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NUBIAN ROSE – Mountain

2012 (Rambo Music/ Funkylord Dynasty) – Stil: Hard Rock


Könnt Ihr Euch noch an mich erinnern? Ich dachte, ich muss mich mal wieder melden. Ich glaube, ich habe gar allzu lange nichts mehr von mir hören lassen. Aber ich war auch zu sehr beschäftigt. In Selbsterfahrungsgruppen, mit und ohne weiblichen Anschluss. All so Dinge halt. Oder Pilze trocknen. All sowas in der Art halt. Aber es waren auch wieder tolle Erlebnisse dabei. Ganz hervorragende sogar. Im Winter unverhohlen nackt auf dem Schnee liegend und dabei ein paar getrocknete Dinger snacken. Tolle Sache. Glücklich ist gar kein Ausdruck, für die Gefühle die man so empfinden kann, ein geradezu unbeschreibliches Glücksgefühl entsteht dabei. Man fühlt und sieht die Welt ganz anders. Waren da eben schon die Grashalme vorhanden, oder habe ich die gerade zwischen dem Schnee wachsen sehen. Auf den Bäumen tanzen die Käfer einen Tanz und stampfen auf den dünnen Ästen, dass man schon das Knacken und Brechen derselben hören kann. Schnee fällt auf mein Gesicht. Doch der ist süßlich wie die zuckersüßeste Sahne und kalt wie Kokosnussmilch aus dem Gefrierschrank. Dazu Musik aus dem Land am Nil. Aus dem Gebiet zu beiden Seiten des Nils südlich des Nilkatarakts bei Assuan. Da wachsen die Rosen roter als irgendwo anders. Die Rosen aus Nubian. Die Käfer tanzen und hüpfen, die Käferkapelle spielt hierzu auf. Käfermännlein überreicht Käferweiblein eine Rose. Die Käferkapelle spielt melodisch mit einem kräftigen Wumms. Doch ich schaue genauer hin, ich spitze die Ohren. Die Musik kommt gar nicht von den Ästen dort droben. Die Musik kommt aus dem neumodischen Teil, das meine Begleitung neben mir hingelegt hat. Die Musik klingt sehr interessant. Es scheint als würde sogar die Käferkapelle zu den Melodien mit aufspielen und die restlichen Käfer tanzen dazu. Manche sehen aus, als wären sie extra mit Glitzer-Leibchen für den feierlichen Anlass angekleidet. Auf dem neumodischen Gerät läuft der Schriftzug der Band über den Schirm. NUBIAN ROSE kann ich gerade noch ablesen, bevor der Gruppenname verschwindet und der Songtitel angezeigt wird. Freudig sinke ich darnieder, während mir in den Sinn kommt, dass es sich bei NUBIAN ROSE um eine neue schwedische Band handelt, die von der charismatischen und mit einer tollen Stimme gesegneten Sofia Lilja angeführt wird. Mit `Mountain´ haben NUBIAN ROSE ein überraschend starkes melodisches Hard-Rock Album abgeliefert, dass jeden Fan von female-fronted-Hard-Rock-Bands in Erregung versetzen wird. In Schweden schon im Juni 2012 veröffentlicht, verbreitet sich jetzt erst langsam das Wissen um die Existenz der Band in ganz Europa aus. Produziert vom Star-Produzenten Tobias Lindell (EUROPE, H.E.A.T., HARDCORE SUPERSTAR), kann man über den Sound nicht meckern, und die Songs tun ihr übriges dazu. Sofia Lilja wurde in Schweden als Vocal-Coach bei solch sinnigen Veranstaltungen wie `The Voice` und `Swedish Idol` bekannt, hat aber schon alleine mit dem komponieren (in Zusammenarbeit mit dem Gitarristen Christer Àkerlund) von fast allen Songs allerbesten Geschmack und auch entsprechende Fähigkeiten bzw. Talent bewiesen. Und alle Fans von LITA FORD, HEART, LAOS, SARAYA, LEE AARON oder auch WITNESS werden von NUBIAN ROSE begeistert sein. Der eingängige Eröffnungssong `Ever See Your Face` („If it would still be, I gave you everything I had to give, more than you know, maybe someday my heart can let this go, will I ever see your face, when everything will come undone, will you be around, when everything is said and done, will you still be the one, will I ever see your face anymore?“) läutet den Songreigen prächtig ein. Das kraftvolle `Mountain` will dem in nichts nachstehen, bevor der ganz große Hit `Living For Tomorrow` von einem Gitarrensolo von Kee Marcello (ex-EUROPE) gekrönt wird. `How Am I` ist dann die erwartete Ballade und schließt sich dem bisherigen allerhöchsten Niveau nur an. `Get Ready` läutet hernach den im folgenden sich erhöhenden Party-Faktor ein („Put on your hottest dress, it´s time to party on and on all night long, get ready, tonight would be a night to remember, get ready”) und die Käfermännchen lassen auf den Ästen ihre Käfer-Glitzer-Leibchen im Angesicht der Sonnenstrahlen funkeln und flimmern. Mit `Your Love´ wird es noch eingängiger und das folgende `Once Bitten` ist trotz der vertrauten Textzeilen keine Cover-Version. Der bis dahin nur leichte Keyboard-Einsatz wird mittlerweile von Fredrik Åkerlund etwas erhöht. Ob aber tatsächlich die Cover-Version des LITA FORD/OZZY OSBOURNE-Duetts ´Close My Eyes Forever´ mit dem Schweden Mats Levén wirklich sein musste, lassen wir dahin gestellt. Schön ist es, das Duett, es bringt die Käfer aber noch nicht zum Äußersten, zum Salto-Schlagen auf den Enden der dünnsten Äste. Auch die Single-Auswahl mit `Reckless` scheint keine gute Wahl gewesen zu sein, `Living For Tomorrow` wäre die bessere Möglichkeit gewesen. Das Album bietet auf jeden Fall eine bunte Mischung an unterschiedlichsten Songs und wird, falls es im aktuellen Musikgeschehen untergehen sollte, zweifellos in einigen Jahren in den bekannten Rubriken der „Forgotten Jewels“ auftauchen. Währenddessen knacken über mir die Äste und Zweige äußerst gewaltig und verdächtig, während zwei Käfermännlein für die Punktevergabe sorgen. Es erscheinen zwei Marienkäfer im Glitzer-Leibchen mit Punkten auf ihren Deckflügeln. Der eine Käfer hat 4 Punkte, der andere 5 Punkte auf dem Rücken. Die Anzahl der Punkte gibt nicht das Alter des Käfers an, sondern ist im Normalfall kennzeichnend für jede Käfer-Art, diesmal aber als Bewertung der Musik gedacht. Doch ich schließe jetzt meine Augen, nicht für immer, sondern bedecke sie nur mit ihren Lidern, um den Songs zu lauschen und an den Flocken der weißen Kokosnussmilch zu lecken.