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ANN WILSON – Immortal

2018 (BMG) – Stil: Rock


Ich gebe es zu. Ich war mal in ANN WILSON verliebt. Fremdschämen angesagt? Nee, schaut euch die alten Videos der HEART-Sängerin an und urteilt dann. Bäng.

Inzwischen ist die propere Dame ziemlich in Vergessenheit geraden. HEART haben schon seit gefühlten Jahrzehnten kein Überfliegeralbum mehr abgeliefert und ANN WILSONs Stimme hat sich verändert. Nur noch in Nuancen erinnert sie heutzutage noch an ihre alten Glanztaten bzw. Qualitäten.

Die letzten HEART-Alben sind bemitleidenswert und selbst als beinharter HEART-Anhänger muss man verdammt viel Toleranz aufbringen, auch bezüglich der ausbordenden Veröffentlichungen diverser Livealben der aus Seattle stammenden Band.

Nun kommt ANN WILSON mit der cleveren Idee und liefert ein Cover-Album ab! Uah, gähn, wie innovativ, wie aussergewöhnlich. Soll wir mal `ne Liste machen von Musikern bzw. Bands, die das in den letzten Jahren ebenfalls getan haben? Besser nicht. WILSON hat verschiedene Songs von Musikern und Freunden gecovert, die sie musikalisch beeinflusst haben oder erst kürzlich verstorben sind. Die Songauswahl ist breit gefächert, keine Stangenware. Viel exotisches an Musikern und Songs dabei. Allerdings, nach diversen Durchgängen, kann man nur einigen Versionen etwas abgewinnen. Der Rest ist schlicht belanglos.

Hier die komplette Tracklist von `Immortal`:

`You Don`t Owe Me` (Lesley Gore)
`I Am The Highway` (Chris Cornell, Audioslave)
`Luna` (Tom Petty)
`I`m Afraid Of Americans` (David Bowie)
`Politician` (Cream) zu Ehren von Jack Bruce
`A Thousand Kisses Deep` (Leonard Cohen)
`Life In The Fast Lane` (Joe Walsh, The Eagles) zu Ehren von Glenn Frey
`Back To Black` (Amy Winehouse)
`A Different Corner` (George Michael)
`Baker Street` (Gerry Rafferty)

Meine persönlichen Favoriten sind `Baker Street`, `Life In The Fast Lane`, eine eigenwillig-interessante Interpretation des Cohen Klassikers `A Thousand Kisses Deep` sowie die Stehblues-Nummer `You Don`t Owe Me`. Aber auch das vorab ausgekoppelte `I Am The Highway` von Chris Cornell/AUDIOSLAVE. Gesanglich geht WILSON selten an ihre Grenzen. Bei allen Songs singt sie ziemlich geradlinig und wenig spektakulär, leider. Da hätte das Rock And Roll Hall Of Fame-Mitglied aus meiner bescheidenen Sicht etwas mehr Power, Herzblut und Leidenschaft einbringen können. Anderseits, das hat sie sicher, aber die stimmlichen Eckpfeiler der Achtziger/Neunziger sind nur noch bedingt omnipräsent.

Als HEART-Fan wird man sicher das Album mal antesten, das bleibt nicht aus. Ob das Ding ein Verkaufsschlager wird, bezweifle ich, dafür sind die Highlights zu rar.

(6 Punkte)