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RIOT V – Armor Of Light

2018 (Nuclear Blast) – Stil: Power Metal


„The Wizard“ ist der Spitzname von Chris Collier, der als Produzent zuletzt mit KORN, PRONG und George Lynch zusammenarbeitete. Die neue RIOT V dürfte Colliers Ruf nicht wirklich verbessern. Der sterile Schlagzeugsound mit den künstlich klingenden und viel zu sehr in den Vordergrund gemischten Kickdrums fällt eindeutig in die Kategorie fauler Zauber, um im Bild zu bleiben. Schwer nachzuvollziehen, wie Trommler Frank Gilchriest und der Rest der Band diesen Murks freigeben konnten, zumal sich die Kompositionen wie von Chefschreiber/Bassist Donnie van Stavern angekündigt tatsächlich am Bandklassiker ‚Thundersteel‘ orientieren, sprich mit reichlich Doublebass daherdonnern.

Man muss sich ‚Armor Of Light‘ also schönhören, was bei der größtenteils herausragenden Qualität des Materials zum Glück so schwer nicht fällt. Vom eröffnenden ´Victory´ bis zum hymnischen Titelstück jagt ein Melodic-Juwel das nächste. Brillantere Gitarrenharmonien gibt es im verschärften Metal aktuell nirgends zu hören, die bei aller Kraft und Geschwindigkeit herrlich nuancenreichen Riffs fetzen einem die Sahne vom Frühlingseis. Auch wenn RIOT phasenweise gefährlich nah an den Europower-Klippen vorbeischrammen (‚End Of The World‘, ‚Heart Of A Lion‘) – cheesy wird es in den ersten beiden Albumdritteln nicht. Leider hat sich hintenraus der eine oder andere Skip-Kandidat eingeschlichen, speziell die arg vorhersehbare Halbballade ‚Set The World Alight‘ und das buttertortige ‚Ready To Shine‘ hätten wohl nur die Wenigsten vermisst. Dafür gibt’s mit ‚Raining Fire‘ zum Abschluss nochmal versöhnlich auf die Backen, für einige der Riffs würden Heerscharen von Durchschnittsthrashern sämtliche Verwandten verscherbeln.

Unterm Strich ist ´Armor Of Light´ also keine Enttäuschung geworden, dem überraschend starken Vorgänger in Sachen Inspiration und Vielseitigkeit allerdings doch merklich unterlegen. Wem es auf JUDAS PRIESTs ‚Firepower‘ an selbiger fehlte, der wird hier nichts zu meckern haben. Vom traurigen Drumsound mal ab…

…naja, vielleicht gibt’s in ein paar Monaten ja die spezielle Tour-Remix-Version.

(7,5 Punkte)

Ludwig Krammer

 

RIOT V haben sich vier lange Jahre Zeit gelassen, um den Nachfolger zu ‚Unleash The Fire‘ zu liefern. Sie sind mit Bedacht an den Nachfolger herangegangen, stehen RIOT V doch in großer Verantwortung hinsichtlich ihres Namens und Kultstatus. ‚Armor Of Light‘ liegt mit seinen zwölf Songs musikalisch genau auf der Line von ‚Thundersteel‘ und erwähntem Vorgänger. Der Großteil der Songs ist temporeich und in typischer RIOT V-Manier gehalten. Todd Michael Halls sirenenartige, brutal dominante Stimme, und die durchwegs schnellen, dynamischen Riffs prägen dieses Album, das in seiner Gesamtheit musikalisch eher eindimensional ausfällt. Was nicht im Geringsten als negativ zu werten ist.

Speedige Metal-Hymnen wie ‚Messiah‘, ‚Ready To Shine‘ oder ‚Raining Fire‘ liefern die klassischen RIOT V-Trademarks in voller Breite. Etwas abwechslungsreicher klingt ‚San Antonio‘ mit einer wunderbaren Melodie, der Refrain zeugt von hoher Nachhaltigkeit. Auch das eher groovige, im Midtempo angesiedelte ‚Caught In The Witches Eye‘ schlägt diese Richtung ein. Lee und Flyntz, ein perfekt harmonierendes Gitarrendoppel, bereiten den Boden für die durchweg schnellen Stücke.

RIOT V sind kein Risiko eingegangen, haben eher auf Nummer sicher komponiert und servieren einen Sack voller Klasse-Songs. Während also musikalisch alles im grünen Bereich ist, muss man sich hinsichtlich des Schlagzeugsounds fragen, was da verrutscht ist. Ein klinisch, fast schon Drumcomputer-mäßiger Sound wurde dem Album aufgedrückt! Wieso? Warum? Mit Frank Gilchrist haben sie doch einen verdammt überragenden Drummer in der Band! Keinerlei Dynamik im Drumsound, schlicht klinisch tot. Auch wenn dies einen großen Mangel darstellt, ändert es nichts an der Tatsache, dass die musikalische Leistung der Amis exzellent und ihnen ein lupenreines US Metal-Album gelungen ist. RIOT V ist es ein weiteres Mal gelungen, feurige Riffs mit melodischen Aspekten zu spicken und den eingeschlagenen Kurs konsequent weiterzusegeln.

(8,5 Punkte)

Jürgen Tschamler

 

Wenn eine Band ankündigt, eine längst vergangene Ära aus den eigenen, legendäreren Tagen wieder zu erwecken, scheint zumeist Vorsicht geboten. Wenn es sich in diesem speziellen Falle auch noch um RIOT dreht und sich diese laut Aussage ihres Bassisten Donny Van Stavern, der die Mehrzahl der Kompositionen geschultert hat, zu luftschnappenden Wunderzeiten von ´Thundersteel´ und ´The Privilege Of Power´ wenden soll, ist die Vorfreude unermesslich und die Angst vor einem Scheitern riesengroß.

Zu Zeiten von ´Thundersteel´ sägten die Gitarren jede Schädeldecke weg und die Songs hatten Rhythmus im Blut. Wer sich einen Song von damals wie ´Flight Of The Warrior´ in einem Euro-2018-Remix vorstellen kann, befindet sich mit ´Armor Of Light´ auf der richtigen Fährte. Das flott polternde „Ahahaa“-Victory und ein böllerndes ´End Of The World´ eröffnen den Reigen in der Manier des Vorgängers. Immer wieder blitzen Gitarrenläufe auf, die an selige Zeiten erinnern. Aber letztlich steht die große Liebe hier zurück. Denn all die Epigonen nach HAMMERFALL haben eigentlich jedermann die Beziehung zu solchen Klängen zerstört. Der einzige Vorteil von ´Armor Of Light´ liegt in den allzeit rasanten Kompositionen. Das hyperschnelle ´Messiah´ und mit Abstrichen ´Raining Fire´ sind wenigstens vom ihrem Ansatz her von altem Schrot und Korn. Derweil es sich bei ´Burn The Daylight´ und ´San Antonio´ um fröhliche Power-Nummern handelt, trägt der Titelsong ganz klar den Frohsinn von HELLOWEEN in sich. Da mundet der hyperaktive Schönklang-Speed von ´Heart Of A Lion´ schon lieblicher. Das gefühlvolle Power-Stück ´Set The World Alight´ führt auf die gewohnte Hüpf-Strecke und der Hardrock-Song ´Caught In the Witches Eye´ täuscht mit paar Bläsern die Atmosphäre von ´The Privilege Of Power´ vor. Sänger Todd Michael Hall reißt zumindest mit seinem hervorragenden Gesang ein ´Angel’s Thunder, Devil’s Reign´ heraus. Aus diesem Grunde kann dieser allseits gleiche Takt im Schlagzeug-Sound des Albums niemals echte Freunde finden.

Sind das RIOT 2018? RIOT V sind schlichtweg nicht mehr meine RIOT. RIOT V werden eher europäischen Melodic Metallern munden. Was also fehlt? Der Biss und die Erbarmungslosigkeit. Das hier soll und muss Heavy Metal sein.

(6,66 Punkte)

Michael Haifl

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