Up-tempo CLUTCH-Variante mit bissigem, stürmischen Metal-Einfluss.

Man höre nur `Gilded`, `I Don`t Want It` schlachtet einen förmlich ab. Da wirken die ganzen skandinavischen Youngsters wie ein billiger Kirchenchor! `X` ist neun Songs lang eine verdammt positive Überraschung.

(überfette 8 Punkte – Jürgen Tschamler)


MASSIVE – Rebuild Destroy
2019 (Off Yer Rocka Recordings) – Stil: Heavy Metal Rock`n`Roll

Neues Label, neues Album.

Die Australier liefern ihren dritten Longplayer – und weichen nicht von ihrer Marschroute ab. Schnittiger Heavy Metal mit tightem Rock`n`Roll gemischt, eigentlich nix Neues, nur in diesem Fall liefern MASSIVE die besten Songs ihrer bisherigen Karriere ab.

Stolperten MASSIVE vorher immer mal wieder, verhedderte sich oder wirkten belanglos, kommen sie auf `Rebuild Destroy` umgehend auf den Punkt.

Spielwitz, Kick Ass-Attitüde und rotzige Riffs sind top kombiniert. Das Metalherz lacht.

(7,5 Punkte – Jürgen Tschamler)


NORDIC UNION – Second Coming
2018 (Frontiers Records) – Stil: Melodic Hardrock

Zum zweiten Mal beglückt uns die NORDIC UNION, die Allianz von Sangeslegende Ronnie Atkins (PRETTY MAIDS) und Gitarrist/Mastermind Eric Mårtensson (ECLIPSE, W.E.T., AMMUNITION).

Produziert von Mårtensson persönlich erwartet den Hörer schlichtweg melodischer Hardrock an den Schnittkante zum Heavy Metal. Balladesk (´A New Life Begins´) oder einfach umblasend (´My Fear And My Faith´), das Händchen für Melodien, auch in der skandinavischer Hit-Aura von THE RASMUS (´It Burns´), verliert Eric Mårtensson in keiner Situation.

Ein schönes Scheibchen, um zwischendurch mal wieder dem guten Ronnie ein Ohr zu schenken.

(7 Punkte – Michael Haifl)


OREYEON – Ode To Oblivion
2019 (Heavy Psych Sounds) – Stil: Heavy-Psych-Stoner Rock

Etwas über zwei Jahre nach der Veröffentlichung des ersten Albums `Builders Of Cosmos` kommen die Italiener mit ihrem zweiten Album um die Ecke. `Ode To Oblivion` ist ein solider 6-Tracker, der einen in die Welt des Heavy-Psych-Sounds mit fetten Stoner-Einflüssen entführt. Das Album wirkt wie eine Reise durch die verschiedenen Genres, die mit dem Stoner-Sound verbunden sind. Alles schön bangerkompatibel und durchweg mit fetten Rhythmen durchzogen, fühlt man sich wie zwischen KYUSS und NEBULA eingeklemmt. Dazu eine Brise HIGH REEPER für die druckvollen, rollenden Grooves und fertig ist ein solider metallischer Stoner-Bolide mit eher zurückhaltenden Gesangseinlagen. Sauber.

(7 Punkte – Jürgen Tschamler)


PEE WEE BLUESGANG – 40 Bluesful Years
2018 (Sireena Records) – Stil: Bluesrock

Die PEE WEE BLUESGANG wurde bereits 1977 gegründet. Von Iserlohn aus startete ein Sextett in die Welt, diese mit Bluesrock zu erobern. Zwei Jahre später erschien das erste Werk ´Our Blue Side´.

Aktuell feiert die PEE WEE BLUESGANG immer noch ihr 40-jähriges Bandjubiläum. Angeführt von Ur-Gitarrist Thomas Hesse und Sänger Richard Hagel, der seit dem zweiten Album zur Besetzung zählt, durchlebten die beiden mit ihrer Band Höhen und Tiefen – und schenken ihrer kontinentalen Anhängerschaft zum Jubiläum ein am 29. Dezember 2017 im Rocktheater Piano in Dortmund aufgenommenes Live-Album.

Auf CD und Vinyl zu ergattern. Herzlichen Glückwunsch, an eine der ältesten deutschen Bluesrock-Formationen Deutschlands – auf die nächsten Dekaden.

(ohne Wertung – Michael Haifl)


POWERGAME – Masquerade
2019 (Iron Shield/Soulfood) – Stil: Heavy Metal

Auch auf ihrem zweiten Album bleiben POWERGAME sich musikalisch treu – bis zur letzten Note. Straight nach vorne gehender Heavy Metal mit NWoBHM-Einflüssen.

Zwar ist der Gesang nur suboptimal durch seine kantige Tonlage, aber das macht die Sache dadurch nicht uninteressanter, denn man schielt ja Richtung NWoBHM.

Und wie man weiß haben in diesem Genre viele Sänger nicht wirklich überzeugend geliefert. Innovationen Null, dafür viel Feuer unterm Arsch.

Galoppierender Heavy Metal mit Fist-in-the-Air-Attitüde.

(6,5 Punkte –  Jürgen Tschamler)


TOT – Untergang (EP)
2019 (Ogorekords) – Stil: Garagen Rock

Endlich krachender Indie Rock in Deutsch: TOT geben der Jugend und uns allen das, was wir schon längst gebraucht und vermisst haben, ein deutschsprachiges Sprachrohr für die Probleme dieser Gesellschaft. TOT sind eine ostfriesische Supergroup und bieten Mitgliedern von КОМВУИАТ ЯОВОТЯОИ, Gitarrist und Sänger Jannes, und MMTH, Schlagzeuger Hanno, Unterschlupf. Garagen Rock, Noise und Punk kommen inmitten der Schusslinie des Trios ins Blickfeld.

Zum ´Der Untergang´ darf sofort getanzt werden, Baby. Der ´Terror´ wird krachend-psychedelisch besungen. Eingestreute Sequenzen – „Dies ist keine Übung“ – verstärken die Stimmung, u. a. im instrumentalen ´Nuclear War´. Liegt doch im lärmenden ´Knüppel und Granaten´ bereits Verrat in der Luft. Und damit nicht alles bleibt wie es ist, könnte die frustrierte Jugend anstatt zu chillen eine Revolte anzetteln, und nicht nur über das ´Lied einer Jugendrevolte´ singen. Ob das Land zerstört gehört, sollte nicht vom Sofa aus und der extremen Beurteilung heraus in ´Was sich nicht gehört´ betrachtet werden. Macht kaputt, was euch kaputt macht, oder was?!

Wer deutschen Gesang ablehnt, tut mir leid. TOT sein ist nur früher sterben.

(Fette 8 Punkte – Michael Haifl)


THE TREATMENT – Power Crazy
2019 (Frontiers Records/Soulfood) – Stil: Heavy Rock

Mit neuem Sänger präsentieren sich die Briten THE TREATMENT auf ihrem vierten Album. Die Jungs sind zweifelsohne eine Truppe, der man die Auszeichnung zukommen lassen kann, die britischste Band mit dem australischsten Stil/Sound zu sein.

Der vertraute Sound zwischen AC/DC und ROSE TATTOO wird präzise gezockt und die Songs sind deutlich besser als auf den Vorgängern. Schwitzende Powerriffs dominierten das Album. Tracks wie `King Of The City`, `Rising Power`, `Hang`em High` sind imposante Rocker mit Arschtritt-Feeling.

`Power Crazy` steht ausnahmslos für druckvollen Rock`n`Roll und somit für viel Schweiß.

(7,5 Punkte – Jürgen Tschamler)


KONSTANTIN WECKER – Sage nein!
2018 (Sturm & Klang Musikverlag) – Stil: Songwriter

´Sage nein!´ ist ein antifaschistischer Aufruf von Konstantin Wecker, der die Menschen aufrütteln soll. „Lieder gegen den Wahnsinn“ – so will sich wenigstens ein Liedermacher gegen den Rechtsruck der Gesellschaft äußern.

„Mit Erschrecken muss ich feststellen, dass auch meine älteren Lieder gegen rechte Gewalt, Fremdenhass und Unmenschlichkeit so aktuell sind wie nie“, so der Sänger und bekennende Pazifist, der mit dem Satz großgeworden ist: „Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen.“

Daher vereint Konstantin Wecker 16 seiner Lieder, u.a. die erste Version des Wecker-Kultliedes ´Willy´, ´Empört Euch´, ´Sage nein!´, ´Vaterland´, ´Die weiße Rose´ und ´Ich habe Angst´. Einer der brandneuen Songs ist ´Das Leben will lebendig sein´. Der Erlös soll zu einem Teil auch „a.i.d.a.“ (Antifaschistische Informations-, Dokumentations- und Archivstelle München) gespendet werden.

Mit zehn Euro bist Du dabei, ´Sage nein!´.

(ohne Wertung – Michael Haifl)


 

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Das war bereits der Monat Januar.

Und jetzt? Hört Euch lieber bei der Kälte die Ohren warm.

Euer Michael
und das gesamte Streetclip-Team