Livehaftig

7. FULL METAL OSTHESSEN

2. – 4. März 2018, Niederjossa


Die siebte Auflage des attraktiven Festivals im Herzen unserer Republik, das den FULL METAL nach OSTHESSEN bringt, fand abermals Anfang März in Niederjossa statt.

Von leichten Beeinträchtigungen abgesehen, dem nochmals herausschauenden Winter und der grassierenden Grippewelle fielen die Auftritte von CHOAS PATH und STAIRWAY zum Opfer, war das FMO ein voller Erfolg. Eine sympathische Festival-Crew und eine entspannte Atmosphäre geleiteten den Triumph dieser Neuauflage.

Derweil der Freitag ganz im Zeichen des Thrash steht, begrüßen DARK ZODIAK aus Eggingen die ersten Zuschauerreihen, die entspannt an und zwischen Stehtischen ihre Licher-Biere schlürfen. Wenn auch die growlende Ausdrucksweise von Sabine Schwarz nicht überall Anklang findet, sind sie doch ein echter Wachmacher nach einer arbeitsreichen Woche. Instrumental lässt sich das Quintett sowieso nichts vormachen und erledigt den Job des Aufputschers äußerst souverän.

Anschließend stehen DELIRIOUS auf den zu beackernden Brettern, so dass nun das Thrash-Festival im Festival an sich beginnen darf. Jetzt Thrash aus Hamm, hernach aus Darmstadt und zum Abschluss des Tages Thrash aus Siegen. Schöner kann das Herz des Old Schoolers nicht pochen. Selbst in dieser Eiseskälte. Selbst für Bay Area angehauchten Thrash, bei dem Sänger Markus „Betty“ Bednarek ungeachtet der Außentemperaturen in Bermudas auftritt.

Bei einem Song vom neuen Album preschen aber ebenso teutonische Melodien aus dem Songkorsett hervor und bereits zur Halbzeit erschallt ein rundumglückliches Trommelfeuerwerk im Lichtgewitter. Die Hitze der Musik strahlt sogleich auf die Zuschauer aus, die sich vereinzelt gönnen, ohne Laufband, direkt vor der Bühne einen Dauerlauf hinzulegen. In-House Walking in Niederjossa.

Die Thrasher von ABANDONED sind musikalisch sogleich noch wütender, heftiger und legen eine dichte Soundwall aufs Parkett. Als Quartett bestens aufgestellt und aufgelegt, erweist sich Sänger/Gitarrist Eric „Kalli“ Kaldschmidt als spaßige Frohnatur, der es sich nicht nehmen lässt, im schönsten Hessisch zu babbeln und daher irgendwann in seinem Gekicher auf der Bühne von den Thekenboys auf der linken Seite des gemütlichen Veranstaltungsortes lautstark nachgeäfft wird.

Die Körper der Banger laufen währenddessen langsam heiß, die Zuckungen nehmen zu. Im Laufe des Sets tauschen die Saitenspezialisten Holger Ziegler, der wie der junge Bruder von TANKARDs Gerre aussieht, und Torsten Schweickart gar Bass und Gitarre. Und zur Feier des Tages spielen ABANDONED auch einen bald 14 Jahre nicht mehr gespielten Song und einen vom Debüt. Der Applaus aus allen Ecken ist ihnen hiermit nicht erst am Ende des Auftritts sicher.

Den letzten Knüppel aus dem Sack ziehen ACCU§ER am Freitagabend, die nochmals alles geben, um die Zuschauer ab der finalen Stunde vor Mitternacht zu begeistern. Anders als ihre Vorgänger auf der Bühne, müssen sie die Menge mit einer gehörigen Portion Ruhrpott-Charme in den Bann ziehen.

Aber das ist kein Problem für die live erprobte Band, die seit ihrem Comeback vor zehn Jahren und der Verjüngungskur einiger Mitglieder sowieso frischer als je zuvor aussieht als es für eine seit 1986 existierende Combo den Anschein haben dürfte.

Der einfallende Groove schwappt daher kurzerhand auf das Publikum über und beglückt alle Anwesenden mit einer richtigen Mischung ihrer Songvorräte. Ein erfolgreicher Tag neigt sich dem Ende.

 

Mit leichtem Neuschnee beginnt der Samstag und verhindert den Auftritt von STAIRWAY, denen das Schneechaos in England und der dadurch lahmgelegte Flugverkehr den Auftritt verhagelt. Planmäßig starten am Nachmittag RA aus der Ecke Köln/Bonn und entpuppen sich als überraschendes Highlight. Die Band um Sängerin Liane Vollmer-Sturm pustet sogleich die schweren Köpfe vom Vortag mit einer ordentlichen Dosis Hardrock und Melodic Metal durch. Nicht nur weil sich hier eine Frontlady auf den Brettern austobt, steigt das Stimmungsbarometer zur frühen Metal-Stunde enorm an.

Hernach legen die Franzosen EXISTANCE schon mit einem Intro gut los und begeistern somit von Beginn an. Denn die Gruppe aus unserem musikalisch oft stiefmütterlich behandelten Nachbarland zeigt sich in bestechender Form. Erstklassiges Stageacting und eine gelenkige Performance setzten das i-Tüpfelchen auf einen Auftritt, der sich hinter all den Jungen Wilden wie ENFORCER oder STRIKER nicht verstecken braucht und gerne mit den Vätern IRON MAIDEN und JUDAS PRIEST Hand in Hand zum Nachmittagskopfschütteln aufspielt.

DIVINER kommen nur mit einem Album in der Hinterhand nach Hessen angereist, überzeugen dennoch wie alte Hasen. Mit den Hellenen offenbart sich nämlich der nächste Höhepunkt des Tages. Heavy Metal für den True- als auch US Metal-Supporter, der sogar den engstirnigsten Anhänger im Publikum überzeugen kann. Während rechts vom Sänger die Bärte tragende Kahlfrisur-Fraktion rackert, posieren die Langhaarigen auf der linken Bühnenhälfte. Ein Quintett, das in allen Belangen zu überzeugen weiß und in Zukunft gerne nochmal mit einer Band wie ARGUS auf den Bühnen des Landes erscheinen sollte.

Melodic Metal aus der Schweiz steht sodann auf dem Programm. CROWN OF GLORY machen ihre Sache gut, doch die meisten aller Anwesenden warten begierig auf den nachfolgenden Auftritt von VISIGOTH.

 

Die jungen Herren sind momentan in unseren Landen auf Tournee und machen glücklicherweise ebenfalls in Niederjossa Station. Immer noch gesundheitlich stark angeschlagen, kann Sänger Jake Rogers kaum reden, liefert dennoch eine Top-Performance ab und singt gefühlt in absoluter Hochform.

Ein Bomben-Sänger. Und die komplette Band spielt auf, als gäbe es kein Morgen mehr. Selbst wenn der Sound für den Hardliner eine zärtliche Tendenz zum Euro Metal aufweist, sind VISIGOTH sowieso die besseren HAMMERFALL. Und endlich füllt sich die Location restlos, keiner schnappt in diesem Moment an der frischen Luft mit der Zunge nach Schneeflocken. Das Publikum geht lieber am Ort des Geschehens vollkommen steil. Die Stimmung erreicht ihren Siedepunkt und explodiert. VISIGOTH – die Band der Stunde.

Die wiedererstarkten SHADOWKEEP haben es anschließend nicht leicht, diesem eben noch auf der Bühne tobenden Orkan einige frische Winde hinzuzusetzen. Gesanglich ist US-Legende James Rivera in großartiger Form, obgleich nicht alle Anwesenden diese Mischung aus progressiv angehauchtem Metal und der Sirene des US Metal bis zum Schluss überzeugt gegenüber stehen. Trauriger Weise leert sich der Ort aller metallenen Träume dieses Wochenendes zum Set-Ende zusehends. Gleichwohl hat sich der Flug der beiden Amerikaner, James Rivera und Bassist Stony Grantham, zu ihren neuen britischen Bandkollegen gelohnt, denn die Kompositionen des aktuellen Werkes erweisen sich als Glücktreffer.

Daher nutzt die Band die Gunst der Zusammenkunft und feuert bei ihrem wohl ersten gemeinsamen Auftritt einen neuen Song nach dem anderen in die Menge. Aber selbst wenige Alt-Klassiker kommen zum Zuge, erhalten natürlich durch den Rivera´schen Gesang eine andere Aura. Ohne Frage wird der Auftritt von SHADOWKEEP überzeugend in Erinnerung bleiben und bringt am heutigen Abend alle Skeptiker zum Schweigen.

Schneebedeckte Natur, warme Hütten. Metallisches Feuerwerk in Niederjossa – dank FMO

Pics: Tag 1: M. Haifl, Tag 2: Knutson & Silvio

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