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DARK MILLENNIUM – Midnight In The Void

2016 (Independent) – Stil: Heavy Metal


Der Wind treibt sie zurück ins Geschehen. Er drängt sie wieder hinauf, hinauf auf die Bühne. Er rauscht mit ihnen zurück, mitten ins Geschehen. Plötzlich sind sie wieder da.

DARK MILLENNIUM.

Um das Jahr 1992 war die alte Plattenfirma von DARK MILLENNIUM das Maß aller Dinge, vor allem im Power Metal-Sektor. Ein Klassiker folgte im laufenden Veröffentlichungsrhythmus auf den nächsten. Allein dieses Qualitätssiegels verpflichtete damals DARK MILLENNIUMs Debüt anzuhören. Und natürlich war ´Ashore The Celestial Burden´ als auch der Nachfolger ´Diana Read Peace´ eine große musikalische Entdeckung. Erst recht für Liebhaber abseits angesagter Death Metal-Pfade. Wie ein schimmernder Monolith ragte die Musik aus dem restlichen ihn umgebenden, künstlerischen Umfeld heraus.

THIS MILLENNIUM IS GETTING EVEN DARKER

Im Rauschen des Windes fallen sie in 2016 erneut ein, lassen eine beklemmende Atmosphäre entstehen, bis schließlich die Gitarren von Hilton Theissen sowie Michael Burmann erklingen und der unnachahmliche Gesang von Christian Mertens einsetzt. Allein diese ersten Minuten des Comebackalbums ´Midnight In The Void´ offenbaren alle Varianten des bandtypischen Sounds. Der raue Gesang von Mertens, der im weiteren Verlauf noch Abwechslung in seinen Beitrag einbringen wird, wiegt über den trockenen Geschwadergeschossen der Rhythmusmaschinerie. Bleischwer, aber dennoch so filigran, jederzeit in Schwebezustand verfallen zu können.

AND I SOLD MY SOUL

Allerdings sind nicht alle Instrumente in ihrer heruntergestimmten Tiefe gefangen, besonders die Gitarre schert immer wieder aus, zeigt ihre avantgardistische und jazzige Seite. Das ist das Besondere, das Brillierende an der Musik von DARK MILLENNIUM, das sie aus der Monotonie und Gleichförmigkeit anderer Gruppen heraushebt. Der Hörer kann sich förmlich auf die Lauer legen, um Song für Song auf das extraordinäre Element zu warten. Den Gipfel dieser Extravaganz bezeugt ´Headache Machine´. Bereits nach kurzer Zeit machen sich dabei die Stimmen im Kopf bemerkbar.

Lange muss der Zuhörer hingegen nicht Ausschau halten, um den doomigen Riffs der Band zu begegnen. Diese scheinen unablässig präsent zu sein. Nicht nur im Instrumental ´Among Wolves´, sondern ebenso im außergewöhnlichen ´The Failure´ können direkt klassische CANDLEMASS-Riffs angehimmelt werden.

WHAT THE HELL
WHAT THE FUCK

Ein Lied wie ´Insanity Suck System´ drückt hingegen den Pegel der Geschwindigkeit nach oben und zeigt ebenso wie ´Looking Good Dead´, bei dem helle Gitarrenklänge lässigen Gesang umarmen, die Räudigkeit der Musik auf. Einfach den Groove im Blut zeigen; ´Love Sucks´ trägt ihn zur Schau. Alles herausstechende Songs. Einige Lieder wie das hitverdächtige `Rats Leading Rats´ verströmen obendrein fast solch eine Morbidität wie es die Urväter HELLHAMMER vermochten. Der peitschende Abgang in ´Something To Die For´ zeigt gar die pure Lust an Qualen auf, während zum Höhepunkt des neuen Classics ´Set In Motion` leichte Keys nicht nur das Lied, sondern alle Beteiligten gen Himmel schwanken lassen. Hernach folgen die abschließenden siebzehn Minuten von ´From A Thousand Years Of Yore´. Ein Epos, das nach einem Drittel der Laufzeit zu sphärischen, aber auch klangvoll träumerischen Gitarren-Parts wechselt. Der Gesang findet kurz vor Schluss zur Akustikgitarre nochmals ganz zart und zerbrechlich zurück. Ein schroffes Gewitter aller Instrumente und des bösen Gesangs vollenden letztlich diesen erstaunlichen Song und ein phantastisches Werk.

LOOKING GOOD DEAD

DARK MILLENNIUM haben die Vergangenheit keinesfalls vergessen, der Blick fällt nur nicht nostalgisch zurück, denn sie legen in 2016 mit ´Midnight In The Void´ ein atemraubendes Werk vor, das mit jeder Sekunde die Schönheit dieses Kleinods Stück für Stück enthüllt.

(9 Punkte)

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