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VEKTOR – Terminal Redux

2016 (Earache Records) – Stil: Prog Thrash


Das ganze Leben ist ein Quiz. Obendrein sind jeden Morgen die Antworten auf die wichtigsten Fragen des Alltags immer wieder und wieder aufs Neue problematisch: Nehme ich heute meine Pilz-Dosis getrocknet und inhalierend, gebacken oder gekocht zu mir. Wer die Wahl hat, hat die Qual. Eurem Mick blieb jedoch im Moment keine andere Wahl. Er hatte dieses Augenzucken, dieses Zwinkern, dieses unentwegte Blinzeln, ohne irgendeinen triftigen Grund. Denn musikalisch schreit jeder Biber nach den amerikanischen Progressive Thrash Künstlern von VEKTOR. Niemand kommt anscheinend um diese Band und ihr drittes Werk ´Terminal Redux´ herum, da sie auf allen Frequenzen im Äther und auf allen Stationen des Erdballs, die keiner kennt, gespielt werden. Konsequentermaßen sollten wir uns – etwas trockene Pilze kauend, so trocken, dass diese mit leichtem Fuße zermalmt werden können – an dieses Album heranpirschen. Gehen wir es also gemeinsam an, denn …

… das ganze Leben ist ein Spiel. Ähnlich wie bei der Synthesizer-Fraktion, die sich ihre Musik zu Games mit rasanten nächtlichen Autofahrten durch den Dschungel der Großstadt reinzieht, kann die Musik von VEKTOR zu einem prächtigen Hit´n´Run-Spiel in High-Speed verwendet werden. Zur Eröffnung des ersten Levels ´Charging The Void´ geht es im Mördertempo durch den erwarteten Dschungel. Ein paar Abbiegungen verlaufen etwas schleppend, doch das Vorankommen zieht blitzartig wieder an, holprige Wege mit inbegriffen. Level 2 verläuft im ´Cygnus Terminal´ ähnlich, etwas verspielter, hämmert der Player am Anschlagspunkt immer wieder mit dem Kopf zuerst an die Wand. Kurze schlürfende Abzweigungen, um Sonnenstrahlen einzulassen, dann schlagen Stöcke allzeit von allen Seiten auf den Spieler ein. Anschließend wechselt ´LCD (Liquid Crystal Disease)´ zwischen quirligen, instrumentalen Gewaltaktionen und schnellem Davonzischen ab. Jede Teilstrecke zündet eine neue Rakete, obwohl die aus den Boxen tönenden und sich wiederholenden Anfeuerungsrufe überraschen. So ist hernach Level 4 eher zum Schlendern sowie Ausruhen unter Einbeziehung einer kurzen Instrumental-Einlage gedacht. Dennoch wischen polternde Drums und zwirblige Gitarren auf ´Ultimate Artificer´ sofort jedes Hinwegdösen hinfort. Auf einem Mountainbike geht es über Stock und Stein, natürlich auf einem fernen Planeten. Früher lief dazu FALCO, heute VEKTOR. Der heisere Gesang passt auch zum erreichten Lebensalter. Kleine, feine, hochtönige Gitarrenvirtuositäten müssen für die früher weit mehr erhaschten spitzen Schreie von Sänger David DiSanto entschädigen. In dieser Hinsicht bleibt ´Black Future´ aus 2009 unerreicht. Währenddessen versucht ein Weltraummonster mit den überdimensionierten Borsten seines Besens auf den Player einzudreschen. Glücklicherweise steht ein schnelleres Gefährt für Level 6 zur Verfügung. Leiernd geht es in ´Pteropticon´ über futuristische Brücken und Straßen, immer im Vollgasmodus. Eine Verfolgung der intergalaktischen Polizei scheitert kläglich, selbst wenn Entgegenkommende die Fahrt störend behindern. Aber hey, jetzt muss das Pedal komplett durchgetreten werden. Dagegen scheint ´Psychotropia´ in seiner rasend hyperventilierenden Art einem Tänzchen gleich zu kommen. Der Player dreht sich oftmals bei jedem Anecken im Kreise, um fortan voran zu schlürfen. Ist das Hindernis erst einmal überwunden, heißt es rasant Abschied nehmen. Niemand sollte diese High-Speed-Fahrt aufhalten. An einer Ecke schallt dem Player sogar ein „Ugh!“ entgegen. Obacht. Tatsächlich scheint sogleich in Level 8 der Besendrescher erneut, zumindest zeitweise vorbeizuschauen. Die feuerversprühenden Düsen des Fahruntersatzes drücken dieses immerhin von der gefährlichen Planetenoberfläche hinfort. Lauert indessen dort unten schäbig kriechendes Weltraumungetier. Ist diese Strecke erst einmal überwunden, deutet das halbballadeske ´Collapse´ die Erholsamkeit des nachfolgenden Levels an. Der Motor scheint derweil seine letzten Schnappatmungen durchzuführen. Ein nochmaliges Prusten und es ist vorbei. Wenngleich weiterhin keine echten Hooks in Sicht- und Hörweite gelangen. Selbstverständlich ist längst nicht alles vorbei, ist das finale Level 10 vielmehr das längste seiner Art. Kurze Attacken von allen Seiten, dann heißt es für den Player in ´Recharging The Void´ volle Lotte, wieder mal, und totale Flucht. In engen Tunneln geht es weit schneller als erwünscht voran. Die Erlösung jederzeit herbeisehnend, ergeben sich nur ganz klitzekleine Verschnaufpausen. Umgehend geht es nur in kleinen Loopings voran. Zum Finale haben sich die Erfinder dieses Games allerdings allzu sehr – zur Beendigung solch eines Konzeptwerkes – an gewisse Vorbilder gehalten. Erscheint tatsächlich dort hinten, hinter der dunklen Seite des Mondes ein weiblicher Engel und jauchzt in einem Abschnitt dieser letzten Runde des Spiels. Erfahrungsgemäß ist es gleich vollbracht. Zielgerade. Aus. Vorbei. Ende. Pilze ausspucken, nicht vergessen.

(9 Punkte)