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POSEIDON – Back From The Abyss – The Anthology

2015 (Dying Victims Productions) – Stil: Thrash


Alt ist geil. Wollen wir doch alle immer gern und so oft geil sein. Wer nicht geil ist, wirft sich heutzutage zur Not Pillen ein, egal ob gerade Lust oder Unlust im Spiele ist. Denn die Alten waren doch früher schon die geilsten. Ja, die alten, die alten Scheiben, das waren natürlich die geilsten, die allergeilsten – gar keine Frage, gar keine Diskussion. Und POSEIDON sind natürlich geil, alt zweifellos auch. Lang scheint es her. Alt sind wohl mittlerweile ebenso die Männer, die hinter dieser Band standen, geworden. Alt ist ebenfalls der Stil, den die Band gespielt hat, doch die Musik kommt frisch und ekstatisch aus den Boxen – genauso wie es der Banger in den 80ern geliebt hat. Aber der ist ja mittlerweile selber alt und hat die einzige Mini-LP der Baden-Württemberger ins Pfandbüro gebracht, um das Studium des Sohnes zu finanzieren.

Die einzige Drei-Track-EP von POSEIDON (´The Final Gate´) wurde damals – im Jahr 1989 – in nur drei Tagen aufs Band gebracht und schließlich auf gut 1.000 Vinyls verewigt. Zudem spielten die Jungs noch ein Fünf-Song-Demo namens ´Close The Abyss´ ein. Eingängiger, wilder, ungestümer German Thrash, der gar nicht so bierselig daher kommt, wie er zuerst einzuschätzen war, wird dem Banger geboten. Zur Begrüßung gibt es gleich einen hohen Scream – goil, was will der Lüstling mehr. Fast filigran gedeihen in ´Beyond The Seven Gates Of Hell´ die Songideen, starten POSEIDON doch in bester VENOM- oder gar POSSESSED-Manier voll durch, um zum Höhepunkt hin jedoch plötzlich ein eher hardrockiges Riff einzuschenken. Sänger Jürgen Artelt gibt dabei den typischen, aber schon sehr böse angehauchten German-Evil-Shouter. Go! Wer hier nicht feucht im Schritt wird, auch wenn ihm nur der Nachbar das Pils über die Hose geschüttet hat, ist selber schuld. Da da da daaaaa da da. Aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaah. Ja, da ist er wieder gekommen. Geiler Scheiß, sagt einer über Dir. Was waren wir wieder geil – alle sollten so geil sein. Thrash ´till geil.

Aktuell hat der Banger sogar Glück im Unglück, denn ´Dying Victims Productions´ schmeißen das gute alte Stück als neuen Silberling auf den Markt – die keinem True Metaller egal sein sollte. Beide Veröffentlichungen, also die Mini-LP und das Demo, sind hier nun vereint wiederveröffentlicht worden. Da heißt es Silberlinge auf den Tisch, im Tausch gegen den kleinen, frischen Silberling. Gell.

Auch wenn POSEIDON letztlich keinerlei Ambitionen geltend machten, eine Karriere als die deutschen SLAYER hinzulegen, sich recht zügig anschließend auflösten, ist diese ´Anthology´ ein schönes Stück deutscher Metal-Geschichte. Also – Silberling einwerfen, Volume-Regler hoch – und nun den Kopf geschüttelt, den Kopf, bitte, ohne Unterlass. Geil. Geil, oder? Geil ist true.

(7 Punkte)