PlattenkritikenPressfrisch

CHAOS OVER COSMOS – The Unknown Voyage

2018 (Independent) – Stil: Epic Metal –


Eine sphärische Einführung namens ´A Hidden Path´ begleitet uns in verblüffende Welten. Eine Stimme schickt sich an, wohlbekannte Worte von Friedrich Nietzsche aus „Also sprach Zarathustra“ zu rezitieren: „But the worst enemy you can meet will always be yourself; you lie in wait for yourself in caverns and forests. Lonely one, you are going the way to yourself! And your way goes past yourself, and past your seven devils! You will be a heretic to yourself and witch and soothsayer and fool and doubter and unholy one and villain. You must be ready to burn yourself in your own flame: how could you become new, if you had not first become ashes?“

Alsdann enthüllt sich ein fünfzehnminütiges Epos. ´Armour Of The Stars (Xenogears)´ ist ein Werk wohlbekannter Stärke. Niemand muss sich heutzutage für seine Vorlieben hinsichtlich der Underground-Highlights von TIME MACHINE (´Act II: Galileo´) oder LABYRINTH (´No Limits´) schämen, denn dieses Lied dreht die Zeit dahingehend großartig zurück. Die Gitarren galoppieren im IRON MAIDEN-Rhythmus, die Melodien zirkulieren im Dunste von HELLOWEEN. Die Keyboards wirbeln vor allem in den ausgiebigen Instrumental-Abschnitten wie weiland LABYRINTH über Feld und Wiese. Ein truemetallisches Warrior-Epos mit Keyboards, in dieser Dimension fochten ansonsten nur SKYLARK.

Auf zwölf Minuten will es sogleich ´They Will Fall´ wissen. Abgehangener tönt es aus der Ferne, mehr Mid-Tempo. Epischer Doom der heutigen Ära, oder südländischer, barbarischer Heavy Metal mit Keyboard-Untermalung? „Vollkommen unwichtig“, sagt der Fellträger und beißt ein Stück vom rohen Mammutschenkel ab. Nochmals ist hernach das elfminütige ´The Compass´ zur Stelle und verblüfft mit einer gediegenen Melodik. Eine Komposition, in der sich alle Instrumente erneut austoben dürfen. Der Gesang weckt dabei auf seine Art und Weise, in Verbindung zur Melodie, unbestreitbar leidenschaftliche Erinnerungen an die Kanadier SAGA.

Jetzt ist der Zuhörer völlig vom Donner gerührt. Verdattert stellt er sich die Frage, ob es sich bei ´The Unknown Voyage´ um eine Kompilation mehrerer neuer Underground-Helden handelt, die alle drei einen Longtrack hierauf verewigt haben. Aber in Wahrheit sind es zwei Brüder im Geiste, die sich gefunden haben, um unter dem Bandnamen CHAOS OVER COSMOS zu musizieren. Der Spanier Javier Calderon singt akzeptabel und bringt den südländischen Anteil in die Musik. Hinter der Gitarre, den Keyboards und den Schlagzeug-Programmierungen steht der Pole Rafal Bowman. Ein hoffnungsvolles Dreamteam des Undergrounds. Der siebenminütige, instrumentale Rausschmeißer ´The Sky Remembered My Name´ vermittelt wiederholt die Stärken der Band, die in diesem Songbeispiel absolut eindeutig vom Prog Metal der Neunziger Jahre beeinflusst ist.

CHAOS OVER COSMOS selber verstehen sich als Prog Metal-Formation, die dem Sound von KELDIAN und WINTERSUN frönt. Dennoch liegt ihnen das Erbe von IRON MAIDEN, LABYRINTH und SAGA im Blut. Auf jeden Fall ein interessantes Potpourri.

(7 Punkte)

https://www.facebook.com/chaosovercosmos/