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GOJIRA – Magma

2016 (Roadrunner Records) – Stil: Modern Metal


Jede französische Musikgruppe sollte einmal in ihrem Leben zu Ehren der größten französischen Band aller Zeiten MAGMA ein Album benennen. GOJIRA haben sich bei ihrem teuflisch sechsten Werk daran gehalten und es ´Magma´ betitelt. Wie ein Monolith, wie ein Fels in der Brandung, wie ein erdverkrusteter Vulkan zelebrieren GOJIRA ihre Musik und schießen dabei ihr Magma, die heiße Masse aus Gesteinsschmelze eruptionsartig in die Atmosphäre.

Abermals haben GOJIRA ihren Stil verfeinert und einen neuen Weg beschritten, der sie zwar weiterhin in der Nähe von MESHUGGAH, TOOL und MASTODON treiben, ihre Stilistik aber in ureigener Schönheit finster erstrahlen lässt. Trotz der Härte, trotz der bedrohlichen Atmosphäre, die sich allzeit auf ´Magma´ hindurchzieht, verblassen die Death Metal-Roots immer mehr. Die weitflächig ausgebreitete Klangfarbe drängt GOJIRA gerade zu Beginn und am Ende des Werkes in den Dunstkreis der DEVIN TOWNSEND BAND. Nach dem weitgehend unentschlossen wirkenden Vorgänger L´Enfant Sauvage schlagen sie mit ´Magma´ ein neues Kapitel der Bandhistory auf und rammen einen markanten Pfeiler in die Erde, felsenfest einzementiert.

´The Shooting Star´ schwingt sich zur Werkeinweihung vollkommen stoisch durch die Melodie hinfort, vollkommen groovig, vollkommen mysteriös, bis sich der Gesang ein kleines hymnisches Finale erlaubt. Dann knackt ´Silvera´ die Atmosphäre auf, erhöht die Geschwindigkeit, lässt das granitharte Bollwerk unter Dauerbeschuss nehmen und der Gesang stimmt in die sich einbrennende Melodie mit der Aufforderung, jetzt die Augen zu öffnen, mit ein. Keine Gnade, ´The Cell´ lässt die Rhythmus-Maschine an ihre Grenzen marschieren, böse shreddings, böse Grunts, ein fast punkiger Charakter prägen das Bild. Diesem setzt für GOJIRA-Verhältnisse sogleich ´Stranded´ eingängig die Krone auf, ein flirrend, schrubbender Song for the masses, wie es quietschend hernach ´Only Pain´ ist. Dreckig, geradezu doomerös schreitet das kurze Instrumental ´Yellow Stone´ durchs Gebirge, das sich mit Namen ´Magma´ plötzlich vor ihm auftürmt. Hypnotisierend, vollkommen verrückt ergießt sich rüttelnd das `Magma´; alle sind high, you ´re high, we´re high. ´Pray´ wechselt die Taktik zwischen heftigem Bombardement und sanft den Sturm beschwörend, solange bis fiebrig ´Low Lands´ die Stimmung nur noch brodeln lässt und das beruhigende ´Liberation´ zum hierdurch fallenden Blutdruck einen letzten Schlussstrich zieht. Magmarös.

(9 Punkte)