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THOMAS KONDER – Labyrinth

2018 (Musea) – Stil: Progressive Rock


Öffnet die Ohren, lasst Musik säuselnd hineinschlängeln. Lebt. Genießt die Kompositionen von Thomas Konder. Denn seinen ersten Soloausflug garniert der Multiinstrumentalist aus dem Eifelkreis Bitburg-Prüm in Rheinland-Pfalz sogleich mit einem Konzeptwerk über den Selbstfindungsprozess eines Menschen. Im Labyrinth des gewöhnlichen Lebens gefangen, versucht jeder einen möglichst passenden Weg herauszufinden. Der ganz normale Wahnsinn des alltäglichen Kampfes um das allzu gewöhnliche Leben, verbunden mit Erinnerungen und Träumen, aber ebenfalls Wünschen und Hoffnungen.

Seit über anderthalb Dekaden begeistert ein Thomas Thielen unter dem Bandnamen T im Alleingang die progressiven Genussgänger. Daher ist es keineswegs ein Fehler, dass sich aktuell ein anderer Thomas im Metier des Progressive Rock auslebt. Ehemals Drummer und Gründer der QUEEN-Tribute Band INNUENDO, sowie Organisator, Perkussionist und Backgroundsänger diverser, regionaler Projekte, lebt Thomas Konder sein Gefallen am retrogreskem Rock von SUPERTRAMP und ALAN PARSONS PROJECT sowie GENESIS, YES und PINK FLOYD aus. Der Titelsong findet sich sogleich in der Unendlichkeit des frühen SPOCK´S BEARD-Kosmos wieder. So wundervoll, dass der eingebettete Gesang den Stereo-Effekt der Lautsprecherboxen testet. Waldhorn und Saxofon unterfüttern die atmosphärische Gediegenheit. Wundervolle Qualitätsmusik der Gattung GENESIS und YES werden in ´Only The Wind Knows´ oder ´Morning Sun´ von Harmoniegesängen mit einer gewissen Tiefe getragen, die der Brillanz und dem ewigen Gütesiegel der BEACH BOYS nacheifern. Da freuen sich im letztgenannten Song die Kinder des Sonnenlichts. Welch wundervoller Gesang.

Musikalisch federn die Klänge im Sinne des frühen US-amerikanischen Prog Rock leicht durch die Klangwelten von ´Solitary Road´. Ein Ohrenschmeichler für den Nachmittagsausflug mit Neal Morse und seinem Cherubim. Leichtfüßig modeln sich Töne in eine musikalische Kettenreihe um. Die jubilierenden Gitarrenklänge schreien förmlich hinter dem Wolkenvorhang nach Sonnenstrahlen, die von ´Puzzle´ nach den Seventies. Die himmelanflehenden Schreie von ´On A Day Like This´ entspringen dagegen der gedanklichen Auseinandersetzung mit dem Germanwings-Flug 9525 von Barcelona nach Düsseldorf, bei dem am 24. März 2015 alle 150 Passagiere im südfranzösischen Département Alpes-de-Haute-Provence am Boden zerschellten. Hoffnung, immerwährende Hoffnung lässt eine tragische Fröhlichkeit aufkommen. Finger und Haare kann man sich bereits beim Tanz um das Feuer von ´Firedance´ verbrennen, einer Warnung vor Populisten á la Trump, Putin oder Erdogan. Die Sentimentalität frohlockt dennoch längst in ´Born´, sei es zur Geburt eines neuen Lebens oder zum Erwachen im Ewigen Leben. Beizeiten mit Brian Wilson an der Seite, bisweilen mit den FLOWER KINGS und MOON SAFARI. Im Sinne musikalischer Großtaten beendet das zehnminütige ´A Step A Day´ die Reise durch die Wirklichkeit. Erinnerungen zitieren vorhergehende Kompositionen und setzen somit einen Fixpunkt am Ziel. Vor diesem Ende solltet Ihr leben.

(8 Punkte)

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