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DARK FOREST – Beyond The Veil

2016 (Cruz Del Sur Music) – Stil: Medieval Metal


Sing to me a story of long ago
Oh, sing a tale of glory, a tale of woe
Sing to me of secrets, whispered through time
Sing to me from the lore of the land

 

DARK FOREST präsentieren – diesmal überraschend mit unveränderter Besetzung – ihr viertes Album ´Beyond The Veil´. Und bereits der längere Opener ´On The Edge Of Twilight´ verrät, wohin die epische Reise in weit über einer Stunde führen soll. Über Wald und Wiesen, überwiegend im Galopp und mit großem Melodienreichtum, ausgiebig die folkloristische, Medieval-Seite beider Gitarristen hervorhebend, dabei geschmückt als Reiter in voller Montur, während Sänger Josh Winnard im Höhepunkt seine beste Leistung seines gesamten Gesangsvortrags direkt zurückhaltend, vorsichtig angeht.

Schwingt also die Hufe, edle Recken, mit ´Autumn’s Crown´ geht es weiter hoch zu Ross, über Feld und Flur, selbst wenn hier der Gesang leicht neben dem Melodiereigen reitet. In ´Blackthorn´ gibt es zumindest gesangliche Unterstützung mit einem BLUE ÖYSTER CULT-würdigen Backgroundchor. Dem Songtitel ´The Wild Hunt´ in seiner Geschwindigkeit gerecht werdend, dreht das Quintett aber nochmals auf, gönnt sich nur zwischendurch eine ruhigere Verschnaufpause, bevor es sich etwas schleppender in ´Earthbound´ zeigt, das natürlich kein neues ´Hourglass´ geworden ist.

Zuweilen sind die Melodien jedoch wie in ´Where The Arrow Falls´ so offenherzig, als würde ein ganzer Haufen Folk-Rocker die Bagpipes blasen. Etwas unpassend erschallen zudem mittig zwischen epischer Bridge und heroischem Refrain die allzu pathetischen „Now fight, for I’m always with you, fight with a heart of joy„-Gesänge, gerade in diesem fröhlichen Kontext. Der Weg insbesondere in ´Beyond The Veil´ zum Euro Metal erscheint alsdann in nicht allzu weiter Ferne. Von den Maiden-Einflüssen, inklusive Dickinson-Timbre Josh Winnards, zeugt schließlich vor allem ´The Undying Flame´, das als ´Mighty Mountain´ erst seine Größe offenbaren könnte, wobei gerade in der zweiten Albumhälfte die Ausstrahlungskraft etwas nachlässt. Mit einer akustischen, folkloristisch geprägten Einleitung beginnt das über 13minütige ´The Lore Of The Land´, das sich allmählich im weiteren Verlauf und somit nicht erst nach dem siebten Linksfahrer-Cider zum Schunkeln für den wahren Metaller eignet. Ein Song, der sich auch auf jedem TEN-Album prächtig einfinden würde. Kennt Ihr also bereits all die ruhigeren Konsorten, die Brüder im Geiste, DARE, TEN und den ganzen Rest, dann gönnt Euch heuer täglich eine Dosis von DARK FOREST. Darauf einen alten Speyerling, cheers.

(7,5 Punkte)

Michael Haifl

 

Bring good company to share in the tales
Oh, bring in barley wine, a drop of good ale
We light a fire to vanquish the dark and cold
As we sing from the lore of the land

 

Kein Vorgeplänkel: Eines der Vorzeigegewächse der neu erblühten britischen Metalszene beschert uns mit seinem vierten Album die wohl beste traditionelle Metalscheibe des Jahres 2016. Auf ´Beyond The Veil‘ haben sich die Naturfreunde DARK FOREST aus den englischen West Midlands stilistisch endgültig freigeschwommen. Wenn es noch einen passenden Vergleich gibt, dann sind es die famosen Landsmänner von WYTCH HAZEL, für die Sänger Josh Winnard früher seine Stimmbänder dehnte.

Die ausladenden Melodiebögen, die keltischen Kringel der Twingitarren, dazu ein Sinn für eingängige Songs, welche die tödlichen Klippen des Eurospeed ohne größere Absplitterungen (´Blackthorn’) umschiffen – aus diesem Holz sind die Flaggschiffe der Echtmetall-Jetztzeit geschnitzt. Bei Hymnen wie dem unwiderstehlich voranstürmenden ´Where The Arrow Falls‘ und dem in einem jubilierenden Refrain gipfelnden Titelsong dürften die allermeisten Szenegenossen in tiefe Zweifel ob ihrer musikalischen Relevanz geraten. Auch getragene Kompositionen wie ´Earthbound‘, ´The Undying Flame‘ oder ´The Wild Hunt‘ mit seinem bezaubernden Akustik-Mittelteil genügen höchsten metallischen Ansprüchen, zumal im Gegensatz zum verwaschen klingenden Vorgänger ´The Awakening‘ dieses Mal auch die Produktion stimmt.

Zum echten Prachtalbum wird ´Beyond The Veil‘ durch das wahrhaft majestätische Schlussstück ´The Lore Of The Land‘, das in seinen knapp 14 Minuten über die Liebe der Band zu den Sagen und Geschichten ihrer Heimat erzählt und Freunde des epischen Liedguts zum lippengeschürzten Mitdirigieren animieren wird. Packender als der jüngste MAIDEN-Longtrack ´Empire Of The Clouds’ und seelenverwandt zu ATLANTEAN KODEX, für die DARK FOREST bei den Theuern-Festspielen 2015 eröffnen durften. Kein Schlussgeplänkel: kaufen!

(8,5 Punkte)

Ludwig Krammer

 

https://www.facebook.com/Darkforestuk

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