Lesen & SchwelgenVergessene Juwelen

DESPERATION – The First Battle (EP) / Desperation (Single)

2004 / 2014 (Eigenproduktion) – Stil: Heavy Metal


Up the Hammers – up the Irons! Oder: was hat Griechenland mit IRON MAIDEN zu tun? So – jetzt, da ich Eure Aufmerksamkeit habe – die Antwort vorab: Explizit trifft der Vergleich nur beim letzten Song ‚Life After Death‘ (ja, auch der Titel verweist auf die Eisernen) hundertprozentig den Nagel auf den Kopf. Was passiert hier? Fangen wir nochmal an: Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen: Man weiß nie, was man bekommt. Ich sitze morgens auf der Dachterrasse unseres Hotels in Athen bei Kaffee, Bier und Zigaretten mit einer Handvoll netten Belgiern, denen ich mich in meiner netten Art aufgedrängt habe. Zwei davon erwähnen, dass sie auch musizieren.

„Was macht ihr?“
„Heavy Metal“
„Wie klingt es?“
„Nach Heavy Metal“

Aha. Zurück aus dem Urlaub bekomme ich durch den Briefträger meines Vertrauens ungefragt zum Nulltarif eine EP und eine Single überbracht und muss feststellen: So einfach ist es nicht. Aber umso geiler! Da ich bereits wieder zu viel labere, ballere ich mal schnell die Namen LIEGE LORD und HELSTAR raus. Mit ersteren haben DESPERATION die Power von ‚Master Control‘ gemein, letztere als Vertreter des flotten US Metal geben musikalisch eher einen Eindruck vom Schaffen dieser begnadeten, jedoch – wie so viele – ungesignten Band.

Außerordentlich gut geriffte, melodische Gitarrenarbeit, abwechslungsreiche Arrangements, achtziger Einflüsse, die den geneigten Fan im Dreieck hüpfen lassen und neben britischen Jungfrauzitaten doch immer wieder ein Blick in die Staaten. Dazu ein Sänger, der zwar kein Screamer ist, jedoch eine starke, eigenständige und angenehme Stimme sein Eigen nennen darf. Nach zweifachem, schwungvollem Auftakt schafft man bei Nummer drei ‚Ride Till You Die‘ ein Powerballädchen in feinster ICED EARTH-Manier.

Nun beginnt die Trauerphase für alle Anhänger dieser Band und denen, die es noch werden wollen: 2007 veröffentlichten sie ihr Debütalbum NICHT und zehn Jahre später schieben DESPERATION lediglich eine ebenso gute Single nach, um dem griechischen Publikum nicht mit leeren Händen zu begegnen. Jawoll, Gemeinde. DESPERATION haben bereits 2006 und 2014 auf dem legendären UP THE HAMMERS in bester Gesellschaft gezockt und wie mir die Spatzen, oder in diesem Falle metallene Adler von den Dächern zurufen, auf hohem Liveniveau. Und nur, wer was auf dem Kasten hat, bekommt diese Chance, denn dort hört man HEAVY METAL!

Erhältlich wird das 2007er als auch das 2017er Album (macht was, Leute – 20-jähriges Jubiläum!) als Vinyl auf ‚LessPress‘ erscheinen, sobald Karins Lottolos voll zieht. Versprochen!

(8 Punkte für EP + Single und ein Taschentuch für das ‚Lost Album‘)

ironfist(at)telenet.be
https://www.facebook.com/DesperatioN/


 

Schreibe einen Kommentar