PlattenkritikenPressfrisch

GAZPACHO – Soyuz

2018 (KScope) – Stil: Artrock


´Soyuz´ ist vom Naturell her ein Konzeptalbum. Der gesamte Aufbau und die Beschaffenheit des zehnten Werkes von GAZPACHO genügen einer entsprechenden Wesensart. Die Soundlandschaften fließen abermals einzigartig in einem melancholischen Auf und Ab aller acht Kompositionen, die wie gewöhnlich in Norwegen aufgenommen wurden. Für emotionsreiche und konzeptionelle Aufzeichnungen ist das Sextett bekannt. Überwiegend zeitgebundene oder von der Sterblichkeit geprägte Vorgänge beschäftigen die inhaltlich gefesselten Umsetzungen. Anhand von Gesprächen mit Altvorderen, über Krieg und Weltereignisse oder einen Audio-Code, der auf dem letzten Album das ganze Universum und den Rest hätte auslöschen können, widmen sich GAZPACHO Themen, die nicht allein ihren Geist beschäftigen.

´Soyuz´ enthält nicht nur einen Dreh- und Angelpunkt, der sich eines Raumschiffes gleich durch den Weltraum, wieder zurück zur Erde und die Jahrhunderte schlängelt. Natürlich spricht das Werk die bemannten russischen Raumschiffe Sojus an, die seit 1967 im Einsatz sind. Insbesondere natürlich das tödliche Unglück von Sojus 1. Trotz vorhergehender Fehlschläge wurde das erste bemannte Schiff am 23. April 1967 ausgesandt (´Soyuz One´). Die Mission endete für Wladimir Komarow mit dem Tod, weil der Hauptfallschirm nicht aufging und Sojus 1 aus sieben Kilometern Höhe zur Erde stürzte. Andere Kompositionen beziehen sich auf Hans Christian Andersens Märchen „Des Kaisers neue Kleider“ (´Emperor Bespoke´) oder auch die tibetanisch-buddhistische Himmelsbestattung (´Sky Burial´). Neben Feuer- und Erdbestattungen ist der Brauch der Himmelsbestattung bis heute in Tibet und der Mongolei verbreitet. Nachdem der Tote bis zu fünf Tage lang symbolisch Essen erhalten und von einem Lama Geschichten erzählt bekommen hat, wird er zerlegt und den Geiern zum Fraß überlassen. Diese bringen der Vorstellung nach den Toten ins Bardo, den Zustand zwischen Tod und Wiedergeburt. Obendrein nutzen GAZPACHO das 1860 von einer Frau gesungene Lied „Au Claire de la Lune“, die erste bekannte, menschliche Tonaufnahme des französischen Forschers Édouard-Léon Scott de Martinville.

´Soyuz´ reiht sich in die Reihe der großen GAZPACHO-Werke ein. Die diesmal zur ansehnlichen Themenvielfalt verfassten Kompositionen versprechen Tiefe und Geborgenheit. Innige Liebe nicht ausgeschlossen.

(8,5 Punkte)

Schreibe einen Kommentar